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„Flüchtlingswelle eine Win-Win-Situation“ : Hamburg: Handelskammer will „Allianz für Flüchtlinge“

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Ein Sechs-Punkte-Plan soll Flüchtlige in der Hansestadt integrieren. Der schnelle Weg in Arbeit und Ausbildung müsse geebnet werden.

Hamburg | Erst die sephardischen Juden aus Spanien und Portugal, dann die Hugenotten aus Frankreich, nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich die Ostvertriebenen: Hamburg hat in seiner Geschichte viele Flüchtlingswellen erlebt, meist war es zum Guten der Stadt. Davon jedenfalls ist Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer überzeugt. Und so sieht der oberste Repräsentant der Hamburger Wirtschaft auch den derzeitigen Ansturm Hilfesuchender mit Zuversicht. „Wir haben allen Grund, in der Zuwanderung auch die Chancen zu erkennen“, sagte Melsheimer gestern bei der Präsentation eines Sechs-Punkte-Plans zur Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung. Der Präses: „Wenn wir es klug anlegen, kann daraus eine Win-Win-Situation werden.“

Dazu möchte die Kammer eine Hamburger „Allianz für Flüchtlinge“ schmieden, an der sich außer den Fachbehörden auch Handels- und Handwerkskammer, Unternehmensverbände sowie Gewerkschaften und die Agentur für Arbeit beteiligen sollen. Das Ziel: Möglichst schnell möglichst vielen der Zugewanderten den Weg in den Arbeitsmarkt ebnen. Nötig sei das allemal. Die Delle der geburtenschwachen Jahrgänge führe schon jetzt dazu, dass fast jeder dritte Betrieb über Fachkräftemangel stöhnt. Laut Handelskammer fehlen aktuell 19.000 Arbeitnehmer mit akademischer, technischer und kaufmännischer Qualifikation in der Stadt. Binnen zehn Jahren drohe eine Verdoppelung dieser Zahl.

Hamburgs Wirtschaft sieht in den Zuwandernden das Potenzial, diese Löcher zu füllen. Dazu bräuchte es allerdings außer den intensiven Bemühungen vieler Beteiligter auch ein Bündel sehr konkreter Hilfestellungen. Die Handelskammer schlägt daher unter anderem vor, dass ehrenamtliche Paten die Flüchtlinge betreuen. Melsheimer: „Sie sollen die Zuwanderer auf deren beruflichen Weg begleiten.“ Rekrutieren ließen sich die persönlichen Helfer bei migrantischen Unternehmen und über das Konsularkorps. Zudem bietet die Kammer einen Leitfaden zur Beschäftigung von Flüchtlingen, Informationsveranstaltungen und einen Vermittlungs-„Marktplatz“ an. Betrieben, die Flüchtlinge einstellen wollen, verspricht die Kammer, mit Rat und Tat zur Seite stehen. 

Um mehr konkrete Anforderungen an Sprachkenntnisse oder berufliche Vorqualifikationen zu erfahren, kündigte der Präses eine Befragung der 150.000 Mitgliedsfirmen an. Dabei werde auch deren Bereitschaft abgefragt, Zuwanderern mit Praktika den Einsteig zu ermöglichen.

An die Politik appellierte Melsheimer, eine Abschiebung während eines Einarbeitungs- und Ausbildungsprozesses auszuschließen. Und er lud Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zu einem Flüchtlings-Gipfel ein, „gemeinsam mit allen entscheidenden Playern“. Die Spitzenrunde solle zur Initialzündung der besagten „Allianz für Flüchtlinge“ werden. Denn, so der Kammerchef, nur mit vereinten Kräften lasse sich „die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung“ meistern.

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erstellt am 07.Sep.2015 | 19:57 Uhr

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