Hamburg : Grüne im Umfragehoch: Anjes Tjarks will „grüne Lebenslügen“ hinterfragen

Die Grünen sind in Hochstimmung. Laut Umfragen können sie in Hamburg derzeit mit Zugewinnen rechnen.

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18. April 2018, 17:26 Uhr

Hamburg | Beflügelt von guten Umfragewerten für seine Partei in Hamburg will Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks vor der Bürgerschaftswahl 2020 breitere Wählerschichten ansprechen. Dabei sollten „einige alte grüne Lebenslügen“ hinterfragt werden, sagte er am Mittwoch. Das gelte auch für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, dem „Hauptthema“ der Stadt. „Es tut vielen Grünen in der Seele weh, da zu bauen, wo mal eine grüne Wiese war. Aber wir kommen nicht drum herum.“ Viele Menschen fänden Urbanität und Verdichtung gut „und ziehen ja gerade deshalb in diese Quartiere“.

Dennoch sei Hamburg „eine grüne Stadt am Wasser und soll das auch bleiben“. Daher müsse auch darüber nachgedacht werden, „ob wir nicht größere Strategien brauchen zur Wiederbesiedelung der Innenstadt“. Statt 2000 Menschen könnten dort auch 25.000 leben, sagte Tjarks. Die Strategie, auf neuen Wohnraum außerhalb der Stadtgrenzen zu setzen, halte er für „ziemlich dusselig“. Schon aufgrund des Verkehrsaufkommens sei es effizienter, die Menschen in die innere Stadt zu holen. Wer dies dennoch wolle, habe nur Angst vor der eigenen Courage.

„Wir leben in einer Stadt, und wer aufs Dorf will, muss am Ende aufs Dorf ziehen.“ Der Wähler wolle, „dass wir eine diskursorientierte Partei sind“, sagte Tjarks. Deshalb müssten auch Widersprüche angesprochen werden. Es gehe vor der Bürgerschaftswahl darum, wieder „eine Gesamtidee von der Stadt“ in den Mittelpunkt zu rücken.

Deshalb werde er eine Dialogreihe „Ohne Filter“ in einer Art Townhall-Format durch die Bezirke starten. „Ziel ist es, davon auch etwas mitzunehmen, nämlich wie tickt die Stadt in ihrer Breite.“ Tjarks warnte vor einer Überbewertung der aktuell guten Umfragen, die die Grünen in Hamburg zuletzt bei 18 Prozent als zweistärkste Kraft hinter der SPD sahen. Bei der Bürgerschaftswahl 2015 kam die Partei auf 12,3 Prozent. „Aber wir wollen schon noch ein bisschen mehr.“

Der Aufwärtstrend sei auch den Bundesgrünen geschuldet, sagte Tjarks. Die seien aus den Jamaika-Verhandlungen mit Union und FDP „gut rausgekommen“ und hätten zugleich Gestaltungswillen demonstriert. „Das erste Mal seit zehn Jahren profitieren wir davon, dass unsere Bundespartei gute Arbeit macht.“

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