Musical in Hamburg : Graf von Krolock ist zurück: Tanz der Vampire feierte Premiere

 Bleiche Gesichter, blutunterlaufene Augen, spitze Zähne und ein leichter Hauch von Knoblauch, der von der Bühne herüber weht. 20 Jahre nachdem das Musical in Wien Premiere feierte, ist es zurück in Hamburg.

Bleiche Gesichter, blutunterlaufene Augen, spitze Zähne und ein leichter Hauch von Knoblauch, der von der Bühne herüber weht. 20 Jahre nachdem das Musical in Wien Premiere feierte, ist es zurück in Hamburg.

Bis Januar 2018 sind die Blutsauger im Stage Theater an der Elbe zu sehen und sorgen für wohliges Grusel

shz.de von
18. September 2017, 16:59 Uhr

Hamburg | Nach 20 Minuten sehen die Zuschauer den ersten Vampir. Auftritt: Graf von Krolock (Mathias Edenborn). Durchtrieben weht er mit seinem schwarzen Umhang. Die langen Haare offen, die Fingernägel lang, die Zähne gewetzt. Er kommt aus dem Publikum, er verschwindet dort auch wieder. „Sei bereit, Sternkind“ singen sie, während ein jeder die Originalzeilen „Turn around, bright eyes" von Bonnie Tylers „Total Eclipse of the Heart“ im Kopf hat.

Der US-amerikanischer Rock- und Musical-Komponist Jim Steinman hat daraus „Totale Finsternis“ gemacht. Es ist der Titelsong des Musicals „Tanz der Vampire“. Sowieso, die Musik steht im Vordergrund. Sie singen über Wahrheit, Liebe oder auch Knoblauch („Knoblauch, Knoblauch. Gibt Leib und Seele Kraft. Er macht größer, was zu klein ist. Und macht härter, was erschlafft.“). Das ist manchmal vulgär, manchmal komisch, manchmal reimt es sich („Doch als Leiche riecht er bloß, sonst hält er sich tadellos“). Jim Steinman, der auch für Meat Loaf, Celine Dion und Bonnie Tyler gearbeitet hat, liefert eingängige Melodien, die als Ohrwurm zurück bleiben.

Stage EntertainmentAufwendige Kostüme und eine beeindruckende Bühneshow sorgen für wohliges Gruseln.
Stage Entertainment.

Aufwendige Kostüme und eine beeindruckende Bühneshow sorgen für wohliges Gruseln.

 

20 Jahre ist es jetzt her, dass die Vampire in Wien ihre Uraufführung feierten. Verändert haben sie sich nicht. Es ist das gleiche Stück, mit dem sie weltweit unterwegs sind, mit Vorstellungen in Österreich, USA, Polen, Estland, Belgien, Japan, Ungarn, Russland, Frankreich, Finnland, Tschechien, in der Schweiz und in der Slowakei und über acht Millionen Zuschauern. Von Dezember 2003 bis Januar 2006 sahen rund 1,1 Millionen Zuschauer den Vampiren schon einmal in Hamburg zu. Bis Ende Januar kommenden Jahres sind sie zurück in der Hansestadt: am Stage Theater an der Elbe.

Bis dahin gibt es viel wohliges Gruseln, bunte Tanzszenen und doppelbödigen, schwarzen Humor. Komisch, manchmal klamaukig ist allen voran der uralte Vampirforscher Professor Abronsius, der von einem 28-Jährigen gespielt wird.

Mit einer dicken Schicht Make-up und einem eindrucksvollen Kostüm verwandelt sich der 28-jährige Victor Petersen in den alten Professor Abronsius.
Stage Entertainment

Mit einer dicken Schicht Make-up und einem eindrucksvollen Kostüm verwandelt sich der 28-jährige Victor Petersen in den alten Professor Abronsius.

Victor Petersen hat erst vor zwei Jahren die Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie abgeschlossen und schon die Stimme eines Opernsängers. in bebeugter Haltung und leicht zitternd spielt er den alten Tattergreis, der sich mit seinem Assistent Alfred auf die Suche nach Vampiren macht. Sarah, die schöne Tochter des Wirts Chagal, verdreht dem Gehilfen den Kopf.

Alfred verliebt sich gleich bei der ersten Begegnung in die hübsche Wirtstochter Sarah.
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Alfred verliebt sich gleich bei der ersten Begegnung in die hübsche Wirtstochter Sarah.

 

Es knistert zwischen den Akzenten: Tom van der Ven und Maureen Mac Gillavry stammen aus den Niederlanden und schaffen es selbst in ihren wirklich hinreissenden Liebesduetten nicht ganz ihre Herkunft zu verstecken. Anders ist das bei Mathias Edenborn.

Graf von Krolock sorgt mit seinen Auftritten bei den Zuschauern für Gänsehaut-Momente.
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Graf von Krolock sorgt mit seinen Auftritten bei den Zuschauern für Gänsehaut-Momente.

Der gebürtige Schwede stand schon in der Berliner und Stuttgarter Inszenierung des Musicals als Graf von Krolock auf der Bühne. Perfekt verkörpert er den Vampirgrafen, furchterregend und anziehend zugleich - „Die Furcht ist mein Mantel, die Nacht mein Revier“. Wenn der Blutsauger die schöne Wirtstochter zum Mitternachtsball in sein nahegelegenes Schloss einlädt, dann lässt sich die Anziehungskraft zwischen Gut und Böse bis in die hintersten Reihen spüren. Professor Abronsius und Alfred folgen dem Mädchen, um sie vor Unheil zu bewahren und die Existenz der Blutsauger zu beweisen. 

Im Schloss wimmelt es nur so von Vampiren. Ihre Merkmale: das Meiden von Sonnenlicht, klar - so ist das Musical meist düster und grau - ihre Vorliebe für das menschliche Blut sorgt für viel Rot: 80 Liter Farbe wurden alleine zum Färben und Bemalen der Kostüme benötigt, drei Blutbeutel werden für die Illusion des Halsbisses gebraucht: in jeder Vorstellung. Und: das Fehlen eines Spiegelbilds. Letzteres sorgt für wundervoll synchrone Szenen vor gespielten Spiegeln. 

Die Vampire haben nicht nur im Stück eine magische Anziehungskraft. Den Prototyp des literarischen Vampirs schöpft Bram Stoker in seinem Roman „Dracula“. Seither ist der Vampir weltweit ein Gast auf allen Leinwänden. Mit Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ findet 1967 erstmals eine Parodie auf das Vampirgenre ihren Weg in die Kinos. Darauf basiert auch das gleichnamige Musical, das Michael Kunze geschrieben hat.

Tanz der Vampire ist düster und bunt, komisch und ernst, voller Abneigung und Lust, Sehnsucht und Verlangen. Der wirkliche Tanz der Vampire - der Mitternachtsball - ist beeindruckend: wundervolle Kostüme, schöne Tanzchoreographien, bunt und anmutend. So laufen die Vampire durchs Hamburger Publikum davon, wie vor 31 Jahren die Katzen von Cats. Damals, zu den Hochzeiten, als Musicals noch von großen Orchestern begleitet wurden. Denn eins hat sich dann doch geändert: Bei der Welturaufführung von „Tanz der Vampire“ in Wien 1997 bestand das Orchester aus 28 Mann. Heute finden nicht mal mehr ein Dutzend Musiker im Orchestergraben Platz. Genauer gesagt: Es sind zehn.

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