zur Navigation springen

Pilotprojekt an Schulen : Hamburg: Tablet und Laptop statt Tafel und Bücher

vom

Bisher war es ausdrücklich verboten. Aber ab kommenden Schuljahr bekommen einige Hamburger Schüler einen digitalen Freibrief. Sie sollen mit ihren Smartphones und Tablets in den Unterricht kommen.

Hamburg | An sechs Hamburger Schulen haben vom kommenden Schuljahr an Tafeln, Bücher und Hefte in einzelnen Klassen weitgehend ausgedient. Unter dem Titel „Start in die nächste Generation“ beginnt dort nach den Sommerferien ein zweijähriges Pilotprojekt, bei dem die Schüler stattdessen im Unterricht mit Smartphones, Tablets und Laptops arbeiten und so deren sinnvolle Nutzung erlernen sollen, wie Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag sagte. Die Kosten des Projekts, an dem insgesamt rund 1300 Schüler teilnehmen sollen, bezifferte er auf knapp 900.000 Euro. Vier weitere Schulen würden zudem beispielhaft Informatik-Lehrpläne entwickeln, kündigte Rabe an.

Bei dem Projekt sollen die Schüler ihre in der Regel bereits privat vorhandenen Geräte im Unterricht verwenden. Für jene Jugendlichen, die sich keinen Laptop oder Tablet leisten können, sollen die Schulen einspringen. Alle Schulen haben laut Rabe „einen manchmal recht umfangreichen sogenannten Selbstbewirtschaftungsfonds“. Außerdem hätten sie bereits Konzepte vorgelegt, „wie man Schülerinnen und Schüler, die eventuell keinen eigenen Laptop haben, helfen kann“. Es sei sichergestellt, dass die Klassen komplett und ohne Diskriminierungen an dem Projekt teilnehmen können. Bedenken, gegen den Willen der Eltern zu agieren, gebe es nicht, sagte Rabe. „Hier lagen in allen Fällen Beschlüsse der Schulkonferenzen vor - und mit den Elternvertretern selber.“

Welche Klassen konkret Laptop gegen Hefte tauschen werden, obliege ebenfalls allein der Entscheidung der Schulen. Insgesamt zeigte sich Rabe überzeugt, dass die zu testende Art des Unterrichtens die Zukunft ist. „Ich bin auch fest davon überzeugt, dass wir überholt werden von einer Entwicklung, die die Kinder sowieso machen, wenn wir nicht in der Schule das aktiv aufgreifen.“ 

Der fraktionslose Abgeordnete und Sprecher der Elterninitiative „Wir wollen lernen“, Walter Scheuerl, nannte das Projekt kurzsichtig. Denn wenn Kinder zwei Jahre lang nur noch auf ihren Geräten getippt haben, seien sie danach praktisch nicht mehr in der Lage, auch längere Texte handschriftlich zu schreiben. Außerdem trage Schulsenator Rabe mit dem Projekt die Materialschlacht um die besten Geräte in die Schulen, verursache Kosten für Softwarelizenzen und mache die Schüler zudem abhängig von den jeweils verwendeten Betriebssystemen und der jeweils eingesetzten Software.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Mai.2014 | 16:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen