Hamburger Chemiefirma : H&R Ölwerke Schindler nimmt große Wasserstoff-Anlage in Betrieb

Das Gelände der H&R Ölwerke Schindler im Hamburger Hafen.
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Das Gelände der H&R Ölwerke Schindler im Hamburger Hafen.

Die Anlage soll jährlich mehrere hundert Tonnen Wasserstoff als Rohstoff für die Spezialprodukte herstellen.

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24. November 2017, 13:38 Uhr

Hamburg | Wasserstoff – er ist ein großer Hoffnungsträger für die Energiewelt von morgen, und im Hamburger Hafen soll er nun ganz groß rauskommen: Das Spezialchemieunternehmen Hansen & Rosenthal (H&R Ölwerke Schindler) hat am Freitag in seiner Raffinerie in Neuhof die „weltgrößte regelflexible Elektrolyse-Wasserstoff-Anlage“ in Betrieb genommen. Die Fünf-Megawatt-Einheit nutzt überschüssigen Windstrom, um das energiereiche Gas aus Wasser zu gewinnen und dieses bei der Herstellung von Chemieprodukten zu verwenden.

H&R investiert mehr als zehn Millionen Euro in das Pioniervorhaben, das laut Geschäftsführer Niels H. Hansen als Meilenstein auf dem Weg zur „grünen Raffinerie“ dienen soll. „Das ist ein großer Schritt in die Zukunft der Energieversorgung“, lobte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) bei der feierlichen Eröffnung vor 60 Gästen.

H&R Ölwerke Schindler stellt auf seinem Raffinerieareal unweit der Köhlbrandbrücke aus Rohöl Grundstoffe für die chemische und pharmazeutische Industrie her, vor allem Weißöle, Paraffine, Druckfarbenöle und Bitumen. Sie finden sich später in allen möglichen Produkten, von Möbelpolitur und Plastikbechern über Kerzenwachs und Straßenasphalt bis hin zu Gesichtscremes und Autoreifen. Die Energie im Produktionsprozess bei H&R kommt bislang überwiegend aus fossilen Brennstoffen.

Der von Siemens gelieferte Groß-Elektrolyseur soll in Hamburg jährlich mehrere hundert Tonnen Wasserstoff produzieren. Schon jetzt nutzt das Unternehmen Wasserstoff als Energiequelle, lässt diesen bisher aber mit Hilfe von Erdgas herstellen und per Lkw anliefern. Die neue Anlage fungiere als Pufferspeicher für Öko-Energie und arbeite „regelflexibel“, so die Verantwortlichen. Im Klartext: Erzeugen die Windkraftwerke auf See ein Überangebot an Strom, nutzt H&R diesen für die Wasserstoffgewinnung in Hamburg. Hansen: „Wir sehen uns in diesem Bereich als echten Innovationsführer.“

Die Umweltschützer vom Hamburger BUND begrüßten den Einsatz der Elektrolyse-Technologie als Beitrag zum Klimaschutz. Zugleich warnte BUND-Landesgeschäftsführer H&R aber vor einer Umweltsünde an derer Stelle. So beabsichtigen die Ölwerke Schindler laut Braasch, Fernwärme vom umstrittenen Kohlekraftwerk Moorburg zuzukaufen. „Das wäre das Gegenteil von konsequentem Klimaschutz.“ Er forderte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) auf, dieser Moorburg-Option im Zuge des geplanten neuen Fernwärmekonzepts der Stadt einen Riegel vorzuschieben.

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