Süleyman Tasköprü : Hamburg benennt Straße nach NSU-Opfer

13 Jahre ist der Mord an dem Lebensmittelhändler Süleyman Tasköprü in Hamburg her. Jahrelang war unklar, dass auch er ein Opfer der NSU-Terrorgruppe war. Nun gibt es in Hamburg eine bleibende Erinnerung an ihn.

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26. Juni 2014, 16:31 Uhr

Hamburg | Erstmals in Deutschland erinnert jetzt eine Straße an ein Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“. In Gedenken an das mutmaßliche NSU-Opfer Süleyman Tasköprü wurde am Donnerstag bei einer Zeremonie im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld ein 300 Meter langes Teilstück der Kohlentwiete in Tasköprüstraße umbenannt. Die Straße liegt unweit des Tatorts.

Tasköprü war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft am 27. Juni 2001 im Alter von 31 Jahren von den Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Lebensmittelgeschäft seines Vaters erschossen worden. Lange hatte die Polizei damals im Umfeld des Ermordeten ermittelt.

Bei der Zeremonie kritisierten Redner wie Grünen-Chef Cem Özdemir oder die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), in Anwesenheit der Eltern das jahrelange Versagen der Behörden. Özoguz entschuldigte sich bei der Familie für dieses Versagen und Jahre der Verdächtigungen. Die Vergangenheit könne man aber nicht mehr ändern. „Aber ich habe die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben, dass wir das ganze Versagen lückenlos aufklären und die notwendigen Konsequenzen für die Zukunft ziehen“, sagte Özoguz.

Auch Özdemir kritisierte, die Hinterbliebenen seien nach dem Mord über Jahre als Täter verdächtigt worden. Trost der Nachbarn, sonst in solchen Fällen Normalität, sei ihnen versagt geblieben – sie seien sogar geächtet worden. Der Hinweis des Vaters, die Täter seien zwei Deutsche gewesen, sei ignoriert worden. Dies mache fassungslos. Die Benennung der Straße sei ein wichtiges Zeichen des Gedenkens, sagte Özdemir. „Der deutsche Staat, Justiz und Politik stehen jedoch auch in der Verantwortung, die NSU-Morde und das Staatsversagen restlos aufzuklären und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen.“ 

Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) erklärte, die Tasköprüstraße sei Mahnung und Aufforderung, Verantwortung wahrzunehmen und für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben einzutreten. „Nur so kann Hamburg die weltoffene Stadt sein, die wir uns wünschen und in der alle Mitbürgerinnen und Mitbürger sicher leben können.“ 

Der Vater stand bei der Zeremonie meist dabei, hörte den Reden freundlich zu. Selbst sagen wollte er nichts. Es sei schon alles gesagt, meinte er einmal mit leiser Stimme. Aber dann sagte er doch, er hätte sich gewünscht, die Schützenstraße wäre umbenannt worden – jene Straße, in der sein Sohn ermordet wurde.

Nach Angaben des zuständigen Bezirksamts war dies nicht möglich - auch weil viele Anwohner hätten zustimmen müssen. Jetzt ist es eine Straße geworden, an der auf der einen Seite ein Großmarkt mit riesigen Lagerhallen liegt, und an der auf der anderen Seite eine Wohnsiedlung mit fünfstöckigen Backsteinhäusern entsteht.

In der Schützenstraße selbst erinnert ein Gedenkstein an Tasköprü. Er hinterließ eine Frau und ein damals drei Jahre altes Mädchen. Sie schrieb für die Zeremonie einen kurzen Brief an ihren Vater, den der türkische Generalkonsul Mehmet Fatih Ak verlas. Darin hieß es, dass sie manchmal mit ihrem Vater spreche und dabei der Schmerz kleiner werde. Bei diesen Worten konnte die Mutter des Ermordeten die Tränen nicht unterdrücken. Nach der Enthüllung des neuen Straßenschilds fuhr die Familie fast unbemerkt mit einem kleinen roten Auto nach Hause – entlang einer Straße, die nun den Namen ihres Sohnes trägt.

Die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ soll zwischen 2000 und 2007 zehn Morde begangen haben. Nach Angaben der Bezirksverwaltung Altona gibt es in anderen Städten bisher keine Straßen in Gedenken an die Terroropfer. In Kassel wurde ein Platz nach Halit Yozgat benannt, der im April 2006 erschossen worden war.

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