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Schliessungen in Husum und Osterrönfeld : Gespräche zum Senvion-Sozialplan: Pfeifkonzert vor der Firmenzentrale

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Das Unternehmen schmetterte Alternativkonzepte ab. Senvions Angebot nennt der Vorstand „Schande“.

Hamburg | Der Krach war durch die gesamte City Nord zu hören: Mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert haben am Mittwochmittag etwa 300 Mitarbeiter des Windanlagenherstellers Senvion in Hamburg ihrem Unmut über den Abbau von rund 500 Stellen Luft gemacht. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg hat die Schließung der Standorte Husum, Trampe und Powerblades in Bremerhaven beschlossen, Jobs werden nach dem Kürzungsprogramm zudem in der Hamburger Zentrale sowie am Standort Osterrönfeld verloren gehen.

Senvion war ein wichtiger Arbeitgeber in Schleswig-Holstein. Der Hersteller von Windenergieanlagen im Onshore- und Offshore-Bereich entwickelt, produziert und vertreibt Windenergieanlagen. Die Systeme wurden bislang im Senvion TechCenter in Osterrönfeld konstruiert und in den deutschen Werken in Husum, Trampe und Bremerhaven sowie in Portugal gefertigt.

Trotz Alternativkonzepten von Betriebsräten und IG Metall für einen Teilerhalt der Arbeitsplätze, hielt das Unternehmen am Jobabbau fest. Den Arbeitnehmervertretern bleibt somit nur noch, soziale Härten abzumildern. Die Gespräche für einen entsprechenden Sozialplan haben am Mittwoch im sechsten Stock des Senvion-Hauptquartiers in der Hamburger City Nord begonnen, begleitet vom lautstarken Protest der Betroffenen vor der Tür. Wut, Unverständnis und Bitterkeit herrschten vor, Redner aus den verschiedenen Standorten warfen der Senvion-Führung „Heuschreckenmentalität“ vor.

Das Management wolle auf Geheiß des US-Fonds Centerbridge als Eigentümer die profitable Windfirma durch Kosteneinsparungen für einen Verkauf aufhübschen. „Eine absolute Schweinerei“, schimpfte Powerblades-Betriebsratschef Alan-Thomas Bruce. Wenn schon die Stellen nicht zu retten seien, dann müsse das Unternehmen den entlassenen Mitarbeitern zumindest beim Interessenausgleich weit entgegenkommen.

Mit am Verhandlungstisch sitzt Mathias Wötzel, Betriebsratschef am Standort Husum, wo die Fertigung zum 1. Juni eingestellt wurde. 100 Jobs sind dort nach seinen Angaben verloren, 58 Kollegen des Werkes lägen Angebote für andere Senvion-Standorte vor. Wenig Hoffnung setzt Wötzel auf die Aussage der Firmenleitung, wonach ein branchenfremdes Unternehmen Interesse an einer Übernahme der Husumer Fertigungsstätte bekundet haben soll und bis zu 50 neue Jobs schaffen könnte. „Bis heute kennen wir nicht mal den Namen oder andere Einzelheiten. Das ist alles zu vage.“

Die Verhandlungen zum Interessenausgleich liefen zäh an. Am Mittag bezeichnete Mathias Wötzel das Angebot der Unternehmensführung als „Schande“. So wolle Senvion nur halb so hohe Abfindungen zahlen, wie von den Betriebsräten und der IG Metall gefordert. Laut Martin Bitter, Verhandlungsführer der Arbeitnehmer und Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg, liegen in den Gesprächen noch weitere Forderungen auf dem Tisch.

So müsse die von Senvion zugesagte Transfergesellschaft ausreichend finanziell ausgestattet sein. Auch gelte es, bei Versetzungen Kostennachteile für Mitarbeiter auszugleichen. Bitter: „Es kann eben teuer werden, wenn man so viele Kollegen loswerden will.“ Senvion wollte sich zum Verhandlungsstand nicht äußern. Die Gespräche sollen am Donnerstag fortgesetzt werden.

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erstellt am 26.Jul.2017 | 14:40 Uhr

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