Innenstadt-Konzept : Hamburg: Mehr Wohnungen, weniger Autos

Wo immer möglich, will die Stadt das Wohnen in der Innenstadt vorantreiben.
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Wo immer möglich, will die Stadt das Wohnen in der Innenstadt vorantreiben.

Die Hamburger Innenstadt wird sich verändern: Ein 160 Seiten langes Konzept sieht auch eine Rückbesinnung auf die historische City vor.

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04. Juni 2014, 08:01 Uhr

Hamburgs City wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erheblich verändern. Das geht aus dem am Dienstag vorgelegten Innenstadt-Konzept hervor, das einen lockeren und langfristigen Rahmen für die Entwicklung von Altstadt, Neustadt sowie HafenCity absteckt. Das 160 Seiten umfassende Papier markiert als wesentliche Ziele mehr Wohnungen, weniger Autoverkehr sowie eine Rückbesinnung auf die historische City.

Vier Jahre haben Behörden und Stadtplaner an der Neuplanung gefeilt und in einem breiten Dialogverfahren auch Bürger sowie die Wirtschaft beteiligt. Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) würdigte das Konzept am Dienstagabend bei der öffentlichen Vorstellung als gelungenes Werk. Nötig sei die Fortentwicklung vor allem wegen des Baus der HafenCity, so Blankau. „Dieser neue Stadtteil erweitert die Innenstadt um 40 Prozent.“ Entsprechend befasst sich das Konzept an mehreren Stellen mit der Verbindung von der alten City an der Alster zur neuen City an der Elbe. Dabei stört vor allem die achtspurige ehemalige Ost-West-Straße, die wie ein Sperrriegel dazwischenliegt. Oberbaudirektor Jörn Walter: „Wir brauchen an mehreren Stellen bessere Querungsmöglichkeiten.“ Solche könnten etwa am Meßberg, am Hopfenmarkt und am Michel entstehen. Eine früher diskutierte Überbauung der Willy-Brandt- und der Ludwig-Erhard-Straße hatte die Stadt aus Kostengründen verworfen. Immerhin könnte die Schneise optisch einiges von ihrem Schrecken verlieren. Das Konzept regt an, die Magistrale als Allee zu gestalten, so dass ein dichtes Blätterdach darüberliegt.

Erklärtes Ziel ist es, den Autoverkehr in der City weiter zurückzudrängen, aber nicht zu vertreiben. Profitieren sollen Radfahrer und Fußgänger. An der Zahl von 30.000 Stellplätzen für Autos in Parkhäusern, auf Plätzen und Seitenstreifen wolle man in etwa festhalten, versprach Walter. In Einzelfällen sollten diese aber auch wegfallen dürfen. Das wünschen sich der Oberbaudirektor und der Bezirksamtsleiter Mitte, Andy Grote, ganz ausdrücklich für den Burchardplatz am Chilehaus. Walter: „Ein Elend, dass einer der schönsten Plätze Hamburgs mit Autos zugestellt ist.“

Wo immer möglich, will die Stadt das Wohnen in der Innenstadt vorantreiben. In Altstadt und Neustadt leben nur noch rund 14.000 Menschen, so Blankau, vor dem Zweiten Weltkrieg waren es 60.000. Konkret ins Auge fasst das Konzept Wohnhäuser auf der Cremon-Insel sowie am Grimm, beides am Hafenrand gelegen. Ansonsten seien neue Wohnungen in der gewachsenen Innenstadt innerhalb des Wallrings nur in Einzelfällen zu realisieren. Anders in der HafenCity, wo einmal 15.000 Menschen leben sollen. Langfristig sieht der Oberbaudirektor aber auch Chancen für Wohnen dort, wo bisher Büros dominieren. „Vielleicht brennt in den 20er Jahren ja abends auch an der Alster in manchen Häusern noch Licht.“  

Klares Ziel der Stadtplaner ist die Wiederherstellung des historischen Grundrisses, wo es möglich ist. Walter verwies auf Pläne, die alte Bohnenstraße in der Neustadt wieder einzurichten und damit die Verbindung vom Großen Burstah zum Hopfenmarkt aufleben zu lassen.

Zwei große Wünsche verrieten Walter und Grote den Zuhörern ebenfalls, auch wenn deren Realisierung in den Sternen steht: Der Oberbaudirektor möchte den Hachmannplatz am Hauptbahnhof, direkt vor dem Schauspielhaus und dem Ohnsorg-Theater, von Taxis räumen und mit Cafés, Bäumen und Bänken bestücken. Und der Bezirks-Bürgermeister will die vier tristen City-Hochhäuser am Klosterwall dem Erdboden gleich machen und durch Neubauten ersetzen.

Bei allem denkbaren Neuen - zwei Tabus für die City sollen fortbestehen: Wasserflächen dürfen nicht zugeschüttet werden. Und: Kein Gebäude darf die Kirchturmsilhouette überragen, also mehr als 60 Meter hoch sein.

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