Hochzeitstage : Hamburg und das Geheimnis langer Ehen

Liselotte und Kurt Schoop blicken sich am 10.01.2015 bei der Feier ihres 70. Hochzeitstages in Travemünde (Schleswig-Holstein) in die Augen. Die beiden haben am 09.01.1945 in Podiebrad (heutiges Tschechien) geheiratet.
Liselotte und Kurt Schoop blicken sich am 10.01.2015 bei der Feier ihres 70. Hochzeitstages in Travemünde (Schleswig-Holstein) in die Augen. Die beiden haben am 09.01.1945 in Podiebrad (heutiges Tschechien) geheiratet.

Während viele Ehen schon in den ersten Jahren in die Brüche gehen, feiern ungewöhnlich viele Paare hohe Ehejubiläen. Ihr Rezept: Vertrauen und Respekt.

shz.de von
23. Januar 2015, 19:31 Uhr

Hamburg | Das Hochzeitsfoto, auf dem das frisch vermählte Ehepaar Liselotte und Kurt Schoop in die Kamera lächelt, ist inzwischen 70 Jahre alt und liegt irgendwo zwischen alten Bildern und Erinnerungen im Seniorenheim in Travemünde vergraben. Doch verliebt sind die über 90-Jährigen bis heute. Das Paar ist gemeinsam durch „dick und dünn“ gegangen, wie der Rentner sagt. Im Januar feierten die beiden „Gnadenhochzeit“. Doch über den Begriff sind die beiden eher unglücklich - denn nicht irgendeine Gnade habe ihre Ehe aufrechterhalten, sondern in ihrer Beziehung stecke viel Arbeit.

Ungewöhnlich viele Paare feierten in Hamburg in den vergangenen Jahren hohe Ehejubiläen. Trotz hoher Scheidungsquoten waren nach den letzten Auswertungen der Melderegister durch das Statistikamt Nord in der Hansestadt 39 Ehepaare seit 70 Jahren verheiratet. 314 Paare begingen die Eiserne Hochzeit, weil sie auf 65 Ehejahre zurückblickten. 1107 Ehepaare feierten nach 60 Ehejahren das Fest der Diamantenen Hochzeit, 4112 Ehepaare ihre Goldene Hochzeit. Zum Jubiläum gibt es auf Wunsch nicht nur ein Glückwunschschreiben des Bürgermeisters, sondern ab dem 65. Jahrestag auch eine Ehrung des Bundespräsidenten. Für Schleswig-Holstein werden keine zentralen Daten erhoben.

Durch ein bewegtes Leben seien sie immer gemeinsam gegangen: 1944 lernten sich Liselotte und Kurt Schoop mit knapp 20 Jahren mitten im Krieg in Prag kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick, sagt er. Für Liselotte dauerte es einige Momente länger. Schon damals waren sie nicht immer einer Meinung, doch an einen größeren Streit können sich die Beiden in den gemeinsamen Jahren nicht erinnern. „Wir haben aber immer alles zusammen beredet und den anderen dabei ernst genommen“, sagt die 94-Jährige heute. Ihr Beziehungsgeheimnis: viele Freiräume, Kommunikation und eine große Prise Vertrauen. „Aber ist das ein Rezept für jedermann? Das muss jeder für sich selbst herausfinden“, sagt Kurt Schoop. Früher ist der ehemalige Chef der Düsseldorfer Messe um die Welt gereist, traf Regierungschefs und Könige, heute mit 93 Jahren sitzt er im Rollstuhl, sein linkes Auge hat er als Soldat im Krieg verloren. „Ich vertraue Lilo mein Leben an“, sagt Schoop mit liebevoller Stimme.

Lilo ersetzt ihm heute Augenlicht, managt den Haushalt und hat die Hosen an. Den Respekt dem anderen gegenüber haben sie jedoch nie verloren. Nach 70 Jahren Zusammenleben gebe es keine Geheimnisse und auch keine Peinlichkeiten mehr. „Aber das hat es bei uns auch nie wirklich gegeben“, ist sich Liselotte sicher.

Immer mehr Ehen gehen meist schon innerhalb der ersten zehn Jahre in die Brüche, erreichen nicht einmal den „Rosen“-Status nach einer Dekade. Jüngste Zahlen des Landesstatistikamts zeigen: Knapp 3200 Ehen landeten 2013 in Hamburg vor dem Scheidungsrichter, rund 6700 Ehen waren in Schleswig-Holstein zerbrochen.

Auch Liselotte und Kurt hatten schwere Zeiten in ihrer Ehe durchlebt: Nach Kriegsende waren sie teilweise mit blutigen Füßen von Bad Tölz in Bayern bis in den Norden gewandert oder in einen Güterzug geklettert. In Hamburg mussten sie von Null an wieder beginnen, hatten kein Erspartes und arbeiteten rund um die Uhr. Kurt war viel unterwegs, seine Frau blieb mit der gemeinsamen Tochter oft mehrere Tage alleine zu Hause. An Scheidung dachten die beiden jedoch nie. Im Gegenteil: „Die schwere Zeit hat uns zusammengeschweißt“, sagt Liselotte.

Mitten in den Kriegswirren hatten sie geheiratet, sie in einem Sommerkleid mitten im Winter 1945, er in Uniform. Alle anderen Habseligkeiten waren verloren gegangen. Seitdem feierten sie jeden Hochzeitstag, 70 Mal schenkte Kurt seiner Lilo am 9. Januar Blumen. „Vielleicht ist das unser Geheimnis: Wir haben das Feiern nicht vergessen“, sagt Kurt.

Die Bedeutung einiger Hochzeitstage im Überblick:

Grüne Hochzeit – Tag der Heirat

Dass bereits der Tag der Eheschließung ein Jubiläum ist, scheint paradox. Dennoch hat es seinen Grund: Grün weist auf die Frische der Ehe hin. Wie eine unreife, grüne Frucht muss sich die Ehe erst noch entwickeln und sich entfalten, ehe sie Farbe bekommt.

Hölzerne Hochzeit – fünf Jahre

Ein bereits mit Kindern gesegnetes fünftes Ehejahr wird mit der Hölzernen Hochzeit gefeiert. Mit dem Holz wird auf die Stabilität der Ehe hingewiesen. Ebenso wird auf den Spruch „Klopf auf Holz“ angespielt, da die Ehe bisher bestand hatte und auch weiterhin gut verlaufen soll.

Bei kinderlosen Ehen feiert man in Norddeutschland die Ochsenhochzeit. Hierbei kommt gerne ein Kranz zum Einsatz, der an die Tür des Ehepaares gehängt wird. Geschmückt ist der Kranz mit Kondomen, in die Löcher geschnitten sind.

Rosenhochzeit – zehn Jahre

Die Rose steht sinnbildlich für die Liebe. Nach zehn Jahren Ehe scheint genug Liebe vorhanden zu sein, um die Ehe auch noch weitere Jahre glücklich fortführen zu können.

Kristallhochzeit – 15 Jahre

Die Ehe ist Stabil, doch wie ein Kristall kann die Ehe bei falschem Umgang zerbrechen. Die Eheleute haben sich über die Jahre so gut kennengelernt haben, dass sie sich in- und auswendig kennen. Die Ehepartner sind gläsern geworden.

Porzellanhochzeit – 20 Jahre

Die 20 Jahre andauernde Ehe hat sicherlich nicht immer nur Gutes erlebt. Bei der Porzellanhochzeit geht man davon aus, dass schon einiges an Porzellan zu Bruch gegangen ist.

Silber-Hochzeit – 25 Jahre

Die Silber-Hochzeit hat mit einen der höchsten Stellenwerte unter den Hochzeitstagen. Silber ist eines der edelsten Metalle und steht für Glanz und Wertbeständigkeit, wie auch die 25 Jahre Ehe.

Perlenhochzeit – 30 Jahre

Perlen brauchen Zeit, um heranzureifen und um ihre volle Schönheit zu entfalten. Sobald sie das geschafft haben, verkörpern sie Glanz und Beständigkeit. So auch eine Ehe: 30 Jahre hatte die Ehe nun Zeit heranzureifen und ihren Glanz zu entfalten.

Auch kann man die Perlenhochzeit mit einer Perlenkette vergleichen, bei der die Ehejahre, wie Perlen an der Kette, aneinandergereiht sind. Ebenso wird mit der Perlenkette der Wert dieser Eher verdeutlicht, die mit jeder Perle mehr Wert gewinnt.

Leinwandhochzeit – 35 Jahre

Der Name stammt noch aus früheren Zeiten: Nach 35 Jahren Ehe ließen sich die Ehepartner auf Leinwand malen. Der Bestandteil von Leinwänden ist Leinen. Leinen gilt als reißfest, wie auch die Ehe. Dennoch ist der Stoff flexibel.

Rubinhochzeit – 40 Jahre

Der Rubin steht für Feuer, Mut, Kampf, Liebe, Lebenskraft, Leidenschafft und Wollust. Rot steht für die Liebe. Dieses Jubiläum bedeutet, dass auch die Liebe nach 40 Jahren Ehe noch nicht erloschen ist und feurig weiter brennt.

Goldene Hochzeit – 50 Jahre

Gold steht für Weisheit, Beständigkeit und Wert. So viele Jahre miteinander zu verbringen, wird als wertvoll erachtet – wie Gold. Eine Ehe, die so lange hält, gilt als beständig. Und ein Ehepaar, das sich nach so langer Zeit immer noch liebt, gilt als weise.

Diamanthochzeit – 60 Jahre

Der Diamant steht für Reinheit, Widerstandskraft, Einheit, Perfektion und ewige Liebe. All diese Eigenschaften treffen auch auf 60 Jahre Ehe zu.

Eiserne Hochzeit – 65 Jahre

Eisen ist stabil. Nach so vielen Jahren gilt die Ehe als unzerstörbar. Auch der „eiserne Wille“ ist den Ehepartnern anzusehen. Keine Ehe verläuft nur glücklich, aber auch Rost zerstört das Metall nicht vollends.

Gnadenhochzeit – 70 Jahre

Wer 70 Ehejahre miteinander verleben durfte, bekam Gottes Gnaden zuteil, so der religiöse Ansatz der Namensgebung. Ein weiterer ist der, dass die Eheleute sich gegenseitig die Gnade des Zusammenlebens gewähren.

Eichenhochzeit – 80 Jahre

Die wahre Bedeutung dieser Namensgebung ist unbekannt. Doch vermutet man, dass die Ehe so standhaft ist, wie eine Eiche, die ihre Wurzeln tief im Erdreich verankert hat. Außerdem steht die Eiche für die Ewigkeit.

Engelshochzeit – 85 Jahre

Woher der Name Engelshochzeit kommt, weiß man nicht. Jedoch wird vermutet, dass die Eheleute nach so langer Zeit in einen engelsgleichen Zustand erhoben werden.

Himmelshochzeit – 100 Jahre

Die Ehe wird als so beständig dargestellt, dass sie im Himmel weiter andauert. Dieses Jubiläum zu erreichen, gilt als unwahrscheinlich. Es ist ein Jubiläum, welches die Kinder oder Enkelkinder ohne das Jubelpaar feiern. Man kann dieses Jubiläum auch als himmlische Feier bezeichnen, da sie nur im Himmel gefeiert wird.

 
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