Hamburg : G20-Krawalle: Kaum noch Hinweise nach Fotofahndung

Autonome randalieren während des G20-Gipfels im Hamburger Schanzenviertel. /Archiv
Autonome randalieren während des G20-Gipfels im Hamburger Schanzenviertel. /Archiv

Die Fahndungsaktion ist die größte dieser Art in der Geschichte der Hamburger Sicherheitskräfte.

shz.de von
30. Januar 2018, 21:20 Uhr

Hamburg | Sechs Wochen nach Beginn der Massenfotofahndung nach G20-Gewalttätern sind bei der Hamburger Polizei insgesamt 270 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Das hat der Leiter der Soko „Schwarzer Block“, Jan Hieber, am Dienstagabend im Innenausschuss der Bürgerschaft gesagt. Die Großzahl dieser Zeugenhinweise haben die Ermittler demnach unmittelbar nach Veröffentlichung der Bilder von 107 Verdächtigen kurz vor Weihnachten erreicht, so Hieber. „Seitdem sind die Eingänge stark rückläufig.“

Nach Angaben des Soko-Chefs konnten aufgrund der Öffentlichkeitsfahndung bisher 22 Tatverdächtige identifiziert werden, gegen die nun entsprechende Ermittlungen laufen. Die Personen sollen Polizisten angegriffen, Läden geplündert und Brände gelegt haben. Die Namen von weiteren 14 mutmaßlichen G20-Randalierern seien zudem interne Erkenntnisse der Polizei inzwischen bekannt. Innensenator Andy Grote (SPD) kündigte weitere ähnliche Fahndungsmaßnahmen mit Öffentlichkeitsbeteiligung an. „Dazu wird es sehr wahrscheinlich kommen.“ 

Der zuständige Oberstaatsanwalt Michael Elsner verteidigte die Massenfahndung. „Öffentlichkeitsfahndung mit Fotos von Tatverdächtigen ist völlig normal, nur die große Zahl in diesem Fall ist ungewöhnlich.“ Vertreter des autonomen Spektrums und aus der Linksfraktion in der Bürgerschaft hatten die Fotofahndung teils scharf kritisiert. Das Zeigen der Bilder sei stigmatisierend und menschenverachtend, so der Vorwurf. 

CDU-Ausschussmitglied Dennis Gladiator vermochte diese Sichtweise nicht im Ansatz nachzuvollziehen. „Die Täter stigmatisieren sich durch ihr asoziales Verhalten selbst.“ Ihn empöre nicht die Fahndung, sondern allein die Verbrechen der Gesuchten, betonte der CDU-Politiker. Elsner unterstrich, dass auch eine Öffentlichkeitsfahndung mit Fotos von Minderjährigen Verdächtigen grundsätzlich zulässig sei. „Es gelten dieselben gesetzlichen Voraussetzungen wie bei Erwachsenen.“ Die Soko „Schwarzer Block“ hatte unter anderem Fotos einer 17-jährigen mutmaßlichen Gewalttäterin gezeigt, die in Boulevard-Medien tagelang als „Krawall-Barbie“ präsent war. Zu den identifizierten möglichen Randalieren zählt auch ein 15-jährige Pole.

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