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Hamburg : Hafen-City: Anwohner wollen Mega-Einkaufszentrum verhindern

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Die Anwohner befürchten eine massive Verkehrsbelastung nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2021.

Hamburg | Um das geplante größte Einkaufszentrum in Hamburg ist ein Rechtsstreit entbrannt. Anwohner in der Hafencity wollen das Milliarden-Projekt im südlichen Überseequartier mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht verhindern. Der auf Baurecht spezialisierte Rechtsanwalt Michael Günther hat für fünf Wohnungseigentümer einen Eilantrag auf vorläufigen Baustopp eingereicht. Das hat seine Kanzlei bestätigt. Eile ist aus Sicht der Kläger geboten, weil schon Anfang April der feierliche erste Spatenstich erfolgt ist.

Im Zentrum der Hafencity klafft sein Jahren ein großes Loch. Mit den neuen Plänen für das Überseequartier soll der jahrelange Stillstand im zentralen Quartier der Hafencity dem Ende zugehen. Eine Klage könnte die Entwicklung nun bremsen.

Die Kläger begründen ihren Widerstand mit geschätzten etwa 25.000 Kraftfahrzeugen, die das Shopping-Center nach der Fertigstellung ab 2021 täglich ansteuern sollen. Das stelle eine „enorme zusätzliche Verkehrsbelastung dar“, argumentiert Günther, „und kommt einer Enteignung der Wohnungseigentümer nahe“. Angesichts der zu erwartenden hohen Lärm- und Luftbelastung sei eine gesunde Nutzung der angrenzenden Wohnungen im Bereich des südlichen Überseequartiers nicht mehr gewährleistet.

Der französische Investor Unibail-Rodamco will auf dem Gelände im Herzen der Hafencity einen Komplex aus 14 Gebäuden errichten, der unter anderem 200 Läden auf 90.000 Quadratmetern beherbergen soll. Auf der Gesamtfläche von 260.000 Quadratmetern sind zudem ein Kreuzfahrtterminal, drei Hotels, 400 Wohnungen, Büros sowie Freizeiteinrichtungen vorgesehen. Der Bauherr, der knapp eine Milliarde Euro investieren will, verspricht ein „neues, lebendiges Stadtquartier“. Die Stadt hatte für die zentrale Fläche des Stadtteiles ursprünglich deutlich mehr Wohnraum und weniger Einzelhandel vorgesehen. Nachdem jedoch ein erster Investor abgesprungen war, kommt nun Unibail mit seinem Konzept einer Mega-Mall zum Zuge.

Trotz der Klage will das französische Immobilienunternehmen die Planungen nicht ändern. Man halte sich an die Vorgaben Hamburgs zur Projektentwicklung im südlichen Überseequartier, sagte eine Unternehmenssprecherin. Aus Sicht von Unibail ist ein Mindestgröße der Einzelhandelsflächen notwendig, um die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens zu sichern.

Kritik an dem Shoppingtempel äußert auch die Initiative „Lebenswerte HafenCity“. Sprecherin Iris Neitmann nennt die Mall ein „UFO“, das mit seinen Dimensionen nicht in den Stadtteil passe. Die Hafencity vertrage nur ein deutlich kleineres Einkaufszentrum. Auch die Ladenbesitzer der City befürchten, der neue Konkurrent werde Umsätze abziehen.

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts zum Eilantrag auf Baustopp wird noch vor den Sommerferien erwartet. Aller Wahrscheinlichkeit nach geht der Streit danach in einem Hauptsacheverfahren weiter. Die Richter müssten dann nach gründlicher Prüfung entscheiden, ob die Baugenehmigungen gegen die Rechte von Nachbarn verstoßen.

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erstellt am 12.Jun.2017 | 18:34 Uhr

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