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Feldstrasse in St.Pauli : Hamburg: Ein Bunker kommt unter die Haube

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Der Hochbunker in der Feldstraße soll aufgestockt und bepflanzt werden. Eine Initiative befürchtet die Eventisierung.

shz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 19:18 Uhr

Hamburg | Grünes Licht für den grünen Bunker: Die umstrittene Aufstockung und Bepflanzung des Hochbunkers auf St. Pauli nimmt heute aller Voraussicht nach die letzte Hürde. Die Bürgerschaft will am Mittwochnachmittag den neuen Erbpachtvertrag zwischen der Stadt und Investor Thomas Matzen debattieren. Eine Zustimmung mit der Mehrheit von SPD und Grünen gilt als sicher. Damit wäre nach mehrjähriger Diskussion der Weg frei für ein Bauvorhaben, wie es Hamburg noch nicht gesehen hat.

Matzen will den 40 Meter hohen Betonkoloss an der Feldstraße auf eigene Kosten um 20 Meter aufstocken und üppig begrünen. Auf dem Dach ist ein öffentlich zugänglicher Park (7600 Quadratmeter) vorgesehen, der laut Vereinbarung mit der Stadt jedermann kostenlos zugänglich sein muss; hinauf geht es über eine begrünte Rampe („Bergpfad“). Winterharte Vegetation soll auch große Teile der grauen Fassade bedecken. Auf Animationen entsteht der Eindruck einer Dschungelhaube über dem Bunker.

Größenvergleich vor und nach der Aufstockung.
Größenvergleich vor und nach der Aufstockung. Foto: Feldbunker.de
 

Sein spektakuläres Vorhaben will der Investor durch die Nutzung der entstehenden Flächen in dem fünf Stockwerke hohen Aufsatz finanzieren, insgesamt 12.000 Quadratmeter. So wird das Innere eine Sport- und Veranstaltungshalle mit Platz für bis zu 2200 Besucher beherbergen. Sie soll von Breitensportabteilungen des FC St. Pauli, aber auch für Konzerte und andere Events genutzt werden. Zudem werden unter der Haube unter anderem ein 150-Zimmer-Hotel sowie mehrere Künstler-Wohngemeinschaften einziehen. Im Gegenzug hat sich der Bunker-Investor dazu verpflichtet, größere Flächen gratis für stadtteilbezogene Nutzungen bereitzustellen. Auf dem Dach sollen Anwohner und Schulen Beete für Urban Gardening erhalten.

Die Stadt kommt Matzen für die Realisierung weit entgegen. Sie verlängert die Laufzeit des Erbbaurechtsvertrages um zunächst 50 Jahre bis 2067, mit Option für eine 99-jährige Dauer. Auf die dafür eigentlich fällige zusätzliche Pacht von insgesamt 5,8 Millionen Euro verzichtet der Senat, dafür bezahlt der Pächter die Parkpflege. Den Umbau erlauben die Behörden trotz bestehenden Denkmalschutzes für den 1942 erbauten Flakbunker.

Gegen den Ausbau kämpft die Anwohnerinitiative Feldbunker aus dem angrenzenden Karolinenviertel. Sie befürchtet eine weitere Eventisierung des ohnehin belasteten Quartiers, mehr Verkehr, die Verschattung der Nachbarschaft sowie eine Entwertung des Weltkriegs-Mahnmals. Den Versprechungen von Investor und Stadt für eine grünen Oase in der Großstadt glaubt Initiativen-Sprecher Mario Bloem nicht: „Der Bunker wird eher grau und grässlich als grün und großartig.“ Die Links-Fraktion in der Bürgerschaft hält die Pläne sogar für rechtlich unzulässig und behält sich eine Klage vor.

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