S-Bahnhof Diebsteich : Grünes Licht für neuen Fernbahnhof Hamburg-Altona

Blick aus der Vogelperspektive auf den geplanten Fernbahnhof Diebsteich. Ein geschlossenes Hallendach ist nicht vorgesehen.
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Blick aus der Vogelperspektive auf den geplanten Fernbahnhof Diebsteich. Ein geschlossenes Hallendach ist nicht vorgesehen.

Die Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs ist für den Jahreswechsel 2023/2024 geplant. Baubeginn ist im Sommer.

shz.de von
03. Januar 2018, 16:22 Uhr

Hamburg | Nur der Name bleibt – ansonsten wird alles anders beim Bahnhof Hamburg-Altona: Mit dem Neubau der Station zwei Kilometer nördlich des bisherigen Standorts wird sich in Hamburgs Westen einiges verändern. Dieser Tage hat die Bahnhofs-Verlegung eine entscheidende Hürde genommen. Das Eisenbahnbundesamt genehmigte die Planfeststellungsunterlagen, die Baugenehmigung für das 360-Millionen-Euro-Projekt. 

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis: „Die Hauptbaumaßnahmen sollen planmäßig in diesem Sommer beginnen.“ Zunächst werde dann das Baufeld vorbereitet. Die Inbetriebnahme des neuen Fern- und Regionalbahnhofs sei für den Jahreswechsel 2023/2024 vorgesehen.

Geplanter Neubau im Detail

Der geplante Fernbahnhof Altona in Diebsteich erhält vier Bahnsteige mit acht Gleisen: drei Bahnsteige für den Fernverkehr, einen für S-Bahnen. Zum Neubau gehören 25 Kilometer Gleise, 48 Weichen, ein elektronisches Stellwerk, eine Tankanlage und ein DB-Dienstgebäude. Zwei Brücken entstehen neu, das Kreuzungsbauwerk Langenfelde verschwindet.

Ein geschlossenes Hallendach wird es nicht geben. Jeder Bahnsteig erhält eine eigene Glas-Stahl-Überdachung auf 240 Metern (Fernbahn) sowie 140 Metern (S-Bahn).

Die Mantelbebauung wird von zwei Hochhäusern dominiert (20 und 15 Stockwerke); im höheren ist ein Hotel mit 209 Betten vorgesehen. Hinzu kommen Büros, Läden, Fitnessstudio, Gastronomie, Tiefgarage sowie ein Fahrradparkhaus.

 

Ob das Vorhaben rechtlich noch aufzuhalten sein wird, ist unklar, aber eher unwahrscheinlich. Dem Vernehmen hat ein Anwohner in Diebsteich die Absicht, gegen die Planfeststellung zu klagen. Ob ein Gericht das zum Anlass für einen Baustopp nehmen würde, ist damit aber nicht gesagt. Die Bürgerinitiative „Prellbock“, die seit Jahren gegen den Bahnhofsumzug Front macht, hat mangels eigener Betroffenheit kein Klagerecht.

Mit der neuen Durchgangsstation ersetzt die Deutsche Bahn den bisherigen Kopfbahnhof Altona, von dem nur der unterirdische S-Bahnhaltepunkt übrig bleibt und der dann Altona-Mitte heißt. Die geräumten Gleisflächen werden Teil der Neuen Mitte Altona, einem Neubaustadtteil für fast 10.000 Menschen.

Am bisherigen S-Bahnhof Diebsteich sollen ab 2024 unter anderem die ICE in Richtung Kiel, die Regionalzüge nach Pinneberg, Elmshorn und Itzehoe sowie die S-Bahnen S3 (Pinneberg-Stade) und S21 (Hamburg-Kaltenkirchen) halten. Die Bahn kalkuliert mit lediglich 22.000 Fahrgästen an durchschnittlichen Werktagen, der Großteil davon Umsteiger. 

Die Stadt verspricht, den Bahnhof zur attraktiven „Landmarke“ für den Stadtteil zu machen. Und das zum Teil auf eigene Kosten. Weil die Deutsche Bahn nur einen schlichten Funktionsbau zahlt, hat der Senat eine zusätzliche Mantelbebauung angeschoben. Ein privater Investor baut einen Hotelturm (58 Meter), ein Bürohochhaus (76 Meter) sowie einen Ladenriegel. Dazu gibt es eine dreigeschossige Empfangshalle mit „großstädtischer Anmutung“, samt zwölf Meter hoher Überdachung des Vorplatzes.

Die Kritiker von „Prellbock“ halten die Verlegung dennoch für einen schweren Fehler. Sprecher Michael Jung sagt Gesamtkosten von „bis zu einer Milliarde Euro“ voraus – und zieht Parallelen zum Kostendesaster bei Stuttgart 21. Auch die Linksfraktion in der Bürgerschaft lehnt den Neubau vehement ab. „Hamburg baut einen Bahnhof in die Walachei“, kritisiert die Abgeordnete Heike Sudmann. Zugleich verliere Altona-Mitte mit dem Fernbahnhof sein Zentrum.

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