Pilotprojekt bis 2021 : Gegen Personalengpass in Hamburg: Soldaten werden Polizisten

Ehemalige Zeitsoldaten schulen um.
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Ehemalige Zeitsoldaten schulen um und werden Ordnungshüter.

Ehemalige Zeitsoldaten sollen bereits nach 18 Monaten auf Streife gehen können, da sie gute Vorkenntnisse haben.

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02. Januar 2018, 17:58 Uhr

Hamburg | Es soll ein Ausweg aus der Personalmisere bei Hamburgs Polizei sein: Erstmals in Deutschland haben ehemalige Zeitsoldaten der Bundeswehr bei den Ordnungshütern der Hansestadt eine verkürzte Ausbildung begonnen. Dauert es üblicherweise zweieinhalb Jahre bis zum Erreichen des Abschlusses, sollen die Ex-Soldaten wegen ihrer Vorkenntnisse bereits nach 18 Monaten (anstatt 30) am Ziel sein. „Sie haben spezielle Berufskenntnisse, besonders im Umgang mit Waffen und schwerem Gerät“, sagte der Leiter der Hamburger Polizeiakademie, Thomas Model, am Dienstag bei der Vorstellung der ersten elf Kurz-Azubis. „Und sie sind es gewohnt, im Team zu arbeiten und Probleme im Team zu bewältigen. Darauf kommt es im Polizeiberuf an.“

 

Schon jetzt ist absehbar, dass Hamburgs Polizei in den kommenden Jahren auf einen erheblichen Personalengpass zusteuert. „Wir werden in den nächsten fünf Jahren etwa 30 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ruhestand verabschieden“, erläuterte Andre Martens, Projektleiter der Polizei für die Einstellungsoffensive 300+. Zugleich hat der rot-grüne Senat angekündigt, die Zahl der Polizeimitarbeiter in den nächsten Jahren im Saldo nochmals um 300 zu erhöhen.

Da auch andere Bundesländer verstärkt nach Polizeianwärtern suchen, verfielen die Hanseaten auf die Idee, die Angel gezielt bei der Bundeswehr auszuwerfen. Mit Slogans wie „Heute für Deutschland, morgen für die Hamburger Polizei“ sprachen sie gezielt Zeitsoldaten an. 93 interessierte Bundeswehrangehörige reichten daraufhin Bewerbungen ein, so die gestrige Zwischenbilanz. Voraussetzung war eine mindestens fünfjährige Dienstzeit als Zeitsoldat. Anschließend war noch der übliche Einstellungstest der Hamburger Polizei zu bestehen.

Am Dienstag starten die ersten sieben Männer und vier Frauen in ihre Zweitkarriere. Der Ausbildungsleiter der Akademie, Polizeidirektor Markus Fiebiger, überreichte ihnen die Ernennungsurkunden zum Polizeimeisteranwärter. Unter den Jobwechslern sind eine Versorgungs-Sta­bs­un­ter­of­fi­zie­rin, eine OP-Krankenschwester mit Erfahrung bei Bundeswehr-Auslandseinsätzen sowie ein „Tornado“-Flugzeugmechaniker. Bestehen sie die Prüfung, werden sie in den Mittleren Dienst der Polizei übernommen und könnten schon ab Mitte 2019 auf Streife gehen. Ein weiterer Laufbahnaufstieg ist möglich.

Bei der neuen Ausbildungsklasse handelt es sich nach Angaben der Verantwortlichen um ein bundesweites Pilotprojekt, das zunächst bis 2021 laufen soll und dann ausgewertet wird.

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