Neubau der Langenfelder Brücke : Hamburg-Stellingen: Senator feiert zweite „Brückenhochzeit“ an der A7

Brücke
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Der Nordteil der Langenfelder Brücke (rechts) wird millimeterweise auf das Niveau des Südabschnitts abgesenkt.

Unten fahren Züge, darüber errichten Bauarbeiter eine Autobahn auf Stelzen. Der Neubau ist eine Herausforderung für Ingenieure.

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19. Februar 2018, 18:04 Uhr

Hamburg | Sage niemand, Ingenieure und Bauarbeiter hätten keine poetische Ader. Als Brücken-Hochzeit bezeichnen sie das, was am Montag an der Autobahn 7 in Stellingen zu bestaunen war. Die Stahlkonstruktionen der südlichen und nördlichen Hälfte der Langenfelder Brücke kamen einander Millimeter für Millimeter näher – und setzten schließlich zum Brücken-Kuss an. Mit einer dicken Schweißnaht wird die Verbindung in den kommenden Tagen vollendet - auf dass nur der Rost die Frischvermählten in ferner Zukunft wird scheiden können.

„Eine außergewöhnliche Baustelle. Ich bin froh, wie gut dieses Ingenieurbauwerk läuft“, lobte „Trauzeuge“ Frank Horch beim Ortstermin. Hamburgs parteiloser Verkehrssenator unterstrich die schwierigen Bedingungen beim mutmaßlich kompliziertesten Einzelprojekt bei A7-Ausbau zwischen Elbtunnel und Bordesholmer Dreieck. Denn der Abriss der alten und der Neubau der neuen knapp 400 Meter langen Querung dürfen den Verkehrsfluss nicht unterbrechen – oben wie unten. Über die – streng genommen – zwei parallel laufenden Brücken rauschen täglich 150.000 Autos, während darunter auf 18 Gleisen Fern-, S-Bahn- und Güterzüge rollen.

Damit die OP am offenen Herzen gelingt, haben die Ingenieure das Projekt als Puzzle mit vier riesigen Teilen geplant. Zunächst trugen sie das östliche Bauwerk (Richtungsfahrbahn Flensburg) ab und schoben die zweiteilige neue Konstruktion zu einer ersten „Brücken-Hochzeit“ zusammen; seit Herbst 2016 ist dieser Abschnitt befahrbar. Es folgte dasselbe Prozedere für die Westhälfte (Richtung Hannover), die seit gestern ebenfalls vereint ist. Nun schließen sich das Aufbringen von Betonplatten und das Asphaltieren an, bevor der Verkehr auf der gesamten Brücke ab Oktober rollen kann. 

Um die je 1000 Tonnen schweren Brückenteile aufeinander zuzuschieben, setzen die Baufachleute übrigens auf simple Küchentechnologie, wie der Verantwortliche der Projektgesellschaft Deges, Martin Steinkühler, verriet: „Wir lagern die Stahlteile auf Teflonplatten, darauf rutscht es wie auf einer Bananenschale.“

Die tragenden Bauteile der 40 Jahre alten Betonbrücke waren so sanierungsbedürftig, dass sich die Planer im Zuge der A7-Verbreiterung für einen Ersatzbau entschieden. Dessen Konstruktion besteht im Kern aus Stahl, was Tragfähigkeit und Lebensdauer erhöhen soll. Zum Schutz der Anwohner errichtet die Deges zudem sieben Meter hohe Lärmschutzwände und versieht die Brücke mit Flüsterasphalt. Die Arbeiten liegen im Zeitplan. Kostenpunkt: rund 80 Millionen Euro.

Alles zum A7-Ausbau finden Sie in unserem Themen-Spezial unter shz.de/A7.

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