Gefangenensammelstelle in Hamburg : Neuland: So sieht es im G20-Knast aus

In der Gefangenensammelstelle können  bis zu 400 Gefangene gleichzeitig untergebracht werden.

In der Gefangenensammelstelle können  bis zu 400 Gefangene gleichzeitig untergebracht werden.

400 Gefangene können gleichzeitig in dem ehemaligen Großmarkt untergebracht werden. shz.de zeigt, wie es innen aussieht.

shz.de von
20. Juni 2017, 16:36 Uhr

Hamburg | Gemütlich sieht anders aus. Aber gemütlich soll er auch nicht sein, der „G20-Knast“, den Hamburgs Polizei für das Gipfeltreffen der mächtigsten Staatenlenker der Welt eingerichtet hat. In einer ehemaligen Großmarkthalle,hat die Stadt Container mit Zellen für 400 Gefangene einbauen lassen. Formal ist es kein Gefängnis, sondern eine Gefangenensammelstelle - die Ordnungshüter wie Gipfelgegner fast schon liebevoll „Gesa“ nennen. Am Dienstag durfte die Presse zum ersten und letzten Mal einen Blick in die Einrichtung im abgelegenen Stadtteil Neuland im Bezirk Harburg werfen.

An dem Gipfel am 7. und 8. Juli in der Hamburger Messe nehmen 19 Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter der Europäischen Union teil. Die Behörden rechnen damit, dass neben vielen friedlichen Demonstranten auch bis zu 8000 gewaltbereite aus dem In- und Ausland anreisen werden. Eine linksautonome Demonstration am Tag vor dem Spitzentreffen steht unter dem Motto „G20 - Welcome to hell“ - „Willkommen in der Hölle“.

Der ehemalige Großmarkt in Harburg wird zur G20-Gefangenensammelstelle.
Axel Heimken/dpa

Der ehemalige Großmarkt in Harburg wird zur G20-Gefangenensammelstelle.

Das Innere der Zellen ist mehr als spartanisch - sie sind „nackt“. Darin befindet sich nichts als eine Bank und ein Notfallknopf. Fenster haben die Räume nicht, künstliches Licht fällt vom Flur aus durch Gitterstäbe im oberen Bereich ein. Wer wolle, erhalte eine Matratze oder Decke, um es sich zumindest ein bisschen gemütlich zu machen, sagte Polizeisprecher Ulf Wundrack. Und: „Es gibt keine Video-Überwachung.“ Wundrack betonte, die Festgehaltenen würden „maximal sechs bis zehn Stunden“ Zwangsgäste bei Gesa sein. Dann sollen Richter über die Freilassung oder die weitere Inhaftierung in einer regulären Justizanstalt entschieden haben.

So viel Platz ist in einer Einzelzelle für die Gefangenen.
Axel Heimken/dpa

So viel Platz ist in einer Einzelzelle für die Gefangenen.

 

Die Einzelzellen sind 3,2 Quadratmeter groß, Sie sind vor allem für aggressive und gefährliche Personen gedacht. Friedlichere Zeitgenossen finden sich eher in baugleichen Sammelzellen (neun Quadratmeter) wieder, mit Platz für fünf Insassen. „Das ist ausreichend“, befand Polizeisprecher Timo Zill. „Haben wir selbst ausprobiert.“ Gesa setze ohnehin „bundesweit Maßstäbe“, so Zill, sowohl hinsichtlich der Einrichtung als auch wegen der Nähe zum G20-Amtsgericht auf demselben Gelände an der Schlachthofstraße.

Die Halle ist insgesamt 11.000 Quadratmeter groß.
dpa

Die Halle ist insgesamt 11.000 Quadratmeter groß.

Zur Verfügung stehen außer WCs und Duschen auch Räume für Gespräche zwischen Anwälten und Mandanten, zur ärztlichen Versorgung und für die erkennungsdienstliche Behandlung von Verdächtigen. Insgesamt gibt 36 Sanitär-Container (WC und Duschen), vier Bürocontainer für Gespräche von Anwälten mit Mandanten sowie zwei Arzträume. Nebenan stehen zweigeschossige Bürocontainer für ein eigenes G20-Amtsgericht.

Ein Container für Rechtsanwälte.
dpa

Ein Container für Rechtsanwälte.

Ein für erkennungsdienstliche Arbeit hergerichteter Raum.
Axel Heimken/dpa

Ein für erkennungsdienstliche Arbeit hergerichteter Raum.

Laut Polizei hat die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter die Sammelstelle inspiziert und „die  Vorbereitungen als angemessen empfunden“, wie Zill sagte. Auf dem Gelände stehen mehr als 200 PC-Arbeitsplätze zur Verfügung, 13 Kilometer Datenleitungen wurden verlegt.

Der Eingang zur Gefangenensammelstelle.
dpa

Der Eingang zur Gefangenensammelstelle.

 

Der Kurzzeit-Knast liegt zwischen Gewerbebauten und Bahnlinie südlich der Elbe und damit weitab von den Gipfel-Hotspots Messehallen, Elbphilharmonie und Innenstadt. Halle und Gelände hatten zuletzt als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gedient. Die Polizei nutzt die vorhandenen Container als Büros, für die Zellen wurden Container geleast und nach den Anforderungen des G20-Einsatzes umgerüstet. Die Gesamtkosten schätzt Hamburg auf rund drei Millionen Euro.

Aller Voraussicht nach werden vor allem linke Gewalttäter Bekanntschaft mit dem „Knast“ von Neuland machen. Die Polizei rechnet mit annähernd 10.000 gewaltbereiten Links-Autonomen zum Gipfel in Hamburg und mit entsprechend harten Auseinandersetzungen. Alle die dabei vorläufig festgenommen oder in Gewahrsam genommen werden, landen in der Gefangenensammelstelle.

Gegen die ist eine erste Demonstration linker Gruppen bereits angemeldet. Unter dem Motto „Gesa to hell“ wollen mehrere hundert Teilnehmer am kommenden Sonnabend ab 18 Uhr zur Sammelstelle ziehen. Die Polizei stuft den Aufmarsch als problematisch ein und will mit starken Kräften vor Ort sein.

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