Bertelsmann-Ländermonitor : Hamburg hängt bei Krippen-Betreuungsschlüssel weiter hinterher

Die Situation in den einzelnen Einrichtungen ist durchaus unterschiedlich.
Die Situation in den einzelnen Einrichtungen ist durchaus unterschiedlich.

Die Betreuer müssen sich um mehr Kinder kümmern als anderswo. Auch in den Kitas sieht die Stiftung Handlungsbedarf.

shz.de von
28. August 2018, 07:08 Uhr

Gütersloh/Hamburg | Trotz Verbesserungen bei der Kinderbetreuung insgesamt hängt Hamburg bei der personellen Ausstattung der Krippen im westdeutschen Vergleich weiter hinterher. Zwar verbesserte sich der Betreuungsschlüssel bei den unter Dreijährigen seit März 2012 bis März 2017 von 5,7 Kinder pro Fachkraft leicht auf 5,2, wie aus dem am Dienstag in Gütersloh vorgelegten Ländermonitor der Bertelsmann Stiftung zur frühkindlichen Bildung hervorgeht.

Allerdings trage Hamburg damit unter den Westländern noch immer die rote Laterne. In den Kitas sank die Zahl der pro Fachkraft ganztagsbetreuten Kinder im genannten Zeitraum demnach von 9,4 auf 8,4.„Die Kita-Qualität hat sich bundesweit verbessert - die Kluft zwischen den Ländern ist allerdings geblieben“, konstatierte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg kommen in den Krippen rechnerisch 3,1 Kinder auf eine Fachkraft, in den Kitas sind es 7,1. Das ist bundesweit Spitze.

Schlechter als in Hamburg ist die Betreuungssituation vielerorts in den ostdeutschen Ländern. So kommt Sachsen mit einem Betreuungsschlüssel von 1 zu 6,4 bei kleinen Krippenkindern auf den höchsten Wert, bei den Kita-Kindern ist Mecklenburg-Vorpommern mit einem Schlüssel von 1 zu 13,4 Schlusslicht. Auch innerhalb der Hansestadt sind die Qualitätsunterschiede laut Studie groß. In knapp einem Drittel der Kindergartengruppen sei das Betreuungsverhältnis sogar besser als der von der Stiftung empfohlene Schlüssel von unter 1 zu 7. In über der Hälfte der Einrichtungen betreue eine Fachkraft dagegen mehr als 8 Kinder.

Gut kommen die Hamburger Kitas der Untersuchung zufolge bei der sogenannten Leitungsausstattung weg. 52 Prozent der Einrichtungen gaben an, über angemessene personelle Ressourcen für ihre Leitung zu verfügen. Bundesweit waren es nur 16 Prozent. Allerdings hätten auch 12 Prozent der Hamburger Einrichtungen beklagt, gar keine Ressourcen für Leitungsaufgaben zu haben.

Die Bertelsmann Stiftung sieht in Hamburg so auch weiteren Handlungsbedarf. Um die von ihr empfohlene pädagogische Personalausstattung zu erreichen, müsste die Stadt mehr als 3800 weitere Vollzeitfachkräfte rekrutieren. Die Kosten dafür würden bei zusätzlich mehr als 170 Millionen Euro im Jahr liegen.

Die Opposition in der Bürgerschaft forderte vom Senat weitere Anstrengungen. „Die Politik von SPD und Grünen, in den Kitas auf Masse statt Qualität zu setzen, bekommt erneut ein vernichtendes Zeugnis von der unabhängigen Stiftung ausgestellt“, meinte der Familienexperte der CDU, Philipp Heißner. Für die Linke verwies deren kinderpolitischer Sprecher Mehmet Yildiz drauf, dass lediglich Bayern mit nur 49 Prozent Fachschulabsolventen noch weniger Erzieher in den Kitas einsetze als Hamburg mit 57 Prozent. „Das ist ein Alarmzeichen.“ Auch sein FDP-Kollege Daniel Oetzel bemängelte, dass die formale Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Krippen überdecke, „dass der Senat kaum ausgebildete und fachfremde Personen zu 90 Prozent als Vollzeitkräfte führt“. Er forderte eine ehrlichere Berechnung des Betreuungsschlüssels.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen