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Auktion in Hamburg : Gemäldesammlung von Altkanzler Helmut Schmidt kommt untern Hammer

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Eine Sammlung, die Schmidt seiner Lebensgefährtin im Laufe der Jahre schenkte, wird von Loahs Erben in HH versteigert

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2017 | 18:30 Uhr

Hamburg | Sie war seine Lebensretterin und letzte Liebe: „Ohne Ruth wäre ich heute nicht mehr da“, sagte Helmut Schmidt (1918-2015) anlässlich seines 95. Geburtstages über  seine Lebensgefährtin Ruth Loah. Im März verstarb die langjährige Mitarbeiterin und Vertraute des Altkanzlers im Alter von 83 Jahren. Eine Sammlung von Gemälden und  Skulpturen, die Schmidt der Lebensgefährtin im Laufe der Jahre schenkte, wird jetzt von Loahs Erben in Hamburg versteigert.

Geschätzt auf 9000 Euro: das Ölbild „Im Wald“ von Bernhard Heisig.
Geschätzt auf 9000 Euro: das Ölbild „Im Wald“ von Bernhard Heisig. Foto: Auktionshaus Stahl
 

Neun Kunstwerke verzeichnet der Katalog des Auktionshauses Stahl für die Versteigerung am kommenden Freitag. Einer der Höhepunkte dürfte dabei das auf 9000 Euro taxierte Ölbild „Im Wald“ von DDR-Maler Bernhard Heisig (1925-2011). 1986 ließ sich Schmidt von Heisig für die Galerie der ehemaligen Bundeskanzler porträtieren.

 

Das fertige Porträt ist nicht Teil der Auktion, dafür aber eine Skizze. „Es könnte sich dabei um eine der Vorstudien für das Porträt handeln“, sagte Auktionator Michael Kerle shz.de. Er hebt auch die Skulpturengruppe „Schlafende Vagabunden“ des in Wedel (Kreis Pinneberg) geborenen Bildhauers Ernst Barlach hervor. Geschätzt wird es auf einen Wert von 900 Euro.

Jedoch dürfte auch der Name Schmidt bei den Geboten eine große Rolle spielen. „Unabhängig von der künstlerischen Ausstrahlung ist es etwas anderes, vor einem Werk zu stehen, das aus der Sammlung einer Persönlichkeit wie Helmut Schmidt stammt“, so Kerle. „Da ist eine besondere Aura, die man spüren kann.“

Altkanzler Schmidt war nicht nur für seine Kunstleidenschaft, sondern auch für seine lockeren Sprüche bekannt. Eine Auswahl:

Über seine Schulzeit

„Ich war als Schüler relativ faul. Was mich nicht interessiert hat, habe ich nur flüchtig gemacht. (...) Meine Frau und ich waren ja in derselben Klasse; wir hatten eine ähnliche Handschrift, und es ist vorgekommen, dass Loki meine Hausaufgaben in mein Heft geschrieben hat, zum Beispiel in Mathematik, da war sie besser.“ (In der Wochenzeitung „Die Zeit“, 2008) 

 

Über Loki

„Für mich war sie wirklich die unverzichtbare Stimme des Volkes. Ich bin immer noch so stolz auf sie.“ (Nach dem Tod seiner Frau Loki im Oktober 2010)

Über sich selbst

„Der liebe Gott hat mich als Arbeitstier geboren.“ (Im November 2010 in der „Bild“-Zeitung) 

 

Über das Arbeitspensum

„Willen braucht man. Und Zigaretten.“ (In der ARD auf die Frage von Sandra Maischberger, wie er sein Arbeitspensum schafft, 2007) 

 

Über des Tod Hanns Martin Schleyers

„Wohl aber ist mir sehr klar bewusst, dass ich - trotz aller redlichen Bemühungen - am Tode Hanns Martin Schleyers mitschuldig bin. Denn theoretisch hätten wir auf das Austauschangebot der RAF eingehen können.“ (Bei der Verleihung des Hanns-Martin-Schleyer-Preises an Schmidt im April 2013 in Stuttgart) 

 

Über erschütternde Erlebnisse

„Zum einen der Tod meiner Frau. Zum anderen - viele Jahrzehnte davor - mein Besuch in Auschwitz. Und drittens die monatelange Kette von mörderischen Ereignissen, die mit Hanns Martin Schleyers Namen verbunden bleibt.“ (Schmidt im April 2013 über seine erschütterndsten Erlebnisse) 

 

Über Visionen

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ (Im „Spiegel“ über Willy Brandts politische Wahlkampf-Visionen, 1980) 

 

Über Politiker und Journalisten

„Politiker und Journalisten, das sind beides Kategorien von Menschen, denen gegenüber größte Vorsicht geboten ist: Denn beide reichen vom Beinahe-Staatsmann zu Beinahe-Verbrechern. Und der Durchschnitt bleibt Durchschnitt.“ (In einer Rede vor Studenten in Freiburg, 1995) 

 

Über Arbeitslosigkeit

„Mir scheint, dass das deutsche Volk - zugespitzt - fünf Prozent Preisanstieg eher vertragen kann als fünf Prozent Arbeitslosigkeit.“ (In der „Süddeutschen Zeitung“, 1972) 

 

Über Deutschland in der Weltpolitik

„Sich vorzustellen, dass Deutschland in der Weltpolitik eine Rolle zu spielen habe, finde ich ziemlich abwegig.“ (Zum Streben nach einem Ständigen Sitz für Deutschland im UN- Sicherheitsrat, 2004) 

 

Über Politiker in Talkshows

„Die heutige politische Klasse in Deutschland ist gekennzeichnet durch ein Übermaß an Karrierestreben und Wichtigtuerei und durch ein Übermaß an Geilheit, in Talkshows aufzutreten.“ (In Berlin, 1994) 

 

Über Horst Köhler

„Der Köhler, wenn er Bundespräsident wird, hat allein mehr ökonomischen Verstand als die ganze deutsche politische Klasse zusammen.“ (In der „Zeit“ über Horst Köhler, 2004) 

 

Über die Große Koalition

„Das gegenwärtig zur Verfügung stehende Personal ist nicht sonderlich geeignet, gemeinsam zu regieren, weil beide Seiten nicht ausreichend wissen, was sie eigentlich wollen.“ (In der „Zeit“ zur Frage einer großen Koalition aus Union und SPD, 2005) 

 

Im SPD-Bundeswahlkampf

„Sie haben einem uralten Mann zugehört. Sie müssen ihn nicht unbedingt ernst nehmen.“ (Schmidt im September 2013 in Brandenburg bei seinem einzigen großen Auftritt im SPD-Bundestagswahlkampf) 

 

Über das Weitermachen

„Ich mache weiter, bis der liebe Gott sagt: Jetzt ist Schluss!“ (In einer Rede zu seinem 79. Geburtstag, 1997)

 

 
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