Intelligente Verkehrslösungen : Grüne-Welle für Autofahrer: Hamburg testet digitale Ampelhelfer

Über eine App werden die Auto- und Radfahrer über das richtige Tempo informiert. Kostenlos ist der Service nicht.

shz.de von
20. Juli 2018, 15:37 Uhr

Hamburg | Nach einem erfolgreichen Test will die Stadt Hamburg den Weg für einen flächendeckenden Ausbau von digitalen Ampelhelfern ebnen. Rund 1000 der mehr als 1700 Ampeln im Stadtgebiet sollen spätestens bis 2020 die Kommunikation mit Autos und Fahrrädern aufnehmen und ihnen signalisieren, wie sie am besten die Rotphase einer Ampel vermeiden können.

Damit werde der Verkehrsfluss verbessert, die Fahrzeit verkürzt sowie der Spritverbrauch und damit auch der Schadstoffausstoß gesenkt, sagte Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) am Freitag in Hamburg. „Wir haben uns auf den Weg Richtung Mobilität von Morgen gemacht und sind wieder ein gutes Stück vorangekommen.“

Die Technologie ist komplexer, als es sich zunächst anhört. Die Rohdaten für die Ampelschaltungen werden vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) zur Verfügung gestellt, von den Projektpartnern Swarco und Here Technologies aufbereitet und über eine cloudbasierte Plattform an die Bordsysteme der Autos oder eine App wieder ausgespielt. Dabei entstehen aktuelle Prognosen für die nächsten Minuten, die auf Erfahrungen in ähnlichen Situationen basieren. Die Ampelschaltungen in einer Großstadt sind ein hochdynamisches System, in das zum Beispiel Fußgänger eingreifen, wenn sie eine Ampel drücken oder Busse, die auf Beschleunigungsspuren verkehren.

Im Ergebnis erhält der Autofahrer in seinem Navigationssystem eine Ansage, mit welcher Geschwindigkeit er am besten durch die vor ihm liegenden Ampelphasen kommt. Getestet wurde das System gemeinsam mit Audi, doch sollen die Daten diskriminierungsfrei allen interessierten Nutzern zur Verfügung stehen. Per App können auch Radfahrer das System nutzen. Bezahlen sollen die Endnutzer über die App. In neuen Autos ist zudem oft schon ein kostenpflichtiges Navigations- und Kommunikationspaket mit einer Vielzahl von Diensten enthalten; bei Audi heißt es zum Beispiel Audi Connect. Dort würde der Ampelhelfer integriert. In den USA hat Audi ein ähnliches System bereits in mehreren Städten eingeführt.

Die Einführung des Ampelsystems dient auch der Vorbereitung des Weltkongresses für intelligente Verkehrssysteme (ITS), der mit mehr als 10.000 Teilnehmern im Oktober 2021 in Hamburg stattfinden wird. Hamburg will zu diesem Kongress neue Technologien und Lösungen für Verkehrsprobleme präsentieren, die in der Praxis anwendungsreif sind.

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