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Rathausmarkt : Hamburg: Wilder Streit um Touristeninformation

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Aus der Onlineredaktion

Provinzposse in der Metropole: Stadt und Tourismus GmbH zerlegen sich wegen Denkmalschutz von 80er-Jahre-Gebäude.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2015 | 10:23 Uhr

Hamburg | Hamburg ist wahnsinnig stolz auf seine Tourismuszahlen - zu recht. Zwölf Millionen Menschen besuchen jährlich die Stadt (Zahlen im Detail hier). Doch wer vor Ort Informationen braucht über Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten oder Ausflüge, sucht oft vergebens. Zwei Touristeninformationen hat die Stadt, beide recht versteckt und wenig repräsentativ. Eine ist am Flughafen, die andere am Hauptbahnhof. Aus dem Plan für eine weitere zentrale Touristeninformation auf dem Rathausmarkt wird wohl nichts. Grund ist ein bizarrer Streit.

Der Standort der Touristeninformation im Hamburger Hauptbahnhof.

Laut einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ zerlegen sich die Beteiligten gerade über Fragen der Architektur, des Denkmalschutzes und der Größe der neuen Touristeninformation. Die Fakten:

  • Die Eröffnung war für Sommer 2017 geplant.
  • Das Geld sollte aus der 2013 eingeführten Bettensteuer kommen, die die Hotels abführen.
  • Die heutigen grünen Pavillons aus den 80er-Jahren (denkmalgeschützt) sollten einbezogen werden.
  • Die Fläche war mit 600 Quadratmetern geplant. Ein Teil der Fläche sollte untervermietet werden, die Mieteinnahmen die laufenden Kosten mittragen.

Bei einem Architektenwettbewerb gingen die Büros Coido (Hamburg) und Studio Swes (Sevilla) mit einem gemeinsamen Entwurf als Sieger hervor. Problem: Statt der vorgesehenen 600 Quadratmeter sieht ihr Entwurf nur knapp 400 Quadratmeter vor. Deshalb hat Hamburg Tourismus den Entwurf auf eigene Faust überarbeiten lassen. Das kritisiert der Hamburger Oberbaudirektor scharf: „Das ist nicht akzeptabel und auch nicht relevant“, sagte er dem „Abendblatt“.

Dietrich von Aldebyll, Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH, kontert: „Wir haben uns lediglich bei der Prüfung der Machbarkeit beraten lassen und keinen neuen Entwurf in Auftrag gegeben.“ Sein Argument: Nur mit 600 Quadratmetern ist eine Untervermietung möglich. Und ohne Untervermietung würden die Kosten um eiine Million Euro pro Jahr anwachsen.

Zentraler Punkt des Streits ist nun, was mit den grünen Pavillons auf dem Hamburger Rathausmarkt mit den bestehenden Denkmalschutzauflagen möglich ist. Für den Außenstehenden mag es seltsam wirken, dass die 80er-Jahre-Bauten überhaupt unter Denkmalschutz stehen. Das „Abendblatt“ wagt eine Prognose: „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Stadt offiziell von einer Tourismusinformation auf dem Rathausmarkt verabschiedet.“

 

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