Pferdesport in Hamburg : Galoppderby in der Krise: Wetteinnahmen fehlen

Auf 2400 Metern treten die Jockeys gegeneinander an, wie hier 2016.
Auf 2400 Metern treten die Jockeys gegeneinander an, wie hier 2016.

Am 8. Juli findet das 149. Deutsche Derby statt. Im vergangenen Jahr kamen zu wenig Zuschauer und Wettwillige.

shz.de von
04. Juli 2018, 16:02 Uhr

Hamburg | Es ist das größte und höchstdotierteste Galopprennen Deutschlands: das Deutsche Derby. Seit 148 Jahren findet es am ersten Juliwochenende statt. 14 Pferde gehen in diesem Jahr in Hamburg-Horn an den Start. Das schnellste von ihnen nimmt 650.000 Euro mit nach Hause.

Über 2400 Meter kämpfen die Pferde mit ihren Jockeys am Sonntag um das „Blaue Band“. Rund zweieinhalb Minuten brauchen sie im Schnitt für die Distanz. Teilnehmen dürfen nur Pferde, die in ihrem dritten Lebensjahr sind. Das Startgeld beträgt stolze 7500 Euro.

Das Turnier lohnt sich aber nicht nur für die Jockeys, Züchter und Trainer finanziell. Ebenso kommen Wettbegeisterte auf ihre Kosten. Tipps können in den Wettbüros an der Rennbahn und online abgegeben werden.

Die Bilanz für die Vereine und die deutsche Rennpferdebranche aus dem vergangenen Jahr war jedoch ernüchternd. Die Einnahmen waren 2017 stark zurückgegangen – seit 50 Jahren waren sie nicht so niedrig. Nur 12.500 Zuschauer waren zum Rennen um das Blaue Band, dem Höhepunkt der Veranstaltung gekommen. In den 1980er und 1990er Jahren waren 50.000 Zuschauer die Regel.

Wetteinnahmen kommen nicht bei deutsche Branche an

Jan Antony Vogel, der Geschäftsführer vom Direktorium für Vollblutzucht und Rennen zeigte sich bereits nach dem letzten Deutschen Derby besorgt. Wenn die Einnahmen nicht erhöht werden könnten, könnte es sein, dass einige der deutschen Rennstandorte geschlossen werden müssten. Die Wetteinnahmen, also die Haupteinnahmen des Galopprennsports, befinden sich im freien Fall. „Vor der Einführung der Online-Wetten haben wir am Totalisator gut 100 Millionen Euro im Jahr eingenommen“, sagte Vogel. Inzwischen seien es nur noch rund 26,5 Millionen. Noch immer gibt es viele Deutsche, die beim Pferderennen gerne ihren Tipp abgeben. Jedoch wird das vermehrt im Internet gemacht, nicht auf der Galopprennbahn.

Das Problem bleibt unverändert: Nur wenn der Wett-Anbieter seinen Hauptsitz in Deutschland hat, wird der Galopprennsport an den Einnahmen beteiligt. Das trifft jedoch auf die wenigsten Anbieter zu. Meist geht der Pferdesport leer aus.

In Ländern wie England, Frankreich, Japan oder China hingegen wird mit Pferderennen weiterhin gutes Geld verdient. Vogel erklärt: „Auch dort existiert Konkurrenz durch das Internet. Aber dort fließen mehr Einnahmen in den Pferdesport zurück. Außerdem finden viel mehr Veranstaltungen statt.“ In Deutschland ist der Galopprennsport vielfach auf reiche Gönner angewiesen.

(mit dpa)

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