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Gipfel in Hamburg : Von Donald Trump bis Joko Widodo: Wer ist die G20?

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Zwei haben abgesagt, nur einer schickt einen Stellvertreter. Wer sind die Staatsoberhäupter, die die Hansestadt am Wochenende zur Sperrzone machen?

Hamburg | Alle Informationen und Berichte zum G20-Gipfel in Hamburg finden Sie gesammelt auf shz.de/g20.

Zur „Gruppe der 20“ (G20) der wichtigsten Wirtschaftsmächte gehören 19 Länder, aber 21 Personen - weil die Europäische Union als 20. Mitglied zu zweit vertreten ist. Zwei der 21 haben inzwischen allerdings abgesagt – Brasiliens Präsidenten Michel Temer (76) droht die Amtsenthebung - er reist daher nicht nach Hamburg. Ob er einen Vertreter schickt, war zunächst unklar. Auch Saudi-Arabiens Präsident Salman wird nicht nach Hamburg reisen, ihn vertritt Finanzminister Mohammed al-Dschadan. Damit sitzen beim G20-Gipfel in Hamburg nun doch mal genau 20 Chefs am Tisch. Ein Überblick:

Deutschland

Ehe für alle: Bundeskanzlerin Angela Merkel wünscht sich eine offene Diskussion.
Foto:Michael Kappeler

Kanzlerin Angela Merkel (62) richtet ihren ersten G20-Gipfel im eigenen Land innen- wie außenpolitisch in starker Verfassung aus.

Sie hat gute Chancen auf eine vierte Kanzlerschaft im Herbst und wird wegen der schwierigen Entwicklung in den USA inzwischen als „Führerin der freien Welt“ betitelt - gegen ihren Willen.

USA

Foto:Evan Vucci

 

Präsident Donald Trump (71) steckt zu Hause in einem Sumpf aus Problemen, von einer noch fehlenden Steuerreform bis zur Russland-Affäre.

In Hamburg wird er wegen seiner nationalistischen Handels- und Wirtschaftspolitik sowie der kontroversen US-Klimapolitik für Gesprächsstoff, vielleicht auch Streit sorgen.

Russland
Foto:Pavel Golovkin/AP POOL/dpa

 

Für Kremlchef Wladimir Putin (64) ist die erste Begegnung mit US-Präsident Trump das wichtigste Gipfel-Ereignis. Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht.

Bei den Krisenherden Syrien, Ukraine und Nordkorea hat Putin, dienstältester Staatenlenker der G20, ein wichtiges Wort mitzureden.

China
Foto:dpa

 

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping (64) bündelt mehr Macht als seine Vorgänger in seinen Händen und sucht eine größere Rolle für China auf der Weltbühne.

Der Isolationismus der USA unter Trump hilft ihm, sich als Vorreiter im Freihandel und Klimaschutz zu präsentieren, obwohl die Realität in China ganz anders aussieht.

Türkei
Foto:Burhan Ozbilici

 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (63) ist seit seinem Sieg beim Verfassungsreferendum mächtig wie nie. Die Opposition wirft ihm vor, eine Diktatur zu errichten. Sein erster Deutschland-Besuch seit zwei Jahren ist wegen der Krise in den deutsch-türkischen Beziehungen heikel.

Einen Auftritt vor Anhängern hat die Bundesregierung ihm verboten. Möglich, dass er deswegen noch absagt.

Saudi-Arabien
Saudi-Arabiens König Salman wird nicht zum G20-Gipfel kommen. Er schickt einen Stellvertreter.
Foto:Kay Nietfeld

 

An der Spitze des schwerreichen Saudi-Arabien steht der zunehmend greise König Salman (81), dessen Sohn Mohammed bin Salman (31) in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum starken Mann wurde. Salman sagte seine Teilnahme am Montag ab, stattdessen wird Finanzminister Mohammed al-Dschadan nach Hamburg kommen.

Als Grund wurden aktuelle Entwicklungen in der Katar-Krise genannt. Die Saudis haben in fast allen Konflikten im Pulverfass Nahost ihre Finger - bei der jüngsten Isolation des Emirats Katar gelten sie als Initiator.

Japan
Foto:Kimimasa Mayama

 

Unter Ministerpräsident Shinzo Abe (62) ist Asiens älteste Demokratie autoritärer geworden. Der Rechtskonservative sorgte nach Jahren wechselnder Regierungen für Stabilität. Doch nun machen Skandale Schlagzeilen. Abes Umfragewerte sind deutlich gesunken.

Eine Einigung mit der EU über ein Freihandelsabkommen am Rande des G20-Gipfels würde für willkommene Ablenkung sorgen.

Europäische Union
Kommissionschef Jean-Claude Juncker (l.) und Ratspräsident Donald Tusk.

Kommissionschef Jean-Claude Juncker (l.) und Ratspräsident Donald Tusk.

Foto:dpa

 

Die EU wird in Hamburg von Ratspräsident Donald Tusk (60) und Kommissionschef Jean-Claude Juncker (62) vertreten. Die beiden Politiker wollen die Staatengemeinschaft als Vorkämpferin für freien Welthandel positionieren.

Bereits im Vorfeld gab es aber auch Drohungen. Wenn Handelspartner ihre Märkte abschotten, sollen sie künftig verstärkt mit Gegenmaßnahmen der EU rechnen müssen.

Frankreich

 

Foto:dpa

 

Noch vor einem halben Jahr galt Präsident Emmanuel Macron (39) als chancenloser Außenseiter, nun ist er jüngstes französisches Staatsoberhaupt aller Zeiten mit weitreichenden Kompetenzen.

In Europa arbeitet er Hand in Hand mit Kanzlerin Merkel, auf internationaler Ebene will er das bürgerkriegserschütterte Syrien befrieden.

Großbritannien

 

Foto:dpa

 

Premierministerin Theresa May (60) kommt nach ihrem Wahldesaster geschwächt zum G20-Gipfel. Trotz erfolgreicher Gespräche mit der nordirischen DUP steht ihre Minderheitsregierung auf wackeligen Beinen.

In den Brexit-Verhandlungen über einen EU-Austritt hat sie in vielen Punkten gegensätzliche Interessen zu den Noch-Partnern.

Italien

Foto:dpa

 

Ministerpräsident Paolo Gentiloni (62) ist erst seit Dezember im Amt. Als derzeitigem Vorsitzenden der G7-Gruppe steht das Thema Migration und somit die Kooperation mit afrikanischen Staaten ganz oben auf seiner Agenda, weil Italien besonders betroffen ist.

Sein Manko: Er wurde nicht vom Volk gewählt und gilt als Übergangs-Premier.

Kanada

 

Foto:dpa

 

Der liberale Premierminister Justin Trudeau (45) gilt als „Kennedy Kanadas“ und Darling der Diplomatie, auch wenn die Euphorie um ihn im Heimatland etwas nachgelassen hat.

Trudeau will Kanada eine stärkere und aktivere Rolle auf der internationalen Politikbühne geben.

Südkorea

  Foto:Kyodo/dpa

 

Präsident Moon Jae In (64) gibt sein Gipfeldebüt. Nach Turbulenzen wegen eines Korruptionsskandals um seine konservative Vorgängerin Park Geun Hye trauen die Südkoreaner dem Linksliberalen zu, das Land in ruhigere Fahrwasser zu steuern und die Wirtschaft anzukurbeln.

Die größte Herausforderung bleibt der Streit um Nordkoreas Atomprogramm.

Argentinien

 

Foto:dpa

 

Wegen Sparprogrammen und hoher Inflation daheim unter Druck, ist Präsident Mauricio Macri (58) international als Verfechter offener Märkte umgarnt. Investoren geben sich die Klinke in die Hand.

Die Agrarmacht will rasch ein Freihandelsabkommen zwischen dem südamerikanischen Mercosur-Bund und der EU abschließen.

Mexiko
Foto:dpa

 

Angesichts der Konflikte mit dem wichtigen Partner USA seit der Wahl von Donald Trump sucht Mexikos Staatschef Enrique Pena Nieto (50) weltweit nach neuen Verbündeten. Beim Besuch von Angela Merkel sagte der daheim äußerst unbeliebte Präsident der Bundeskanzlerin bereits Unterstützung bei den G20-Themen Klimaschutz und Freihandel zu.

Südafrika

Foto:Jacob Zuma

 

Präsident Jacob Zuma (75) ist im Herbst seiner Regierungszeit angekommen. Wegen Korruptionsskandalen gilt der Staatschef als angezählt. Zudem schwächelt die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit ist zuletzt auf Rekordhöhe von knapp 28 Prozent gestiegen. Schöne G20-Bilder kommen Zuma daher sicher gelegen.

Australien

Foto:dpa

 

Premierminister Malcolm Turnbull (62) kommt mit einem Weltrekord nach Hamburg: Australiens Wirtschaft wächst und wächst und wächst - seit bald 26 Jahren ist sein Land inzwischen ohne Rezession.

Allerdings wird auch die Abhängigkeit von China immer größer. Zunehmend bereitet auch der Klimawandel Probleme.

Indien

Foto:dpa

 

Ministerpräsident Narendra Modi (66) reist mit viel Selbstbewusstsein an. Der 1,3-Milliarden-Einwohner-Staat wird China bald als bevölkerungsreichste Nation ablösen. Wirtschaftswachstum: 7,1 Prozent - mehr hat bei den G20 keiner.

Aber: Die Reformen gehen nicht voran wie erhofft. Der „Economist“ veralberte Indien als zahnlosen Tiger.

Indonesien

Foto:dpa

 

Präsident Joko Widodo (56) gehört zu den unbekannteren Gesichtern. Aber „Jokowi“ - so sein Spitzname - vertritt ein Land, das immer wichtiger wird: 255 Millionen Einwohner, bevölkerungsreichster muslimischer Staat, eine der größten Demokratien. Wirtschaftswachstum: 5 Prozent.

Sorge bereitet, dass der radikale Islam an Boden gewinnt.

 
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erstellt am 03.Jul.2017 | 14:15 Uhr

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