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Krawalle bei G20 erwartet : Polizist: „Bin nicht heiß darauf, im Mittelpunkt von Steinewerfern zu stehen“

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Eigentlich spürt Michael Franke im Kreis Segeberg Verkehrssünder auf. Anfang Juli schlüpft er in schwere Ausrüstung, um den Gipfel der Regierungschefs zu schützen.

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2017 | 15:42 Uhr

Bad Segeberg | Sonst jagt er Verkehrssünder auf den Straßen des Kreises Segeberg, Anfang Juli schützt Michael Franke in Hamburg den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs. „Ich finde es gut, wenn sich die Staatschefs persönlich treffen“, sagt der Polizist aus Schleswig-Holstein. „Das ist halt etwas anderes als twittern.“ Anfang Juli tauscht der 32-Jährige seine Dienstuniform ein gegen eine Sicherheitsmontur, um während des G20-Gipfels in der Hansestadt für Ordnung zu sorgen.

„Im Endeffekt fahre ich zum Schutz hin“, sagt der gebürtige Leipziger. Als ehemaliger Beamter einer Einsatz-Hundertschaft in Bayern hat er bereits Erfahrung mit schwierigen Einsätzen - vom Fußballspielen über Castor-Einsätze bis zum Treffen der Außenminister der führenden Industrienationen. „Ich stand auch schon im Steinhagel.“ Mit den örtlichen Begebenheiten des Gipfeltreffens in Hamburg vom 7. bis 8. Juli kennt er sich auch gut aus. Zuletzt war er Anfang Dezember während des Ministertreffens der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) dort im Einsatz.

Vor sieben Jahren zog es Franke der Liebe wegen nach Schleswig-Holstein. Seit drei Jahren arbeitet er im Polizei Autobahn- und Bezirksrevier Bad Segeberg. Meist ist er dort zwischen Norderstedt und Trappenkamp oder auf den Autobahnen 20 und 21 unterwegs im zivilen Videowagen. „Das mache ich am liebsten, weil es einen Sinn hat“, sagt er über seine Arbeit. Franke stellt Drängler und Raser zur Rede.

„Ich sitze nicht so gerne am Computer“, sagt Franke. Der offen und sympathisch wirkende Blonde ist stattdessen lieber unter Menschen, „sieht was los ist“. Als Kind wollte er zunächst Straßenbahnfahrer werden, später reifte dann aber der Wunsch nach einer Polizeilaufbahn. „Ich habe es noch nicht bereut.“ Franke ist verheiratet, hat einen zweijährigen Sohn und „sieht dadurch mittlerweile alles mit anderen Augen“.

Natürlich mache seine Frau sich wegen des bevorstehenden Einsatzes beim Gipfel Sorgen, sagt der Schutzmann. „Der morgendliche und der abendliche Anruf sind dann Pflicht. Zumindest aber muss es eine SMS geben.“ Er stellt sich auf Zwölf-Stunden-Schichten rund um die Messehallen ein. Ein halbes Dutzend Kollegen aus seinem Revier begleiten ihn nach Hamburg. „Locker zehn, 15 Kilo“ wiege ihre Schutzausrüstung von den Beinschonern über die stichfesten Einlagen bis hin zum Schutzhelm.

Michael Franke in seiner normalen Uniform und in der Einsatzkleidung mit Helm und Schlagstock.
Michael Franke in seiner normalen Uniform und in der Einsatzkleidung mit Helm und Schlagstock. Foto: Carsten Rehder/dpa
 

„Das ist schon eine körperliche Belastung - zumal im Sommer.“ Sie wird beim G20-Gipfel voraussichtlich aber bitter nötig sein. „Denn keiner möchte Opfer von Gewalt werden“, sagt Franke. „Ich bin nicht heiß darauf, im Mittelpunkt von Steinewerfern und Brandsatzschmeißern zu stehen.“ Er hat aber Verständnis für den angekündigten Protest. Die Demonstrationsfreiheit sei ein wichtiges Grundrecht. „Die Leute müssen in Hamburg protestieren können.“ Traurig sei aber, dass einige dieses Grundrecht missbrauchten.

Angst vor dem Einsatz hat der 32-Jährige nach eigenen Worten nicht. „Mit Respekt fahre ich aber in jedem Fall in die Hansestadt.“ Dort werde er sich an einen Ratschlag seiner Mutter halten: „Sie sagt immer zu mir, sei kein Held“. Keinesfalls wolle er als Einzelkämpfer losrennen.

Der Polizist aus Schleswig-Holstein hofft, dass es in Hamburg aber nicht nur Krawalle geben wird, sondern auch inhaltliche Ergebnisse des Treffens der Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer. Ihm ist vor allen Dingen der Umweltschutz ein wichtiges Anliegen. „Herr Trump sollte sich den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzankommen noch einmal überlegen.“ Die Politiker sollten sich bei dem Treffen in den Messehallen um Lösungen bemühen, „die die Welt voranbringen“.

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