Zwischenbericht der Verkehrsbehörde : Hamburg gegen Schnellbahnanschluss von Schenefeld

Ein Schnellbahnanschluss würde lediglich etwa 6000 Einwohner und 1300 Arbeitsplätze in Schenefeld erreichen.
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Ein Schnellbahnanschluss würde lediglich etwa 6000 Einwohner und 1300 Arbeitsplätze in Schenefeld erreichen.

Senat und Hamburger Verkehrsverbund halten Schenefeld für „nicht U-und S-Bahn-würdig“.

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17. April 2018, 19:21 Uhr

Hamburg/Schenefeld | Der Traum von einem Schnellbahnanschluss von Schenefeld ist wohl ausgeträumt. Darin haben Vertreter des Hamburger Senats und des HVV am Dienstagabend kaum noch Zweifel gelassen. Eine Ausfädelung aus der geplanten Neubautrasse einer U- oder S-Bahnlinie auf Hamburger Gebiet in die Stadt im Kreis Pinneberg sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll, so der Tenor.

„Der Aufwand rechtfertigt wahrscheinlich nicht die nötigen Investitionen“, heißt es eindeutig in einem Zwischenbericht der Verkehrsbehörde zur noch andauernden Prüfung eines Schenefeld-Anschlusses. Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof stellte im Verkehrsausschuss klar: „Wir sind sehr skeptisch, was die Anbindung betrifft. Schenefeld ist vermutlich nicht U-und S-Bahn-würdig.“

Der verkehrliche Nutzen einer Verlängerung wäre laut Rieckhof „überschaubar“. Ein Schnellbahnanschluss würde demnach lediglich etwa 6000 Einwohner und 1300 Arbeitsplätze in der Düpenaustadt erreichen. Die Planer rechnen mit 5700 Fahrgästen täglich.

Hamburg will seine westlichen Stadtteile Lurup und Osdorf in den 2020er und 30er Jahren mit einer U- oder S-Bahnstrecke erschließen. Einer Verlängerung über die Landesgrenze nach Schenefeld stand die Metropole stets kritisch gegenüber, hatte aber der Bitte aus Schleswig-Holstein entsprochen, die Möglichkeit einer solchen Anbindung zu untersuchen.

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern Hamburgs und Schleswig-Holsteins hat dazu in den vergangenen Monaten drei Varianten untersucht. Zwei davon seien inzwischen als nicht umsetzbar verworfen worden, so das Zwischenergebnis. Das gilt für ein Flügeln der Züge in Lurup Nord, bei dem Waggons in Lurup ge- und entkoppelt werden müssten. Auch das so genannte Alternieren halten die Fachleute für zu ineffizient. In dieser Variante würden die Züge die Bahnhöfe in Schenefeld und am Osdorfer Born im Wechsel anfahren.

Als einzige denkbare Variante bleibt der Bau einer eigenen Trasse zwischen Osdorfer Born und Schenefeld. HVV-Geschäftsführer Dietrich Hartmann winkte allerdings bei dieser Lösung ab: „Auch das wäre sehr aufwendig.“ Angaben zu möglichen Kosten wurden nicht gemacht.

Ihre abschließenden Ergebnisse will die Arbeitsgruppe im Laufe des Frühjahrs vorlegen – und dann vermutlich das Ende der Planungen empfehlen. Allerdings haben das Land Schleswig-Holstein und der Kreis Pinneberg das letzte Wort, da sie den Löwenanteil der Kosten zu tragen hätten. Rieckhof glaubt nicht, dass sich der nördliche Nachbar angesichts der nun vorliegenden Erkenntnisse den Daumen heben wird. „Der Kreis Pinneberg kann sich wahrscheinlich anderes vorstellen, wofür er sein Geld ausgibt.“

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