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G20-Gipfel in Hamburg : Polizeiseelsorger berichtet: So haben sich die Polizisten beim G20-Einsatz gefühlt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holsteins Polizeiseelsorger Volker Struve war beim G20-Gipfel dabei und lobt die Courage seiner Kollegen.

shz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 11:02 Uhr

Hamburg/Eutin | Er stand in der „heißen Phase“ des Polizeieinsatzes beim G20-Gipfel in Hamburg den Ordnungshütern zur Seite – Schleswig-Holsteins Polizeiseelsorger Volker Struve. Über fünf Tage begleitete der 46-Jährige die Einsatzkräfte. Zwei Tage war Struve zunächst auf eigene Faust bei den Einheiten unterwegs, um das Gespräch mit den eingesetzten Polizisten zu suchen, von Freitag bis Sonntag gemeinsam mit der zweiten Einsatzhundertschaft.

Und die Polizistinnen und Polizisten nahmen die Begleitung und Unterstützung durch den angesehenen Seelsorger dankend an. „Toll, dass Du uns auch begleitest, wenn es kritisch wird“, hätten sich die Beamten gefreut. Bei seinen Gesprächen mit den Beamten habe er unterschiedliche Formen von Anspannung wahrgenommen, letztlich sei ihr Auftreten aber stets professionell, berichtet der Polizeiseelsorger. „Trotz dieser Anspannung haben sich die Kolleginnen und Kollegen in bemerkenswerter Weise um die Bürger gekümmert“, sagt Struve. Die Polizisten seien in der Regel freundlich gewesen und hätten auch viel Verärgerung und abschätzige Reaktionen hingenommen.

Denn einige Bürger hätten uneinsichtig und unhöflich auf Anweisungen der Polizei reagiert. Aber die Mehrzahl sei auch kooperativ und wertschätzend gewesen. „Es haben sich sogar Bürger mit Kaffee und Süßigkeiten zu uns aufgemacht haben, um „Danke“ zu sagen. „Das war sehr wohltuend“, sagt Struve. Auch die vielen besorgten Nachfragen aus dem Freundes- und Familienkreis, die Grüße und die Anteilnahme an den schrecklichen Ereignissen hätten die Einsatzkräfte in der Hansestadt erreicht und ihnen gut getan.

Ein Gefühl der Hilflosigkeit und Frustration hingegen habe sich bei jenen Einsatzkräften breit gemacht, die ein Gebiet sicherten, wo es absolut ruhig gewesen sei, während am anderen Ende der Stadt regelrecht Krieg geherrscht habe und andere Kollegen in Bedrängnis geraten seien. Spürbar gestärkt hingegen seien die Polizisten, die in der Auseinandersetzung mit gewalttätigen Chaoten schließlich Kopf und Kragen riskiert hätten, durch die gelebte Solidarität. „Das beginnt bei den Kollegen, geht über die direkten Vorgesetzten über die Seelsorger bis hin zur Polizeiführung. Aus dem politischen Raum hätten sich die Einsatzkräfte jedoch mehr Rückenstärkung gewünscht“, sagt der Theologe.

Als Seelsorger ist Holger Struve für rund 8000 Beschäftigte der Landespolizei und ihre Familien zuständig. Sein Fazit nach Ende des mehrtägigen Einsatzes: „Es war aber unglaublich beeindruckend, mit welcher Courage und Solidarität die Kolleginnen und Kollegen ihre heikle und gefährliche Aufgabe in Hamburg gemeistert haben.“

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