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Verschwundene Koffer in HH : Gepäck-Chaos: Bodenpersonal stellt über 100 Gefährdungsanzeigen

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Sie verdienen schlecht und fühlen sich unterbesetzt. Verdi fordert die Flugunternehmen auf, etwas zu ändern.

Hamburg | Ferienzeit, entspannte Zeit, könnte man meinen. Doch was Urlaubsflieger und andere Reisende in den vergangenen Tagen an den Gepäckbändern des Hamburger Flughafens erlebten, war an Chaos nicht zu überbieten.

Passagiere mussten zum Teil stundenlang auf ihr Gepäck warten. Ein spanischer Pilot hatte am Freitag wegen der stockenden Be- und Entladung der Flugzeuge gleich ganz die Faxen dicke und flog das für Hamburg gedachte Gepäck wieder zurück nach Barcelona. Sogar die Feuerwehr musste am Gepäckband aushelfen.

Das Chaos hat seine Ursachen, denn die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste sind der Arbeitsbedingungen überdrüssig. Von „katastrophalen Bedingungen“ ist die Rede. Chronischer Personalmangel, erhöhtes Arbeitsaufkommen und ein zu niedriger Lohn hätten zu mehr als 100 Gefährdungsanzeigen geführt, bestätigt Katharina Wesenick, Tarifsekretärin Flugverkehr beim Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi. Es ist eine Warnung an den Arbeitgeber, dass unter den gegebenen Bedingungen Risiken für Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten und Passagiere nicht auszuschließen seien.

„Seit der Liberalisierung der Bodenverkehrsdienste in den 1990ern hat es einen Preisverfall von bis zu 30 Prozent gegeben“, kritisiert Wesenick. Die Zustände seien alarmierend, sowohl bei der Passagier- als auch bei der Gepäckabfertigung. Zehn Euro brutto Einstiegsgehalt und ein kaum zu absolvierendes Arbeitsaufkommen hätten zu dem Gepäckstau geführt.

Der Hamburger Flughafen integriert als Unternehmen verschiedene Tochtergesellschaften, darunter auch den Dienstleister Aviation Handling Services (AHS), zuständig für die Passagierabfertigung. Auch diverse Bodenverkehrsdienste sind dabei. Flughafensprecherin Janet Niemeyer beschwichtigt: „Samstag hatten wir eine Ausnahmesituation mit hohem Krankenstand.“ Die Lage habe sich aber trotz eines erhöhten Passagier-Aufkommens in der Ferienzeit wieder normalisiert.

Doch eine Mitarbeiterin vom Check-in, die nicht namentlich genannt werden will, weitet das Problem auch auf die Passagierabfertigung aus. „Das Gehalt stimmt nicht“, bemängelt sie. Billig-Airlines würden immens hohe Anforderungen stellen. Wo früher zwei oder drei Beschäftigte 180 Leute abfertigten, müsse es nun einer alleine tun.

„Eine höhere Entlohnung würden ein bis zwei Euro teurere Ticketpreise bedeuten“, sagt Katharina Wesenick. Sie versteht nicht, warum „übereifrige Manager“ dies nicht einsehen würden. Stattdessen verfielen die Flughäfen, die langfristige Verträge mit den Fluggesellschaften abgeschlossen haben, in Konkurrenz zu privaten Anbietern. Dies führe zu Preis- und Lohndumping.

Verdi fordere einen „einheitlichen Branchentarifvertrag“. Am Frankfurter Airport würden 20 Prozent höhere Löhne als in Hamburg bezahlt, betont Wesenick.

Flughafensprecherin Niemeyer beruft sich auf einen gültigen Tarifvertrag für den Standort Hamburg. Zudem gebe es für die ungelernten Tätigkeiten beim Be- und Entladen der Maschinen ordentliche Zulagen. Nach zwei Jahren könnten dann zwischen 2000 und 3500 Euro brutto im Monat verdient werden.

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erstellt am 10.Aug.2017 | 09:41 Uhr

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