Aufnahme in UN-Konvention : Hamburg: Initiative „Gute Inklusion“ gestartet - 10.000 Unterschriften nötig

Aktivisten werben am 23. Januar vor dem Rathaus in Hamburg für die Volksinitiative „Gute Inklusion für Hamburgs SchülerInnen“.
Aktivisten werben am 23. Januar vor dem Rathaus in Hamburg für die Volksinitiative „Gute Inklusion für Hamburgs SchülerInnen“.

Unterstützer wollen die Rechte von Menschen mit Behinderung in das Schulgesetz haben. Sie setzen auf die Bevölkerung

shz.de von
23. Januar 2017, 14:41 Uhr

Hamburg | Sie streiten für mehr und eine bessere Inklusion an Hamburgs Schulen: Die Volksinitiative „Gute Inklusion für Hamburgs SchülerInnen“ hat am Montag offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Nach Anmeldung ihres Ansinnens im Rathaus hat sie nun sechs Monate Zeit, mindestens 10.000 Unterschriften zusammenzubekommen. Schafft sie dies, muss sich die Hamburgische Bürgerschaft mit ihren Forderungen auseinandersetzen.

Unterstützt wird die Initiative unter anderem von der Lehrergewerkschaft GEW, vom Grundschulverband Hamburg (GSVHH), vom Verband Hamburger Schulleitungen (VHS) und von den Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Uns geht es vor allem darum, dass mehr Lehrer, Pädagogen und Erzieher an die Schulen kommen“, sagte Initiativensprecher Pit Katzer. Für Schüler mit Schwierigkeiten im Bereich LSE (Lernen, Sprache, emotionale Entwicklung) verlange die Initiative, dass drei Unterrichtsstunden pro Kind „auch wirklich an den Schulen ankommen“.

Für behinderte Kinder wiederum müsse die Personalversorgung wieder verbessert werden, nachdem mit Abschaffung der Integrationsklassen 2012 die Zuweisung um ein Drittel gekürzt worden sei. „Das wollen wir rückgängig machen“, sagte Katzer. Ebenfalls macht sich die Initiative unter anderem für mehr Therapie- und Pflegeräume an den Schulen sowie für barrierefreie Gebäude und Schulhöfe stark.

Hintergrund der Forderungen ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit einer Behinderung, die die Inklusion 2006 zum Menschenrecht erklärt hat und 2009 einstimmig von der Hamburgischen Bürgerschaft in das Schulgesetz übernommen wurde. Seither haben alle Kinder mit einer Behinderung oder sonderpädagogischem Förderbedarf das Recht, mit nicht beeinträchtigten Schülern gemeinsam an Regelschulen unterrichtet zu werden - was inzwischen von rund 80 Prozent der Betroffenen genutzt werde.

Hamburgs rot-grüner Senat verweist mit Blick auf die schrittweise Abschaffung auf die gestiegene Zahl der Betreuer insgesamt. So sei die Zahl der für die Inklusion zuständigen Lehrer, Sozialpädagogen und Erzieher an Grund- und Stadtteilschulen sowie Gymnasien seit dem Schuljahr 2012/13 von 990 auf 1141 im Schuljahr 2016/17 gestiegen. „Unmissverständlich unterstützt die GEW bereits seit vielen Jahren in ihrer Programmatik und ihrer alltäglichen Praxis die Inklusion“, erklärte Hamburgs GEW-Vize Sven Quirin.

Senat und Verwaltung seien aufgefordert, die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der schulischen Inklusion in Hamburg deutlich zu erhöhen. Die FDP nannte die Initiative einen „dringenden Weckruf für den Senat“. „Die Volksinitiative „Gute Inklusion“ zeigt auf, welche riesigen Probleme es in diesem Bereich gibt“, erklärte die FDP-Schulexpertin Anna von Treuenfels-Frowein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen