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Hamburger Filmfest 2015 : Hamburg liegt Catherine Deneuve zu Füßen

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Der Festivalchef schwärmt, der Laudator macht einen Kniefall, der Bürgermeister spricht von Momenten der Verzauberung - und die Diva raucht eine Zigarette im Kinosaal: Schauspielerin Catherine Deneuve wird gefeiert.

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erstellt am 02.Okt.2015 | 09:57 Uhr

Hamburg | Seinen größten Star hat das Hamburger Filmfest schon am Eröffnungsabend mit dem wichtigsten Preis und begeistertem Applaus gefeiert: Frankreichs Leinwandikone Catherine Deneuve (71) ließ hanseatische Zurückhaltung fast vergessen. Die Festivalmacher von der Elbe holten sich die Grande Dame zum Start ihres 23.Filmfests und überreichten ihr noch vor Beginn des ersten Beitrags den Douglas-Sirk-Preis.

Festivalchef Albert Wiederspiel geriet auf der Bühne ins Schwärmen. „Kein Stern am französischen, ja europäischen Filmhimmel strahlt so stark wie der Stern Catherine Deneuve. Sie strahlt nicht nur länderübergreifend, sondern auch generationenübergreifend“, sagte er. „Catherine Deneuve ist Filmgeschichte und Nachwuchskino zugleich. Alle kennen die Deneuve, und alle lieben die Deneuve.“

Die Schauspielerin kam zur Deutschlandpremiere von Jaco van Dormaels Werk „Das brandneue Testament“. Die Tragikomödie zeigt Gott als cholerisches Scheusal, dessen Tochter den Computer des Vaters hackt und jedem Erdenbewohner das persönliche Sterbedatum schickt. Deneuve übernahm in dem in Cannes uraufgeführten Film, der am 3. Dezember in Deutschland anläuft, eine Nebenrolle. Insgesamt zeigt das zehntägige Festival 172 Beiträge aus 52 Ländern.

Mit dem undotierten Douglas-Sirk-Preis ehren die Hamburger Persönlichkeiten, die sich um Filmkultur und -branche verdient gemacht haben. Seit 1995 wird er verliehen, Deneuve erhielt ihn nach Jodie Foster, Isabelle Huppert und Tilda Swinton als vierte Frau.

Benannt ist die Ehrung nach dem Hamburger Regisseur Hans Detlef Sierck (1897-1987), der als Douglas Sirk in Hollywood Karriere machte. Als einen ihrer Lieblingsregisseure bezeichnete Deneuve ihn, bedankte sich und nahm die Trophäe entgegen.  Die Männer, die vor ihr das Wort hatten, fassten sich nicht so kurz. „Seit Jahren beschäftigen sich viele Institutionen damit, den europäischen Film hier in Europa zu fördern, sichtbarer zu machen“, sagte Festivalchef Wiederspiel. „Wir beschweren uns alle darüber, dass der europäische Film schon im Nachbarland nicht wahrgenommen wird. Meine Damen und Herren, wir brauchen einfach mehr Deneuve!“

In rund fünf Jahrzehnten wirkte diese in mehr als 100 Filmen mit - ob in „Die Regenschirme von Cherbourg“ (1964) oder „Das Schmuckstück“ (2010).  Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), zugleich Bevollmächtigter für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit, würdigte die „weltbekannte Künstlerin und Botschafterin der großen Filmnation Frankreich“. „Sie verkörpern die Potenziale des Films und seine Schönheit“, richtete Scholz seine Worte an sie. „Mit Vergnügen, Weisheit und Witz unterwandern Sie gesellschaftliche Erwartungen und zeigen, dass es auch anders geht“, sagte er. „Catherine Deneuve zu erleben, ist ein Moment großer Verzauberung.“

Vollends verzaubert zeigte sich Laudator David Bennent, dessen begeisterte Lobrede zur Liebeserklärung samt Kniefall wurde. Der Schweizer Schauspieler, der den Oskar Matzerath im Film „Die Blechtrommel“ (1979) spielte und dessen Vater Heinz Bennent etwa gemeinsam mit Deneuve in François Truffauts „Die letzte Metro“ zu sehen war, brachte der Schauspielerin erst einmal eine Zigarette, die diese dann auch im Kinosaal genüsslich rauchte, während er in den höchsten Tönen über ihre Kunst sprach.

Nachdenkliche Töne zur aktuellen Flüchtlingsdebatte gab es zu Beginn, als der Kurzfilm „Refugees Welcome“ von Regisseur Lars Becker vorgestellt wurde. Er hatte mit Menschen in einer Erstaufnahme für Flüchtlinge gesprochen. „Ich finde es wunderbar, dass Lars, den abstrakten Zahlen, die wir alle kennen, menschliche Gesichter gegeben hat“, sagte Wiederspiel. Der Spot soll vor allen Festivalbeiträgen laufen. Rund 50.000 Besucher werden bis zum 10. Oktober erwartet.

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