zur Navigation springen

C20 : Merkel zu G20 in Hamburg: „Ich sehe schwierige Diskussionen voraus“

vom

Es sind keine einfachen Gäste, die Merkel im Juli in Hamburg zum G20-Gipfel empfängt. Sie glaubt an den Erfolg.

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2017 | 19:28 Uhr

Hamburg | Sie hat die Welt zum Gipfel nach Hamburg eingeladen - doch gut zwei Wochen vor dem G20-Treffen schwant ihr, dass es eine zähe Veranstaltung werden dürfte. „Ich sehe schwierige Diskussionen voraus“, gestand Bundeskanzlerin und G20-Gastgeberin Angela Merkel (CDU) am Montag in der Hansestadt beim Treffen der wichtigsten Nichtregierungs-Organisationen (NGOs), dem Civil20-Gipfel.

Zugleich ließ Merkel keinen Zweifel daran, dass der Mammutgipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 7. und 8. Juli eine Chance darstelle. Davon solle das Signal ausgehen, „dass wir in globalen Dimensionen denken und handeln“, betonte die Kanzlerin bei einer Podiumsdiskussion mit Civil20-Teilnehmern. Zuvor hatte sie sich bei der Stadt Hamburg bedankt. „Ich weiß, G20 ist eine Herausforderung für die Stadt und für die Bürger.“ Kritik am Treffen sei willkommen, so die CDU-Politikerin, mahnte aber: „Es sollte friedliche Kritik sein.“

Seit Sonntag hatten Vertreter von mehr als 300 Organisationen der Zivilgesellschaft aus aller Welt beim Civil20-Treffen in der HafenCity-Universität diskutiert, was sie den Mächtigen der G20 vor der Hamburger Zusammenkunft mit auf den Weg geben wollen. Am Montag überreichten sie Angela Merkel eine Abschlusserklärung mit den Forderungen der Nichtregierungs-Organisationen, von Greenpeace bis Oxfam. Ganz oben auf der Agenda stehen mehr Umweltschutz, ein Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte, faire Handelsbedingungen sowie mehr globale Gerechtigkeit zwischen reichen und armen Ländern. 

Merkel zeigte sich in der Podiumsdiskussion offen für viele Kritikpunkte der zivilgesellschaftlichen Gruppen, vor allem bei den Themen Finanzmärkte, Umwelt und gerechterer Verteilung. Sie räumte ein: „Nichts ist perfekt an der Globalisierung.“ Multinationale Treffen seien sinnvoll, um an Fortschritten zu arbeiten. „Globalisierung ist eben kein Schicksal, dem man sich ergeben muss, sondern man kann Globalisierung gestalten.“ Das sei eines ihrer Ziele für die Hamburger Mission. Ausdrücklich bekannte sich die Kanzlerin zum Ziel einer kohlenstofffreien Wirtschaft und zum Pariser Klimaabkommen, auch nach dem Ausstieg der USA. „Jetzt mehr denn je.“ 

Dennoch bekam die Regierungschefin auf dem Podium viel Kritik zu hören. „Das Wirtschaftssystem auf der Welt muss sich ändern“, mahnte Winnie Byanyima aus Uganda als Vertretung von Oxfam International. „Es basiert auf der Ausbeutung von Menschen in den ärmeren Ländern.“ Bernd Bornhorst vom Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nixhtregierungs-Organisationen gestand, ihm fehle der Glaube, dass die G20-Mächtigen tatsächlich etwas bewegen wollten, verlangte konkrete Schritte und fragte die Kanzlerin ultimativ: „Wann kommt Butter bei die Fische?“ Realpolitikern Merkel freilich dämpfte zu hohe Erwartungen an den Hamburger Gipfel. Verbindliche Beschlüsse seien nur möglich, wenn alle 20 Teilnehmerstaaten zustimmten. „Ich habe als Gastgeberin zwar einige Möglichkeiten. Aber ich kann auch nicht alle überrennen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen