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Schiffsabgase : Hafen in Hamburg: Die Stickoxid-Belastung steigt weiter

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Bis 2025 sollen die Emissionen um 6,2 Prozent steigen. Die Landstrom-Anlage für Kreuzfahrtschiffe wird kaum genutzt.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2017 | 17:08 Uhr

Hamburg | Der Blick von den Landungsbrücken auf die Hafenkräne zieht Touristen aus aller Welt nach Hamburg. Die gigantischen Traumschiffe für Kreuzfahrten sind erstklassige Motive für Postkarten und Werbefotos. Doch die Menschen vor Ort werden mit Stickoxiden und Feinstaubpartikeln belastet. Die Dieselmotoren der Schiffe sind die Luftverschmutzer Nummer eins in Hamburg.

Rund 39 Prozent aller Stickoxide in Hamburg werden durch die Schifffahrt verursacht, heißt es im Luftreinhalteplan der Hansestadt. Im Entwurf der zweiten Fortschreibung des Plans hat der Senat gegenüber der Hafenwirtschaft geradezu kapituliert. Anstatt Verbesserungen zu versprechen, räumt er offen ein, dass die Stickoxid-Emission durch Schiffe bis 2025 sogar um 6,2 Prozent steigen wird. Als Grund nennt er die geplante Elbvertiefung und den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals, wodurch sich die Wettbewerbsposition des Hamburger Hafens verbessern soll.

50.000 Menschen sterben jährlich durch Schiffabgase

Der Naturschutzbund (Nabu) schlägt Alarm. „Jährlich sterben alleine in Europa 50.000 Menschen durch die Abgase der Schiffe“, warnt Sprecherin Birgit Hilmer. Bei einer Messung während des Hafengeburtstages kam der Nabu zu dem Ergebnis, dass an der Hafenpromenade die Belastung mit ultrafeinen Partikeln zehnmal so hoch war wie an der Außenalster. Das Problem sei die Dieselverbrennung. Das weiß auch der Senat schon lange. Doch er kommt kaum dagegen an.

Erst 2016 hat die Stadt eine rund zehn Millionen Euro teure Anlage zur Landstrom-Versorgung für Kreuzfahrtschiffe am Terminal Altona eingeweiht. Doch sie wird kaum genutzt: „Es gibt zwölf sichere Zusagen für Anläufe an der Landstromanlage durch die AIDAsol im Jahr 2017“, bilanziert Kai Gerullis, Pressesprecher der Hamburg Port Authority (HPA). Insgesamt sollen aber 196 Kreuzfahrtschiffe einlaufen. Die dünne Auslastung der modernen Ökostromanlage erklärt Gerullis damit, dass es in Europa keine vergleichbare Anlage gebe. Nicht alle Schiffe verfügten über die erforderlichen Anschlüsse. „Des Weiteren führt der fortdauernd niedrige Ölpreis dazu, dass derzeit seitens der Reedereien wenig Anreiz besteht in neue, kostenintensive Technologien zu investieren“, beklagt Gerullis.

Einen Lichtblick scheint die Versorgung mit Flüssiggas LNG zu bieten. In der Hafencity versorgt ein mit LNG betriebenes, schwimmendes Kleinkraftwerk Kreuzfahrtschiffe mit sauberem Strom. Auch am Terminal Steinwerder werden Urlaubsschiffe mit Naturgas beliefert. Die Reederein setzten nun verstärkt auf die Alternative LNG beobachtet der Hafensprecher. Vor allem durch diese Technik hat sich der Anteil der Kreuzfahrtschiffe, die während ihres Aufenthaltes in Hamburg eine alternative Energieversorgung nutzen, von fünf Prozent in 2015 auf 32 Prozent im Jahr 2016 erhöht.

Größtes Problem bleiben die Containerschiffe

Containerschiffe verursachen 68 Prozent der Stickoxide im Hafen. Und da steht der Senat noch ganz am Anfang. Die HPA untersuche zurzeit „geeignete technische Lösungen“, heißt es im Luftreinhalteplanentwurf. „An zwei Containerterminals sollen feste Landstromanlagen installiert werden“, konkretisiert Hafensprecher Gerullis. Auch mobile Gaskraftwerke, die in Containerform an Bord gehievt werden, sollen künftig die Pötte sauberer machen. Doch richtig in Fahrt gekommen ist das alles noch nicht. Die Luft am Hafen bleibt weiterhin stickig.

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