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Sperrungen zum G20-Gipfel : Wie Hamburgs Autofahrer den Verkehrskollaps überstehen

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Wenn für die Delegationen der Polit-Prominenz die Straßen gesperrt werden, haben die Hamburger ihre eigenen Lösungsansätze: „Tanz heim!“

Hamburg | Nichts geht mehr. Seit fünf Stunden steht Autofahrerin Birgit Schweder in Hamburg-Winterhude im Stau. „Kein Mensch weiß, wann es weitergeht“, sagt die 53-Jährige am Donnerstagabend. Wie ihr ergeht es an diesem warmen Tag vielen Menschen in der Hansestadt. Die ersten Delegationen zum G20-Treffen sind eingetroffen, die Polizei sperrt Straßen. „Der Verkehr kommt in weiten Teilen des Stadtgebiets vorübergehend zum Erliegen“, sagt ein Polizeisprecher. Der ADAC hatte schon im Vorfeld gewarnt, in Hamburg drohe ein Verkehrskollaps.

Weil es keinen Meter vorangeht, haben einige Wartende auf der Barmbecker Straße eine Picknickdecke ausgebreitet. Andere stellen Stühle an den Straßenrand. Eine Frau verteilt spontan Gummibärchen an ihre Leidensgenossen in den Wagen hinter ihr. Ein Stück weiter im Stadtteil Eppendorf trägt Anwohnerin Tina Hübner zwei Kannen über die Straße und bietet den Autofahrern Wasser an. „Die Leute tun mir einfach leid“, sagt die 40-Jährige. Deshalb habe sie sich spontan entschlossen, ihnen zu helfen. „Die stehen hier seit Stunden und kommen kaum voran.“

 

Viele Schaulustige haben sich am Straßenrand positioniert und beobachten das Verkehrschaos. „Eine komplette Stadt lahmzulegen für einen Gipfel, bei dem eh nichts rumkommt“, sagt kopfschüttelnd der 44-jährige Michael, der es sich auf einem Stuhl vor seiner Haustür gemütlich gemacht hat. Zu seinen Füßen hat er ein Schild aufgestellt: „Scheiss G20! Danke Olaf!“ ist darauf in Anspielung auf Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zu lesen. Die Hansestadt richtet den G20-Gipfel aus, zu dem am Freitag und Samstag die Staats- und Regierungschefs der großen Wirtschaftsmächte in den Messehallen erwartet werden.

Aus einem Wohnhaus hallt laute Musik aus den geöffneten Fenstern hinunter zu den Autofahrern, die auf eine harte Geduldsprobe gestellt werden. Die Bewohner hängen Plakate auf: „Gegen schlechte Laune“ ist darauf zu lesen - und ein mit Herzchen versehener Aufruf zu einer anderen Art der Fortbewegung: „Tanz heim!“

Alle Artikel rund um den G20-Gipfel gibt es auf unserer Übersichtsseite shz.de/g20.

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erstellt am 07.Jul.2017 | 07:37 Uhr

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