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Hamburg : Polizist aus SH bei G20: Erdogan-Eskorte statt Temposünder-Jagd

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Michael Franke aus dem Kreis Segeberg kam beim G20-Einsatz kaum zum Schlafen. Danach ging es direkt in die Hängematte.

shz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 15:13 Uhr

Bad Segeberg | Als viele Hamburger während des G20-Gipfels im Stau standen, hatte Michael Franke meist freie Fahrt. Der Polizist aus Schleswig-Holstein eilte mit den Staats- und Regierungschefs durch die Hansestadt – als eine Art Vorauskommando mit schwerer Schutzausrüstung in einem Mannschaftswagen an der Spitze der Kolonnen von Trump, Erdogan und Co. „Unsere Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass die Gipfelteilnehmer ihre geplanten Routen fahren können“, sagt der Polizist aus dem eher ländlich geprägten Kreis Segeberg.

Wie Tausende seiner Kollegen aus den anderen Bundesländern kam er am vergangenen Wochenende kaum zur Ruhe. „Die Einsatzdauer war von fünf Uhr morgens bis zwei Uhr in der Nacht“, sagt Franke. Beklagen wolle er sich nicht. „Wir hatten zumindest jeder ein weiches Bett.“ Auch wenn er es nur für kurze Zeit nutzen konnte. Wirklich nah kam er während der Gipfeltage nur einmal einem der Mächtigen. „Den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan habe ich vor einem Hotel aus knapp drei Metern Entfernung gesehen.“

Normalerweise jagt der Schutzmann auf den Straßen des Kreises Segeberg mit seinem zivilen Videofahrzeug aggressive Drängler und Temposünder. Ursprünglich hätte er in Hamburg das Demonstrationsgeschehen begleiten sollen. Kurzfristig wurden Franke und seine Kollegen aus dem Norden aber der Streckensicherung zugeteilt. „Da stellte sich doch eine gewisse Erleichterung ein“, sagt er.

Der Norddeutsche begrüßt es, dass sich die Staats- und Regierungschefs zu gemeinsamen Beratungen treffen. „Es ist prinzipiell doch immer gut, wenn man miteinander spricht.“ Daran ändere auch die Eskalation der Gewalt in Hamburgs Schanzenviertel nichts. „Es muss in einem Land wie Deutschland möglich sein, Staatschefs zu Beratungen hierher einzuladen“, sagt er.

Michael Franke in seiner normalen Uniform (links) und in der Einsatzkleidung mit Helm und Schlagstock.
Michael Franke in seiner normalen Uniform (links) und in der Einsatzkleidung mit Helm und Schlagstock. Foto: dpa

Franke hat Verständnis für die Proteste gegen das Treffen, nicht aber für den Einsatz von Gewalt gegen Menschen und Sachen. „Ich bezweifele da jeden politischen Hintergrund“, sagt der gebürtige Leipziger. „Ich weiß nicht, ob geringe Intelligenz, Langeweile oder Frust der Auslöser für die Aggressionen sind.“ Er empfinde es als komisch, wenn „Menschen wie in der Schanze mit einem Bier in der Hand wie im Freilichtkino der Gewalt zuschauen“. Noch mehr aber ärgert ihn, dass „die Autonomen in der Nacht zum Freitag Zeit hatten, sich auszutoben“. Beleidigungen wie „faules Schwein“ hat auch er auf der Straße ertragen müssen.

Deutlich mehr sei ihm aber die Dankbarkeit der Hamburger in Erinnerung geblieben. „Das war für mich der große Gewinn dieses Einsatzes“, erzählt der Schutzpolizist. „Das habe ich in der Form so noch nie erlebt. Man hat als Beamter gespürt, der große Teil der Bevölkerung steht hinter der Polizei.“ Das erleben zu können, sei für ihn eine positive Erfahrung gewesen.

Negativ in Erinnerung bleiben ihm dagegen die politischen Ergebnisse des Treffens. Der Polizist aus Schleswig-Holstein hatte vor allem auf Fortschritte im Umweltschutz gehofft. Nach seiner Rückkehr nach Hause hat Franke vor allem sein Schlafdefizit ausgeglichen. „Ich lag im Garten in der Hängematte und habe die hubschrauberfreie Luft genossen.“ Für den Schutz des nächsten Treffens der Staats- und Regierungschefs in Deutschland stünde er bereit: „Ich werde zumindest nicht Nein sagen, wenn ich dann wieder auf der Liste stehe.“

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