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Entlastung in weiter Ferne : Hamburg Hauptbahnhof: „Vor 2020 wird sich wohl nichts ändern“

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Der Hauptbahnhof platzt mit einer halben Million Fahrgäste täglich aus allen Nähten. Doch vorerst wird nur untersucht.

Hamburg | An den Gleisen 13 und 14 kann kaum noch eine Erbse auf den Boden fallen, so dicht drängen sich die Fahrgäste auf dem schmalen Bahnsteig. Während an die tausend Menschen den ankommenden Metronom verlassen, drängeln sich ihnen Dutzende Reisende frontal entgegen zum ICE. Auf der engen Treppe geht nichts mehr. Das Nadelöhr ist täglich dicht. Reisende an den Feiertagen müssen viel Geduld mitbringen.

Vor allem der Südsteg platzt seit Langem aus allen Nähten. Die Warteschlangen an den Fahrkartenautomaten stoppen den Fußgängerfluss. Die Menschenpulks vor den Kiosken verengen den Durchgang. Der Stau nimmt kein Ende. „Das Thema Kapazitätserweiterung des Hauptbahnhofs ist drängend“, gesteht Ole Thorben Buschhüter, Verkehrsexperte der SPD-Rathausfraktion. „Schnellschüsse aber nicht zielführend.“ So lässt die Wirtschafts- und Verkehrsbehörde nach Mitteilung ihrer Sprecherin Susanne Meinecke bereits seit Oktober 2015 das äußere Umfeld des Bahnhofs untersuchen, um Entlastungswege zu finden. Erst zu Beginn des neuen Jahres rechnet sie mit Ergebnissen. Wann es danach mit Taten weitergeht, bleibt offen.

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn bemängelt Entscheidungsfreudigkeit und  Mut. Die regierenden Politiker würden viel zu sehr Rücksicht auf den Autoverkehr nehmen und zögern, kritisiert er. Denn als „alternativlos“ erscheine zurzeit eine Umnutzung der südlich an den Bahnhof angrenzenden Steintorbrücke als dritten Fahrgaststeg. An der heute noch dicht befahrenen Verkehrsachse sollten Entlastungstreppen runter zu den Bahnsteigen errichtet werden. Der Autoverkehr müsste weichen.

Im Grunde sind sich alle Beteiligten darüber einig. Die Bahn möchte die zusätzlichen Treppen an der Steintorbrücke, die SPD, die Grünen und auch Pro Bahn. Doch der Prozess stockt, obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist. „Alle haben Angst davor, was die Autolobby sagen wird“, vermutet die Abgeordnete Heike Sudmann von der Linken. „Obwohl man das mit der Steintorbrücke schnell machen könnte.“ Aber immerhin, hält sie der Bahn zugute, habe sie bereits einige Werbetafeln von den Bahnsteigen entfernt und damit Platz geschaffen.

Das Grundproblem des 1906 erbauten Hauptbahnhofs ist seine eingepferchte Lage. Auf der St.-Georg-Seite wird er durch S- und U-Bahnanlagen begrenzt. In Richtung City verhindern zwei denkmalgeschützte Tiefbunker und der Wallringtunnel jegliche Erweiterung. Erst in ferner Zukunft könnte das Gedränge in der Bahnhofshalle durch die geplante S4 entzerrt werden. Dann nämlich würden die Nahverkehrszüge nach Bad Oldesloe überflüssig werden. Doch das ist Zukunftsmusik für das nächste Jahrzehnt.

Schwierig erscheint auch die Errichtung eines zusätzlichen Bahnsteigs in der Mitte der Gleisanlage, den auch SPD und Grüne erwägen. Doch dort rollen noch immer Güterzüge mitten durch die Bahnhofshalle. Auch für den Rangierverkehr hält Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis die beiden Mittelgleise weiterhin für unverzichtbar. Ein Umbau für den Personenverkehr noch lange nicht denkbar. 

An eine baldige Verbesserung der Situation glaubt Pro-Bahn-Sprecher Naumann indes kaum noch. „Vor 2020 wird sich wohl nichts ändern“, prognostiziert er und fordert vom Senat mehr Entscheidungskraft.                                                                                             

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erstellt am 19.Dez.2016 | 20:39 Uhr

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