zur Navigation springen

Nach G20-Einsatz in Hamburg : „Wir können nicht mehr“: Dramatische Schilderungen von Polizisten aus SH

vom

Die Gewerkschaft der Polizei in Schleswig-Holstein erhält Berichte von Kollegen, die in Hamburg im Einsatz waren. Ihnen wird nun Sonderurlaub gewährt.

Kiel | Die am G20-Einsatz in Hamburg direkt und indirekt beteiligten Polizisten aus Schleswig-Holstein erhalten bis zu drei Tage Sonderurlaub. Dies verkündete Innenminister Hans-Joachim Grote am Montag nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Daniel Günther (beide CDU). Fast 1800 Beamte aus dem Norden hätten sich in Hamburg der Gewalt von Linksextremisten entgegengestellt und dadurch Schlimmeres verhindert, sagte Grote. „Ebenso wichtig war die Arbeit derer, die im Tages- und Nachtdienst die Abstellungen nach Hamburg aufgefangen und so die Sicherheit in Schleswig-Holstein weiterhin gewährleistet haben.“

Er spreche allen Beamten seine Anerkennung aus, sagte der Innenminister. „Ganz gleich, ob sie im Schanzenviertel, im Führungsstab oder auf den personell ausgedünnten Revieren ihren Dienst geleistet haben.“ Nun müssten in den kommenden Wochen und Monaten in einem geordneten Prozess die richtigen Schlüsse aus dem Einsatz gezogen werden.

Der Ministerpräsident und er wollten schnellstmöglich mit den am Einsatz Beteiligten ins Gespräch kommen, sagte Grote. „Dazu werden wir in der kommenden Woche in Eutin bei einer Grillwurst mit dann hoffentlich schon ausgeruhten Kolleginnen und Kollegen der Landespolizei zusammenkommen.“ Eutin beheimatet die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei.

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Schleswig-Holstein sind nach deren Angaben dramatische Schilderungen von Kollegen über den G20-Einsatz in Hamburg eingegangen. „Das ist das Schlimmste, was ich als Bereitschaftspolizist erlebt habe...wir wurden vor allem so alleine gelassen“ - so zitierte die GdP einen Beamten. „In der Schanze habe ich einen Böller abbekommen, der mich komplett ausgeknockt hat“, berichtete ein anderer. „Über mehrere Tage Ruhezeiten von maximal drei bis vier Stunden! Wir können nicht mehr“, äußerte ein weiterer Polizist. „Ich habe tatsächlich Angst...“, gestand ein anderer.

„Die Einsatzkräfte sind bis an ihre Grenzen gegangen, um das Treffen der Regierungschefs zu sichern, Versammlungen friedlicher Demonstranten zu gewährleisten und die brachiale Gewalt militanter Gruppen möglichst zeitnah zu unterbinden“, sagte der Geschäftsführende Landesvorsitzende der GdP, Torsten Jäger. Die Kollegen hätten angesichts der schockierenden Brutalität sogenannter Gipfel-Gegner oft Leib und Leben riskiert.

Jäger forderte eine intensive Aufarbeitung des Polizeieinsatzes: „Waren die eklatanten Verstöße gegen alle Arbeitszeit- und Schutzvorschriften vermeidbar?“, fragte er zum Beispiel.

Ministerpräsident Günther, Minister Grote und Innenstaatssekretär Geerdts hatten sich während des Gipfeleinsatzes in Hamburg intensiv über die Situation der Kräfte aus Schleswig-Holstein informieren lassen, hieß es weiter aus dem Innenministerium. Nach dem jüngsten Stand wurden aus dem Norden elf Polizisten aus Schleswig-Holstein verletzt. „Staatssekretär Geerdts hat auf meine Bitte mit den betroffenen Kollegen telefoniert, sich nach ihrem Befinden erkundigt und ihnen für ihren Einsatz gedankt“, sagte Minister Grote.

Nach wie vor sei er fassungslos über deutlich gewordene extreme Gewaltbereitschaft. „Diese Extremisten haben am vergangenen Wochenende all das angegriffen, was unseren demokratischen Rechtsstaat ausmacht“, sagte Grote. „Grundrechte wie die Unverletzlichkeit von Leib und Leben, das Recht auf privates Eigentum, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit nehmen diese Gewalttäter nur für sich selbst in Anspruch.“ Extremismus - egal welcher Form - müsse konsequent bekämpft werden. Präventionsprogramme auch gegen Linksextremismus seien auszubauen. „Diese Vereinbarung des Koalitionsvertrages werden wir umsetzen“, sagte der Minister. Dazu gehöre auch ein weiterer Ausbau des Verfassungsschutzes in den kommenden Jahren.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Jul.2017 | 14:16 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen