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Neue Beratungsstelle : Gesundheitliche Beratung für Prostituierte in Hamburg

vom

Seit Juli gilt ein neues Prostituiertenschutzgesetz. Es soll Sexarbeiterinnen stärker vor Ausbeutung und Zwang schützen.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 15:09 Uhr

Hamburg | Als eines der ersten Bundesländer hat in Hamburg die gesundheitliche Beratung für Prostituierte begonnen. „In der vergangenen Woche haben dreizehn Frauen das neue Angebot angenommen“, sagte die Leiterin der neuen Beratungsstelle, Johanna Claass, am Montag in Hamburg. Die Beratung ist Teil des neuen Prostituiertenschutzgesetzes, das seit dem 1. Juli bundesweit in Kraft ist. Das Gesetz soll Sexarbeiterinnen stärker vor Ausbeutung und Zwang schützen. Neben der Gesundheitsberatung sieht es auch eine behördliche Anmeldepflicht für alle Prostituierten vor.

„Es gibt eine gewisse Skepsis. Aber die meisten Frauen waren sehr dankbar“, sagte Claass. Die Beratungsgespräche, die rund 45 Minuten dauerten, seien komplett anonym. Die rein weiblichen Beraterinnen informierten unter anderem über Gesundheitsschutz, Schwangerschaft und Verhütung sowie Alkohol- und Drogenprobleme. Sollten die Prostituierten weder Deutsch noch Englisch sprechen, stehen auch Dolmetscherinnen für Bulgarisch, Rumänisch, Spanisch und demnächst Ungarisch bereit. Bis jetzt hat die neue Beratungsstelle bereits 150 Anmeldungen entgegengenommen.

Das gesundheitliche Beratungsgespräch ist Voraussetzung dafür, dass sich die Frauen, aber auch Männer und Transsexuelle, bei den Behörden anmelden können. Diese Anmeldebescheinigung, die regelmäßig verlängert werden muss und die mit Namen, Adresse und einem Foto versehen sein soll, müssen die Prostituierten mit sich führen und dadurch ihre Anonymität aufgeben. Der Verein Doña Carmen, der sich für die Rechte von Prostituierten einsetzt, befürchtet durch das Gesetz schwere Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte der Sexarbeiterinnen. Wie viele Prostituierte es in Hamburg gibt, kann niemand genau sagen. Schätzungen gehen von 2500 bis 7500 aus.

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