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Neue Studie zur Wirtschaftskraft : Hamburg ist zweitstärkster Schifffahrtsstandort der Welt

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Singapur, Hamburg, Rotterdam und Oslo: Der Hamburger Hafen behauptet sich trotz langjähriger Krise in der Schifffahrt.

Hamburg | Der maritimen Dauerkrise zum Trotz: Hamburg ist laut einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young und des Fraunhofer-Instituts CML der zweitstärkste Schifffahrtsstandort weltweit. Nur Singapur liegt in dem am Mittwoch vorgestellten Ranking vor der Hansestadt, die Rotterdam und Oslo auf die Plätze drei und vier verweist. Für die erstmalige Erstellung der Rangfolge hat Ernst & Young die sieben vermeintlich bedeutendsten Hafenstädte nach seefahrtsbezogener Wirtschaftskraft miteinander verglichen; Bremen wurde nicht erfasst.

Die Schiffbarkeit des Hamburger Hafens ist bereits deutlich beeinträchtigt, weil sich zu viel Schlick ansammelt. Für einen Hafen mit bedeutender Wirtschaftskraft eine Gefahr. Der Schlick landet in den kommenden Jahren weiter vor der Westküste Schleswig-Holsteins.

In die Studie eingeflossen sind unter anderem Daten aus den Bereichen Reedereien, Schiffsmakler, Finanzierer, Werften sowie schifffahrtsbezogene Dienstleister. „Hamburg behauptet sich, auch nach sieben Jahren Schifffahrtskrise“, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) erleichtert. Seine Behörde ist Auftraggeber der 148.000 Euro teuren Studie.

Die Stärke der Hansestadt bestehe in der großen Bandbreite der angebotenen Leistungen, sagte Mitautor Bernd Richter, bei Ernst & Young für Schifffahrt verantwortlich. Die Wertschöpfung der Branche summiere sich hier auf 4,1 Milliarden Euro jährlich, allerdings mit sinkender Tendenz seit Beginn der Krise 2009. Die Zahl der Arbeitsplätze liege bei 23.550 in 460 Unternehmen.

Nicht nur ist die Stadt Sitz von zwei der weltweit wichtigsten Containertransporteure (Hapag-Lloyd, Hamburg Süd), sondern bei 121 Unternehmen dieses Segments auch mit Abstand größter Reederei-Standort hierzulande. Mehr als 1500 Schiffe werden von Elbe aus gemanagt. Beeindruckend auch diese Zahl: Hamburger Makler und Agenten steuern die Geschäfte von drei Viertel der weltweit frei verfügbaren Charter-Containerschiffe.

Bei aller Freude über die Bedeutung der Hansestadt: Die Erhebung beschönigt die schwierige Lage der Weltschifffahrt keineswegs. Aufgabe der Ersteller war es ausdrücklich, den Finger in die Wunde zu legen. Und das tun sie. „Es besteht Handlungsbedarf“, stellte Richter klar. Ein Königsweg hätten die Autoren zwar nicht gefunden, aber doch ein Bündel von 17 Einzelmaßnahmen geschnürt, die den Standort sichern sollen.

Viele der Vorschläge gelten der aktuell heikelsten Frage, der Ausstattung mit Eigenkapital. Wörtlich heißt es: „Der Zugang zu Kapital zur Bewältigung des Strukturwandels wird zur Existenzfrage für Reedereien und damit indirekt auch für Dienstleister.“ Nach dem Scheitern des KG-Modells brauche die Schifffahrt in Deutschland andere Finanzierungswege. Die Studie regt dazu diverse Varianten an, darunter eine „Schifffahrts AG Hamburg“ als börsennotierte Gesellschaft, in der Reedereien und Investoren gemeinsam agieren. Andere Maßnahmen sind unter anderem eine verstärkte Forschung zu Schifffahrtsthemen, eine Entbürokratisierung des maritimen Bereichs sowie die Gründung eines eigenen Marketingvereins für Hamburgs Seeschifffahrt.

Wirtschaftssenator Horch will derweil einen wankenden Pfeiler des Schifffahrtsstandorts retten. Trotz des für 2018 geplanten Verkaufs der HSH Nordbank solle Hamburg Zentrum für Schiffsfinanzierung bleiben. Er wolle „alles dafür tun“, diesen Zweig zu erhalten, so Horch, selbst wenn die gemeinsame Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein zwangsabgewickelt werden sollte.

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erstellt am 02.Mär.2016 | 16:56 Uhr

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