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Schule : Hamburg will freiwilliges Sitzenbleiben verbieten

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Schulsenator Ties Rabe (SPD) will das Wiederholen der zehnten Klasse verbieten - aber nicht bei allen Schülern.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2016 | 18:15 Uhr

Hamburg | Das freiwillige Wiederholen der 10. Klasse zur Notenverbesserung soll in Hamburg bald der Vergangenheit angehören. Künftig sollen nur noch jene Jugendlichen eine Ehrenrunde drehen dürfen, bei denen dadurch der Erwerb eines höheren Abschlusses erwartet werden könne, kündigte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes an. Ob bei einem Schüler damit zu rechnen sei, entschieden Schulaufsicht und Lehrer.

Es komme immer öfter vor, dass Schüler problemlos ihren Abschluss schafften, die Klasse danach aber trotzdem wiederholen wollen, sagte Rabe. „Häufig steht dahinter nicht nur, dass sie ihre Noten verbessern wollen, sondern häufig steht dahinter auch die Ratlosigkeit, was eigentlich kommen würde, wenn sie jetzt von der Schule abgehen.“ Dadurch entstünden sinnlose Schleifen. „Wir wollen niemanden daran hindern, einen höheren Schulabschluss zu schaffen“, sagte Rabe. Aber nur zur Notenverbesserung oder aus Ratlosigkeit solle ein Wiederholen nicht mehr möglich sein. „Aber: Für diejenigen, die tatsächlich ihre Noten verbessern wollen, die verweisen wir mit dieser Schulgesetzänderung darauf, dass das trotzdem geht - nämlich im Berufsschulsystem“, sagte Rabe.

Aus Sicht der FDP belegt der Wunsch vieler Schüler auf Klassenwiederholung nur das Scheitern des Nachhilfeprogramms „Fördern statt Wiederholen“. Rot-Grün müsse dies dringend auf den Prüfstand stellen, sagte die FDP-Schulexpertin Anna von Treuenfels-Frowein. „Die Möglichkeit zur Klassenwiederholung muss wieder zugelassen werden.“

Auch die Linken bezweifelten die von Senator Rabe angeführte Ratlosigkeit der Schüler. „Das Problem der Jugendlichen ist nicht in erster Linie, dass sie nicht wissen, was sie werden wollen. Im Gegenteil: Es fehlen ihnen ihren Wünschen entsprechende, ausreichende Ausbildungsplätze“, sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende Sabine Boeddinghaus. Da müsse endlich mehr getan werden. Ähnlich äußerte sich die frühere Linken-Fraktionschefin und heutige fraktions- und parteilose Abgeordnete Dora Heyenn: „Sie sind ratlos, weil es gerade für Haupt- und Realschüler zu wenig Perspektiven gibt.“

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