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Extremwetterkongress : Hamburg im Zeichen von Wind und Wetter

vom
Aus der Onlineredaktion

Was ist Schallwetter? Sind Stürme wie Christian ein Zeichen für den Klimawandel? In der Hamburger Hafencity laden Experten zu einer Woche rund um das Klima ein.

Hamburg | Fast ein Jahr ist es her, dass Orkantief Christian über Europa hinweg fegte, Bäume umriss und Dächer abdeckte. Nur gut einen Monat später - am 5. Dezember 2013 - tat Xaver es ihm gleich, richtete aber nicht mehr ganz so große Schäden an - sein Vorgänger hatte bereits ganze Arbeit geleistet. Solche Stürme werde es auch künftig in Schleswig-Holstein geben, sagt Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg. „Das passiert immer mal wieder.“

Auf dem Extremwetterkongress, der vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation veranstaltet wird und von Montag bis Freitag in der Hamburger Hafencity stattfindet, geht es sowohl um die ganz großen Klimathemen wie beispielsweise den steigenden Meeresspiegel als auch um regionale Besonderheiten. So widmet sich ein Vortrag dem Thema Wettermythen. Hierbei geht es um Jahrhunderte alte Bauernregeln oder um regionale und lokale Wettergrenzen. „Der Nord-Ostsee-Kanal ist keine Wettergrenze“, sagt Böttcher deutlich. Wenn Regenwolken an der künstlichen Wasserstraße hängen bleiben, dann sei das „blanker Zufall.“ Nur an besonders ruhigen Tagen sei vom Kanal oder der Elbe ein Einfluss auf das Wetter festzustellen. Wettergrenzen entstünden in der Regel ganz woanders. So seien es beispielsweise Winde aus Norwegen, die die schleswig-holsteinische Wetterlage beeinflussen, erklärt Böttcher.

Völlig neu auf dem Programm ist in diesem Jahr hingegen das Schallwetter. „Das kennen wir eigentlich alle“, sagt Böttcher. Es gibt Nächte, in denen ist der Straßenverkehr oder die in der Nähe vorbeifahrende Regionalbahn besonders laut, an Schlaf bei offenem Fenster ist in solchen Fällen nicht zu denken. Dass die Geräusche manchmal störender sind als sonst, liege jedoch nicht ausschließlich an Windrichtung und -stärke, weiß Böttcher, sondern vor allem an den atmosphärischen Schichten - auch Luftfeuchtigkeit oder Temperatur beeinflussen die Übertragung des Schalls. Eine Wetterlage sei jedoch für seine geräuschdämmende Funktion bekannt: „Schnee schluckt Schall“, erklärt Böttcher.

Ziel des viertägigen Konferenz ist es, die neuesten Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Rund 2500 Schüler sind bei Veranstaltungen mit eigenen Projekten dabei. Die Veranstaltung eröffnet unter anderem der Expeditionsforscher Arved Fuchs, der erst Ende September von einer zwölfwöchigen Grönlandreise zurückgekehrt war. Insgesamt werden 5000 Teilnehmer erwartet.

Ob in diesem Winter viel Schnee fallen wird oder wieder Stürme die Wetterfestigkeit von Dächern und Bäumen auf die Probe stellen, will Böttcher weder ausschließen noch bejahen: „Insgesamt ist keine Zunahme von Stürmen in Schleswig-Holstein festzustellen.“ Doch dass das Klima sich verändert, bestreitet der Experte nicht. Nur zeigten Einzelereignisse wie Christian oder Xaver nicht die Richtung auf, in die sich der Wandel vollzieht. „Das hat ja auch etwas Beruhigendes.“

> Die Veranstalter des 9. Extremwetterkongresses wollen Besuchern den aktuellen Stand der Wissenschaft zur Entwicklung extremer Wetterereignisse im Klimawandel erklären. Das gesamte Programm gibt es hier.
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erstellt am 05.Okt.2014 | 19:28 Uhr

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