Coldplay, Shakira und Co : Popstars auf Mission Weltrettung: Konzert am Vorabend des G20-Gipfels in HH

Staraufgebot: Coldplay (oben, v. l.), Shakira, Herbert Grönemeyer (Mitte), Ellie Goulding (unten, v. l.), Demi Levato, Florian David Fitz, Elyas M’Barek, Pharrell Williams, Andreas Bourani.

Staraufgebot: Coldplay (oben, v. l.), Shakira, Herbert Grönemeyer (Mitte), Ellie Goulding (unten, v. l.), Demi Levato, Florian David Fitz, Elyas M’Barek, Pharrell Williams, Andreas Bourani.

Zahlreiche Musikstars spielen in Hamburg ohne Gage. Gratis-Tickets gibt es für engagierte Unterstützer. Headliner am 6. Juli sind Coldplay, Shakira und Herbert Grönemeyer.

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26. Juni 2017, 10:00 Uhr

Hamburg | Die hohe Politik trifft sich in Hamburg zum G20 – die Elite der internationalen Popmusik hält mit einem G12.000 dagegen. So viele Fans wollen am 6. Juli ab 18 Uhr, dem Vorabend des G20-Gipfels, in der Barclaycard Arena zur Musik einer imposanten Riege von Superstars feiern und dabei auf ihre Weise Politik für eine bessere Welt machen.

Das erste Global Citizen Festival auf deutschem Boden ist ein Ereignis, wie es Hamburg in der Fülle der Top-Künstler noch nicht gesehen hat; das Lineup reicht von Coldplay über Shakira bis Herbert Grönemeyer. Doch die Global-Citizen-Organisation des Australiers Hugh Evans will mehr. Die Konzerte setzen auf das Verbindende globaler Musik, um vor allem junge Menschen für den Kampf gegen globale Probleme zu mobilisieren und die Herrschenden wach zu rütteln.

Sein Ziel für Hamburg beschreibt Macher Evans so: „Dadurch, dass wir das Global Citizen Festival zum allerersten Mal nach Deutschland bringen, wollen wir die G20-Teilnehmer auffordern, sich zu verpflichten, eine dauerhafte Verbesserung in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Entwicklungshilfe und der globalen Flüchtlingskrise voranzutreiben.“ Global Citizen dürfe sich angesichts der vielen großen Herausforderungen „nicht geschlagen geben“, sagt der 34-Jährige, der ein begnadeter Motivator sein muss.

Seit 2012 gewinnt er immer wieder Topacts der Branche für Auftritte bei seinen Festivals, die durchweg auf eine Gage verzichten. Rihanna, Stevie Wonder, Sting, Beyoncé, Cat Stevens – unter solchen Kalibern macht es Evans nicht.

Einer seiner überzeugtesten Mitstreiter ist dabei Chris Martin, Leadsänger von der Band Coldplay und inzwischen Schirmherr der Veranstaltung. „Lasst uns die Zukunft unseres Planeten besser und hoffnungsvoller machen“, rief er den Fans beim Festival 2015 im New Yorker Central Park zu.

Hamburg ist die vierte Station der Konzertreihe nach der US-Ostküsten-Metropole, Montreal und Mumbai. Schauplatz und Datum sind selbstverständlich nicht zufällig gewählt. Unmittelbar vor dem Zusammentreffen der mächtigsten Staatsmänner und -frauen an der Elbe will Global Citizen (Weltbürger) seine Botschaft von weltweiter Solidarität, Hilfe für die Ärmsten und Eintreten für Umweltschutz platzieren.

Manch einer der Adressaten dürfte in der Barclaycard Arena die Forderungen persönlich vernehmen. „Ja, es werden G20-Politiker in der Halle sein, einige sogar den ganzen Abend“, heißt es von den Organisatoren in Hamburg. Namen? Die gibt es aus Sicherheitsgründen noch nicht. Dass US-Präsident Donal Trump zu den Zuhörern gehören wird, gilt freilich als ausgeschlossen. Und auch eine wohlmeinende Videobotschaft für Künstler und Besucher – wie 2015 von seinem Vorgänger Barack Obama – ist von ihm kaum zu erwarten. Durchaus denkbar ist dagegen, dass Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz kurz vorbeischaut.

Wer immer dabei ist, er bekommt außer Coldplay noch andere Hit-Garanten zu hören. Die britischen Überflieger, die den Hauptteil des Abends eröffnen werden, werden in ihrem Set von der Kolumbianerin und mehrfachen Grammy-Gewinnerin Shakira („Waka Waka“) begleitet. Sie appelliert vorab an die versammelten Staats- und Regierungschefs, endlich Maßnahmen zu ergreifen, um extreme Armut bis 2030 zu beenden. Und der Superstar verbreitet Zuversicht: „Ich glaube, dass wir – als Global Citizens – die erste Generation sein können, die sicherstellt, dass Kinder überall Zugang zu qualitativer Bildung, Gesundheit und richtiger Ernährung haben, um so aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen.“

Optimismus und der Glaube an die gute Sache verbindet alle Akteure auf der Hamburger Bühne. Dazu zählt die britische Sängerin und Songwriterin Ellie Goulding („Love Me like You Do“) ebenso wie der US-Amerikaner Pharrell Williams („Happy“). Auch die deutsche Szene ist prominent vertreten. Allen voran mit Herbert Grönemeyer, der einen Anfang im Kampf für mehr Gerechtigkeit gemacht sieht. „Entgegen allen Unkenrufen sind es Jahr für Jahr immer mehr Menschen, die sich als Bürger einer gemeinsamen Welt verstehen, für Veränderungen einsetzen und stark machen. Es macht Spaß, etwas zu tun!“ Liedermacher Andreas Bourani („Astronaut“) ist dem deutschen Publikum ebenso vertraut wie das Team von Co-Moderatoren, darunter Elyas M'Barek und Florian David Fitz. Weitere Überraschungsgäste sind angekündigt.

Das Konzert ist indes nicht allein wegen seiner Besetzung bemerkenswert. Denn die allermeisten Tickets waren nicht zu kaufen. Wer die Stars erleben will, musste etwas dafür tun. Global Citizen forderte Interessierte auf, sich mit E-Mails, Tweets und Anrufen an Politiker und andere Entscheider zu wenden und machte dazu konkrete Vorschläge. Der Weg zu Tickets für Hamburg führte beispielsweise über eine Twitter-Nachricht an die Kanzlerin. Inhalt: „Bundeskanzlerin #Merkel: Setzen Sie sich für legale&sichere Zugangswege ein, um 28 Millionen Kinder auf der Flucht zu schützen.“ Wer genügend solcher und anderer Anfragen verschickt hat, kam in die Verlosung.

Zehn Millionen solcher Aktionen zählt Global Citizen seit der Gründung 2011, die das Leben von einer Milliarde Menschen verändert hätten, sagt Evans. Bis jetzt seien auf diese Weise 30 Milliarden US-Dollar an finanziellen Zusagen gesichert worden. Hugh Evans' Lieblingsbeispiel ist das des schwedischen Premierministers Stefan Löfven. 100.000 Global-Citizens-Aufrufe hätten ihn nicht mehr ruhig schlafen lassen. Auf der Bühne von New York versprach Löfven 2015 sodann, in den nächsten 15 Jahren 60 Millionen Menschen auf der Welt den Zugang zu Sanitäranlagen zu ermöglichen.

Kultur gegen den Gipfel: „Empört euch!“

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Neben der größten Kulturveranstaltung gegen den G20-Gipfel, dem „Global Citizen Festival“, setzen sich auch andere Künstler für eine gerechtere und nachhaltigere Politik ein. Eine kleine Auswahl: Mit den Mitteln der Satire wollen acht Kabarettisten „die Mächtigen dieser Welt in den Schwitzkasten nehmen“. Einen Tag bevor sich die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten in Hamburg treffen, steigt in Alma Hoppes Lustspielhaus der G20-Kabarettgipfel.

Mit dabei sind: Hans Scheibner, das Kabarett Alma Hoppe, Saskia Brzyszczyk, Frank Grischek, Viktor Hacker, Sebastian Richartz, Alpar Fendo und Sebastian Schnoy, der den Abend moderiert. Alle verzichten auf  Gage, der Erlös aus dem Kartenverkauf geht an  Amnesty International. Die Kabarettisten  fordern die Staatschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer auf: „Macht endlich euren verdammten Job“ und  „Lernt endlich, wie man vernünftig eine Hand schüttelt“.

Kabarettgipfel in Alma Hoppes Lustspielhaus, Ludolfstraße 53, Donnerstag, 6. Juli, 20 Uhr. Tickets unter Tel. 040-55565556 oder www.almahoppe.de
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Eine klare Botschaft für Donald Trump und Co. wollen Künstler wie Konstantin Wecker und Mathieu Carrière kurz vor dem G20-Gipfel in Hamburg senden. Bei einer Sonderausgabe des Literaturfestivals „Lesen ohne Atomstrom − Die erneuerbaren Lesetage“ lesen sie am Mittwoch, 5. Juli, aus den Werken „Empört Euch!“ und „Engagiert Euch!“ von Stéphane Hessel − einem der Autoren der UN-Menschenrechtserklärung. Der Franzose Hessel, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, hatte die G20 als „zwischenstaatliche Veranstaltung ohne Legitimation“ bezeichnet.

 Ihr Kommen zugesagt haben auch Auma Obama, Vandana Shiva, Renan Demirkan, Urban Priol, Günter Wallraff, Thomas Thieme, Ewald Lienen, Jean Ziegler, Samy Deluxe, die „Beginner“ und auch Haidi Giuliani, Autorin und Parlamentsabgeordnete aus Italien. Ihr Sohn Carlo war im Juli 2001 in Genua bei den blutigen Protesten gegen den G8-Gipfel von einem Polizisten erschossen worden.

Die bereits ausverkaufte Lesung ab 19.30 Uhr in der Laeiszhalle wird als Public Viewing in die „Fabrique“, Valentinskamp 28, übertragen und ist auch als Live-Stream auf lesen-ohne-atomstrom.de zu sehen.

Kommentar: Wir werden in Grund und Boden gelacht – hoffentlich

von Markus Lorenz

Am Ende der Politik hilft uns vielleicht nur noch die Kultur weiter. Selbst wenn die zerstrittenen Staatenlenker die Welt beim Hamburger G20-Gipfel – sehr wahrscheinlich – nicht friedlicher und gerechter machen werden: Der Frust wird nicht das letzte Wort haben. Hamburg erlebt rund um das Klassentreffen der Mächtigen eine mutmachende Fülle kritischer und doch konstruktiver Begleitveranstaltungen. Dahinter stehen zumeist Menschen, denen es nicht reicht, Finger in Wunden zu legen. Sie bieten Vorschläge zur Heilung. Kulturelle Inhalte spielen dabei eine wichtige Rolle. Wo sich staatliche und religiöse Führer hoffnungslos festgefahren haben, kann die Sprache von Musik, Tanz, Schauspiel und Literatur verschlossene Türen aufstoßen. Dass es auf dem Weg in  eine bessere Zukunft fröhlich zugehen darf, zeigt das Global Citizen Festival. Party und Politik – das passt, wenn Megastars ohne Gage aufspielen und das Publikum gratis mitfeiert. Herbert Grönemeyer, einer der Protagonisten in der Barclaycard Arena, packt hoffentlich seinen 80er-Jahre-Song „Kinder an die Macht“ aus, in dem er einen wunderbar-naiven Vorschlag für ein Ende schlechter Politik macht: „Die Welt gehört in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende, wir werden in Grund und Boden gelacht.“ Es wär so schön.

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