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Antrag der Grünen : Hamburg testet flexible Grundschulzeiten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein begabtes Kind geht nur drei Jahre zur Grundschule, eines mit Lernproblemen bis zu fünf: Nach diesem Modell wollen Hamburgs Grüne die vierjährige Grundschule in der Hansestadt grundlegend umstellen.

Hamburg | Ein begabtes Kind geht nur drei Jahre zur Grundschule, eines mit Lernproblemen bis zu fünf: Nach diesem Modell wollen Hamburgs Grüne die vierjährige Grundschule in der Hansestadt grundlegend umstellen. Laut ihrem Antrag, der kommende Woche in der Bürgerschaft debattiert wird, sollen die ersten beiden Grundschuljahre künftig zusammengefasst werden. In jahrgangsübergreifenden Klassen lernen die Kinder den Stoff der Klassen 1 und 2. Wer schnell vorankommt, soll nach einem Jahr in die dritte Klasse wechseln, wer deutlich länger braucht, nach drei Jahren. Unter- oder Überforderung würden so vermieden.

Hintergrund ist eine Entwicklung, die auch in Hamburg Fachleute zusehends beunruhigt. Pädagogen registrieren bei der Einschulung immer größere Unterschiede im Vorwissen der Sechsjährigen. Können einige Abc-Schützen bereits fließend lesen und schreiben, hapert es bei anderen schon beim fehlerfreien Sprechen. Um die Diskrepanz auszugleichen, soll jedes Kind zum Auftakt seiner Schullaufbahn die nötige Zeit bekommen, um sich in seinem Tempo die elementaren Kenntnisse anzueignen.

Hamburgs Grüne verweisen auf die gerade verheerenden Negativfolgen ungleicher Ausgangslagen. Schulsenator Ties Rabe (SPD) hatte kürzlich die KESS-13-Studie präsentiert, die bei Abiturienten der verschiedenen Schulformen im Stadtstaat teils eklatante Wissensunterschiede belegt. Schon in den Mittelstufen der Stadtteilschulen gibt es im Vergleich zu Gymnasien riesige Lernrückstände, die meist in der Grundschulzeit ihren Ausgang genommen haben.

Nicht nur die Elternkammer Hamburg unterstützt den Vorschlag der Grünen, auch die regierende SPD ist grundsätzlich für eine Flexibilisierung, lehnt aber eine flächendeckende Umstellung ab. „Wir wollen jahrgangsübergreifendes Lernen an Grundschulen an etwa zehn Piloteinrichtungen zunächst testen“, sagt SPD-Bildungsexperte Lars Holster. An diesen Pionierschulen werde die Grundschulzeit zwischen drei und fünf Jahren liegen. Der Schulversuch, so Holster, starte zum kommenden Schuljahr.

Andernorts in Deutschland ist die Bildungspolitik schon weiter. Mehrere Bundesländer haben Pilotversuche zum flexiblen Schuleingang bereits vor Jahren begonnen, darunter Schleswig-Holstein. Auch das Bildungs-Vorzeigeland Bayern geht diesen Weg und hat die Anzahl der beteiligten Grundschulen zuletzt auf 60 verdreifacht.

Zugleich greifen die Grünen ihren früheren Vorschlag für einen zweiten Einschultermin wieder auf. Demnach sollen Kinder nicht nur nach den Sommerferien, sondern auch zum 1. Februar ihre Schullaufbahn starten. Holster winkt ab. In der Sache hält er die Idee für sinnvoll, verweist aber auf die hohe Belastung durch Schulreformen in den vergangenen Jahren. „Eine weitere strukturelle Veränderung bei der Einschulung mögen wir Schulen, Schülern und Eltern derzeit nicht zumuten.“

 

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