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Koordinator aus Hamburg : „Gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge ist illusorisch“

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Die Bundesregierung versucht den Flüchtlingszustrom zu mindern. Hamburg glaubt allerdings nicht an einen Erfolg - und wappnet sich.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 10:09 Uhr

Hamburg | Angesichts des andauernden Zustroms von Asylbewerbern hält der Hamburger Flüchtlingskoordinator Anselm Sprandel eine gleichmäßige Verteilung der Menschen auf alle Stadtteile für nicht machbar. „Eine völlige Gleichverteilung über die Stadt ist illusorisch“, sagte er.

In Hamburg fordern mehrere Bürgerinitiativen einen Volksentscheid über die Unterbringung von Flüchtlingen. Ihr Hauptkritikpunkt: Die Verteilung auf die einzelnen Stadtteile sei ungerecht.

Sprandel erklärte weiter: Die Stadt habe vor, in diesem Jahr 40.000 neue Unterkunftsplätze zu schaffen. Berechnungsgrundlage seien die Flüchtlingszahlen aus dem zweiten Halbjahr 2015. „Wir rechnen damit, dass 31.500 Menschen unterm Strich zu uns kommen“, sagte Sprandel. Hamburg brauche aber mehr Plätze, weil aus praktischen oder technischen Gründen die Unterkünfte nicht zu hundert Prozent belegt werden könnten. Außerdem müssten vorübergehend noch weitere Flüchtlinge untergebracht werden, die Hamburg dann wieder verließen.

 

Hochgerechnet ergeben die Hamburger Zahlen, dass in diesem Jahr 1,5 Millionen Menschen neu nach Deutschland kommen werden. Im vergangenen Jahr seien es 1,1 Millionen gewesen. „Da liegen wir jetzt ein bisschen drüber, weil wir davon ausgehen, dass der Trend des zweiten Halbjahres sich zwar nicht in exakt der gleichen Höhe, aber doch im Wesentlichen so fortsetzt.“ Auch andere Bundesländer wie Niedersachsen und Baden-Württemberg rechneten mit bis zu zwei Millionen neuen Flüchtlingen.

Sollten es weniger sein, würden immer noch keine Unterkünfte in Hamburg leerstehen. Rund 7000 Menschen lebten noch in Gewerbehallen oder Zelten. Und auch 2017 werde die Stadt Asylbewerber aufnehmen müssen. Tatsächlich sinkt die Zahl der Flüchtlingsankünfte derzeit.

Im Januar kamen nach Angaben des Koordinierungsstabs 4044 Menschen in die Hansestadt, nach 6552 im Dezember. Im September und Oktober hatte die Zahl über 10.000 gelegen.

Bei der Suche nach Unterkünften ist die Stadt nicht wählerisch: „Gerade in einer Zeit, in der sehr viele Menschen sehr schnell kommen, muss man das nehmen, was man kriegen kann“, sagte Sprandel. „Aber wir achten schon darauf, wo immer wir können, dass wir ausgleichend wirken.“ Die Stadt plane neuen sozialen Wohnungsbau für Flüchtlinge. Prägend für diese Standorte seien richtige Häuser. „Das ist erstmal etwas sehr, sehr Positives, weil wir nämlich davon wegkommen, die Stadt mit Containern zuzupflastern, die unheimlich teuer und hässlich sind.“

Von Großsiedlungen oder Massenunterkünften will der Flüchtlingskoordinator nicht sprechen. „Meiner Meinung nach sind das Kampfbegriffe.“ Je Standort seien bis 400 bis 800 Wohnungen geplant, so viele wie auch bei anderen Wohnungsbauvorhaben üblich. Richtige Großsiedlungen wie Steilshoop oder Mümmelmannsberg umfassten bis zu 13.000 Wohnungen.

Bei der Unterbringung der Asylbewerber versucht Hamburg auch mit den Nachbarländern zusammenzuarbeiten. Es gebe Gespräche mit Schleswig-Holstein und Niedersachsen. „Wir hoffen, dass wir da zu einem Ergebnis kommen“, sagte Sprandel. Eine Gesetzesänderung habe die Länderkooperation erleichtert. Allerdings zeigten die Kommunen in den Nachbarländern kein großes Interesse daran, Hamburg Flüchtlinge abzunehmen.

 

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