Zu viele Massenpartys am 14. Juli : Hamburg: Rot-Grün will den Schlagermove verlegen

Tausende Partywillige ziehen beim Schlagermove alljährlich durch die Stadt. In diesem Jahr vielleicht nicht mehr.Georg Wendt
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Tausende Partywillige ziehen beim Schlagermove alljährlich durch die Stadt. In diesem Jahr vielleicht nicht mehr.Georg Wendt

Nix mit „Hossa, Hossa“? Drei Großevents auf dem Heiligengeistfeld seien zu viel – doch ein anderer Ort kommt für den Veranstalter nicht in Frage.

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18. Januar 2018, 10:26 Uhr

Hamburg | Das Problem ist nicht neu: Die Zahl der Massenpartys rund um die Reeperbahn haben in den vergangenen Jahren extrem zugenommen. Anwohner sind zunehmend genervt von gesperrten Straßen, blockierten Parkplätzen, Lärm und Müll. Und weil in diesem Jahr am 14. Juli mit dem Schlagermove, dem Triathlon und dem Fanfest zur Fußball-Weltmeisterschaft auf dem Heiligengeistfeld gleich drei Großveranstaltungen stattfinden sollen, wollen SPD und Grüne im zuständigen Bezirk Hamburg-Mitte jetzt die Reißleine ziehen.

Im Cityausschuss am Dienstag wollen sie dem Schlagermove eine Genehmigung für den 14. Juli verwehren und damit auf eine Verlegung des Massen-Spektakels auf einen anderen Tag im Jahr drängen und an einen anderen Ort. „Wir wollen, dass der Schlagermove am Großmarkt stattfindet. Dort gibt es bereits gute Erfahrungen mit den Harley Days“, sagt SPD-Fraktionschef Arik Willner auf Nachfrage von shz.de.

Entzerrung im Sinne der Anwohner

Das Problem mit der Häufung von Großveranstaltungen rund um die Reeperbahn sei seit Jahren bekannt und werde genau so lange schon ignoriert. Da sich die Situation in diesem Jahr am 14. Juli mit dem zusätzlichen Fanfest erneut zuspitze, sehe sich die rot-grüne Mehrheit der Kommunalpolitiker gezwungen, für eine Entzerrung im Sinne der Anwohner zu sorgen. SPD-Bezirkschef Willner setzt allerdings bis zur Sitzung am Dienstag noch auf eine einvernehmliche Lösung. Innenbehörde und die Spitzen der Bürgerschaftsfraktionen seien informiert und gesprächsbereit.

Falls es zu keiner einvernehmlichen Lösung kommt und der Cityausschuss den Schlagermove ablehnen würde, hätte dennoch der Hamburgische Senat das letzte Wort. Wie die Pressesprecherin vom Bezirksamt Mitte, Sorina Weiland, bestätigt, könnte der Senat das Thema an sich ziehen und sich im gesamtstädtischen Interesse über das Votum des Bezirks hinwegsetzen.

Veranstalter überrascht

Für den Veranstalter des Schlagermoves, die Hossa-Hossa-Veranstaltungsgesellschaft, kommen die Verbotspläne völlig überraschend. Wie Schlagermove-Pressesprecher Axel Annink auf Nachfrage erklärt, habe bislang niemand mit ihnen über etwaige Verbotspläne gesprochen. Der Termin für dieses Jahr sei im übrigen bereits 2014 von der zuständigen Hamburger Wirtschaftsbehörde festgelegt worden.

Für den Schlagermove im Sommer, das bestätigt auch das Bezirksamt Mitte, stehen wegen langjähriger Bombensondierungs- und Sanierungsarbeiten auf dem Heiligengeistfeld nur sehr wenige mögliche Veranstaltungstermine zur Verfügung. Der Schlagermove sei deshalb immer auf das Wochenende 14 Tage vor dem Sommerdom festgelegt.

„Wir sind nicht flexibel.“

„Wir haben des Heft des Handelns nicht in der Hand“, sagt Annink. Verlegungen der Massenparty auf ein anderes Datum und an einen anderen Ort seien vier, fünf Monate vor dem geplanten Termin nicht einfach möglich. Auf der Grundlage der bisherigen Annahmen sei etwa ein detailliertes Sicherheitskonzept mit Polizei und Rettungsdiensten erarbeitet worden.

Die Reeperbahn mit seiner Vielzahl gastromischer Betriebe und das Heiligengeistfeld mit seinen 65.000 Quadratmeter Fläche für Trucks des Schlagermoves und die Aftermove-Party böten eine einmalige Infrastruktur. Insofern „sind wir leider überhaupt nicht flexibel, was den Veranstaltungsort betrifft“, so Axel Annink.

Die Idee des grünen Fraktionschefs im Bezirk Mitte, das Massen-Spektakel doch einfach am Sitz des Veranstalters in Norderstedt stattfinden zu lassen statt in Hamburg, können weder die Veranstalter noch die Stadt Norderstedt ernst nehmen. Für die Hossa-Hossa-Veranstalter ist die Äußerung „einfach ein schlechter Scherz“. Und die 80.000-Einwohner-Stadt Norderstedt lässt über ihren Pressesprecher Bernd-Olaf Struppek mitteilen: „Da der Veranstalter selbst es nicht für machbar hält, ist das auch für uns kein Thema.“

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