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Altonaer Lärmschutzdeckel : Hamburg will 2500 neue Wohnungen entlang der A7 bauen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zwischen Volkspark und Elbtunneleinfahrt wird die Autobahn überdacht. Bedingung dafür: Es müssen neue Wohnungen entstehen.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2016 | 20:18 Uhr

Hamburg | Schöner Wohnen an der Autobahn: Hamburg will entlang des A7-Lärmdeckels im Bezirk Altona zusammen mindestens 2500 neue Wohnungen errichten. Das haben Senat und Bezirk am Montag in einer Absichtserklärung festgelegt. Auf der A7 bei Hamburg-Stellingen gab es unterdessen eine „Brückenhochzeit“.

Der üppige Wohnungsbau ist die Bedingung der Stadt für die Finanzierung des sogenannten langen Altonaer Deckels. Gemäß der Vereinbarung kommt die Autobahn nun vom Volkspark im Norden bis kurz vor der Elbtunneleinfahrt im Süden auf 2,3 Kilometern unter die Haube. Weil der Bund als Straßenträger nur die gesetzlich vorgeschriebene Überdeckelung von 730 Metern bezahlt, muss Hamburg für die XXL-Lösung 265 Millionen Euro aus der eigenen Kasse dazugeben.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erkannte dennoch gestern bei der Unterzeichnung des Papiers im Altonaer Rathaus nur Gewinner: „Das Gesamtprojekt Deckel A7 ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Interessen – Schaffung von Wohnraum, wirtschaftliches Wachstum und Lärmschutz bei steigendem Verkehrsaufkommen – zum Wohl der Bürger miteinander vereinbar sind.“

Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) hält Hamburg mit dem Langdeckel für einen internationalen Pionier: „Wir können mit diesem Jahrhundertprojekt europaweit Vorbild werden bei der Integration einer hochbelasteten Autobahn in einen gewachsenen Stadt- und Landschaftraum.“

Erfolg für Bürgerinitiative

Tatsächlich ist die Langversion vor allem eine Maßnahme der Stadtreparatur. Zwei getrennte Stadtteile würden „nun endlich wieder zusammengefügt“, freute sich Altonas Bezirksamtsleiterin Liane Melzer (SPD). Seit fast einem halben Jahrhundert bildet eine der meist befahrenen Autobahnen Deutschlands eine schier unüberwindbare Schneise durch Bahrenfeld und Othmarschen. Verschwindet der Asphaltstrang unter der Erde, können Anwohner wieder zu Fuß von einem Teil in den anderen Teils ihrer Stadtteile gelangen.

Obendrein müssen sie den Krach der 150.000 Fahrzeuge täglich nicht mehr ertragen. Die Wohnungen werden allesamt neben der Überdeckelung entstehen. Auf der Tunneloberfläche ist ein etwa 14 Hektar großer Grünzug samt Radweg geplant, der von Volkspark bis zum Tunnel Elbtunnel reicht. Dazu Ausweichflächen für Kleingärten, die bisher am A7-Rand liegen und dem Wohnungsbau weichen werden.

Gebaut werden soll vor allem auf zusammenhängenden Entwicklungsflächen zwischen Trabrennbahn im Westen und Schnackenburgallee. Um Tempo zu machen, hat der Senat die Planungen vom Bezirk an sich gezogen. Baubeginn des Deckels könnte 2020, Fertigstellung 2024 sein. Die Lösung ist ein großer Erfolg für die Bürgerinitiative „Ohne Dach ist Krach“, die 22 Jahre für den Deckel gekämpft hat.

Zu den Befürwortern der ersten Stunde gehörte auch der Altonaer Olaf Scholz. Der erinnerte sich gestern schmunzelnd, wie er damals - „mit noch sehr, sehr viel mehr Haaren“ - ein Forderungsplakat an einer Autobahnbrücke befestigt hatte.

Brückenbau bei Stellingen

Unterdessen sind am Montag auch zwei riesige Brückenteile auf der A7 in Hamburg-Stellingen aufwendig miteinander „verheiratet“ worden. Die Wirtschaftsbehörde sprach von einer gelungenen „Brückenhochzeit“, an der auch Wirtschaftssenator Horch als „Trauzeuge“ teilnahm.

Damit ist der Ostteil der neuen Langenfelder Brücke fertiggestellt. Für die Vereinigung des nördlichen und des südlichen Teils der Brücke mussten die beide insgesamt 3500 Tonnen schweren Abschnitte auf eine gemeinsame Ebene abgesenkt und zusammengeführt werden. Die Brücke führt unter anderem über die Bahnschienen an der Haltestelle Hamburg-Stellingen. Die bestehende Brücke ist für den achtspurigen Ausbau nicht breit und tragfähig genug und erfüllt auch die Lärmschutzbedingungen nicht. 2018 soll die neue Langenfelder Brücke komplett fertig werden.

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