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Stellungnahme nach G20-Gipfel : Sicht der Geschäftsleute: Partyvolk oder Schwarzer Block - wer hat die Schanze verwüstet?

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Ein Gipfel, viele Wahrheiten. Wer ist Schuld an der Eskalation auf der Schanze? Der Schwarze Block oder betrunkene Halbstarke? Polizei oder Politik? Hamburger Geschäftsleute schildern ihre Sicht in einer Stellungnahme.

shz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 12:24 Uhr

Hamburg | Die Vertreter der G20 haben längst ihre tägliche Arbeit wieder aufgenommen, manch einer zerbricht sich dieser Tage wohl den Kopf über sein ganz eigenes Polit-Chaos. Doch die Spuren, die das Gipfelwochenende in Hamburg hinterlassen hat, sind noch allgegenwärtig. Eifrig wird in den geplünderten Geschäften aufgeräumt und renoviert, Hamburgs Glaser sind vielbeschäftigt.  

Und die Geschäftsleute der besonders hart getroffenen Schanze beschäftigt noch etwas anderes: Die Frage, wer für die massiven Ausschreitungen in ihrem Viertel verantwortlich ist. War es der viel beschriene Schwarze Block? Waren es betrunkene Partytouristen im Gewaltdelirium? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. In einer gemeinsamen Stellungnahme beklagen 13 von ihnen, dass in der öffentlichen Debatte die Schuld an der falschen Front gesucht wird und schildern ihre Sicht der Dinge.

„Uns fällt es in Anbetracht der Wahllosigkeit der Zerstörung schwer, darin die Artikulation einer politischen Überzeugung zu erkennen“, sagen die Inhaber der kleinen Läden und bezweifeln, dass die G20-Krawalle allein von linksradikalen Aktivisten ausgegangen seien. Ein viel größerer Teil der Zerstörungen sei ihren Beobachtungen zufolge auf Partyvolk, Jugendliche und Schaulustige zurückzuführen, die man eher „auf dem Schlagermove, beim Fußballspiel oder Bushido-Konzert“ vermute, als auf einer Demonstration. Enthemmte Menschen, die einander für ihre Straftaten anfeuerten und euphorisiert Handyvideos drehten.

Bei den Krawallen von einem linken Protest gegen den G20-Gipfel zu sprechen, halten die Verfasser der Zeilen, die auch auf Facebook geteilt wurden, für falsch: „Es war eher die Mischung aus Wut auf die Polizei, Enthemmung durch Alkohol, der Frust über die eigene Existenz und die Gier nach Spektakel – durch alle anwesenden Personengruppen hindurch –, die sich hier Bahn brach.“ Einige schwarz gekleidete Vermummte seien demnach sogar gemeinsam mit Anwohnern eingeschritten, wo Scheiben kleiner Geschäfte eingeworfen werden sollten oder Brände gelegt wurden.

 

Auf der anderen Seite der Medaille sehen die Geschäftsleute die Polizei, deren Wasserwerfereinsatz als unverhältnismäßig beschrieben wird, die teilweise scheinbar grundlos auch körperlich gegen Demonstranten vorgegangen seien.

Doch trotz der schlimmen Bilder, die aus Hamburg um die Welt gingen, fordern die Geschäftstreibenden im Nachgang des eskalierten Gipfels zur Besonnenheit auf. „Anstatt weiter an der Hysterieschraube zu drehen, sollte jetzt Besonnenheit und Reflexion Einzug in die Diskussion halten.“

Die Verantwortung für das Chaos in Hamburg sehen die Geschäftsleute am ehesten in einer „verfehlten Politik“ des rot-grünen Senats, der sich für ein wenig „Biltzlichtgewitter der internationalen Presse“ hinter der Polizei weggeduckt habe, der die Probleme, die ein Gipfel dieser Größenordnung in einer Millionenstadt verursacht, allein mit „polizeitaktischen und repressiven Mitteln“ habe beantworten wollen.

Abschließend solidarisieren sich die Verfasser mit dem linksautonomen Kulturzentrum „Rote Flora“ im Herzen der Schanze, das sich seit den Ausschreitungen vom Wochenende massiver Kritik durch führende Politiker der Stadt gegenüber sieht. Man habe jahrelang „in friedlicher, oft auch in freundschaftlich-solidarischer Nachbarschaft mit allen Formen des Protests“ gelebt. Daran werde auch das G20-Wochenende nichts ändern.

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