Schärferer Trinkwasserschutz : Hamburg Wasser fordert Verbot von Mikroplastikpartikeln und Süßstoffen

Schäumendes Duschgel oder Shampoo belaste den Wasserkreislauf bis hin zum Trinkwasser, kritisiert der Versorger.

shz.de von
11. Juni 2018, 14:15 Uhr

Hamburg | Der Versorger Hamburg Wasser hat ein Verbot von Mikroplastikpartikeln etwa in Duschgels und von speziellen Süßstoffen verlangt. Solche Spurenstoffe landeten in den Kläranlagen, könnten dort nicht vollständig herausgefiltert werden, und belasteten letztlich den weiteren Wasserkreislauf bis hin zum Trinkwasser, sagte die Chefin von Hamburg Wasser, Nathalie Leroy, am Montag in der Hansestadt.

Gleichzeitig gab sie für Hamburg Entwarnung: „Das Trinkwasser hier ist nach wie vor von einwandfreier Qualität.“ Verursacher von Schadstoffen im Grundwasser wie Landwirtschaft und Industrie müssten stärker in die Pflicht genommen und Verbraucher besser aufgeklärt werden. „Wasserwerke und Kläranlagen sind kein Reparaturbetrieb für gesellschaftliches und wirtschaftliches Fehlverhalten“, machte Leroy deutlich.

Der Süßstoff Acesulfam-K in Getränken könne durch andere abbaubare Mittel wie Stevia ersetzt werden. Außerdem sei es ein Leichtes, Medikamente in der Mülltonne zu entsorgen und nicht über die Toilette, wodurch Rückstände in den Wasserkreislauf gelangten. Als ein Vorbild nannte die Managerin Schweden, wo vom 1. Juli an der Verkauf von Kosmetika mit Mikroplastik verboten sei. 

Um beim Hamburger Verbraucher mehr Bewusstsein für die Inhaltsstoffe im Trinkwasser zu schaffen, hat der Versorger seinen Internetauftritt um Messdaten zur Trinkwasserqualität angereichert. Die strengen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung würden in Hamburg deutlich unterschritten, erläuterte Leroy. Aber Schadstoffkonzentrationen dürften aus ihrer Sicht weiter zunehmen, zumal sich in jüngster Vergangenheit eine leicht steigende Tendenz abgezeichnet habe. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben seine Laboranalyse intensiviert und die Zahl der untersuchten Parameter von einst 600.000 auf 850.000 hochgefahren.  Hamburg Wasser versorgte 2017 rund 2,13 Millionen Menschen mit etwa 114 Millionen Kubikmetern Trinkwasser. Das regnerische Jahr 2017 ließ die zu reinigende Abwassermenge um 8,0 Prozent auf 170 Millionen Kubikmeter steigen. Der Jahresgewinn von rund 29 Millionen Euro wird an die Stadt abgeführt.

Das Schwesterunternehmen Hamburg Energie versorgte 132 000 Privat- und Gewerbekunden und steigerte den Jahresüberschuss um 30 Prozent auf 1,3 Millionen Euro, was reinvestiert wird. Die Quote seiner eigenen Energieerzeugung lag Ende Mai 2018 bei 67 Prozent (2017: 45 Prozent). Das Unternehmen liefert Strom aus regenerativer Energie.  Der Gesamtkonzern erzielte 2017 einen Überschuss von 81 (Vorjahr: 105) Millionen Euro sowie 791 Millionen Euro Umsatz (2016: 806 Mio).

Er beschäftigt rund 2200 Mitarbeiter. Der Schuldenstand von 1,6 Milliarden Euro 2011 sei auf 1,3 Milliarden Euro zurückgeführt worden, berichtete das Management.

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