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Verdacht auf versuchten Mord : Mann aus Greifswald nach G20-Krawalle in U-Haft

vom

Der 27-Jährige ist einer von 51 Verdächtigen in Untersuchungshaft. Er soll einen Hubschrauberpiloten geblendet haben.

shz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 17:24 Uhr

Hamburg/Schwerin | Ein 27-jähriger Mann aus Greifswald ist nach den schweren Krawallen rund um den G20-Gipfel ins Visier der Hamburger Ermittler geraten. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft, weil er mit einem Laserpointer den Piloten eines Polizeihubschraubers gezielt geblendet haben soll, wie eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft am Dienstag sagte. Zunächst hatte das „Hamburger Abendblatt“ darüber berichtet. Der Mann stehe unter Verdacht des versuchten Mordes, er habe den möglichen Absturz des Helikopters in Kauf genommen.

Der Greifswalder ist einer von 51 Verdächtigen, die aktuell in Untersuchungshaft sitzen. Die Mehrzahl stammt aus Deutschland, darunter sind aber auch Bürger aus Frankreich, Italien, Spanien, Russland, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich.

 

Nach ihrem Einsatz beim G20-Gipfel bekommen die rund 700 Polizisten aus Mecklenburg-Vorpommern drei Tage Sonderurlaub. Darüber hinaus könnten sie selbst entscheiden, ob sie ihre Überstunden abbummeln oder sich auszahlen lassen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Dienstag in Schwerin. Damit erfüllte das Ministerium Forderungen der Gewerkschaft der Polizei. Auch andere Bundesländer honorieren den G20-Einsatz ihrer Beamten. So bekommen die Polizisten aus Hamburg und Schleswig-Holstein ebenfalls drei Tage Sonderurlaub. Bei den Krawallen rund um den Gipfel waren elf Polizeibeamte aus Mecklenburg-Vorpommern verletzt worden.

Zuvor hatte auch der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Christian Schumacher, die Anerkennung für die eingesetzten Polizisten aus Mecklenburg-Vorpommern gefordert. Alle rechtlichen Möglichkeiten müssten geprüft werden, um der außergewöhnlichen Einsatzbelastung schnell und unbürokratisch Rechnung zu tragen. „Der G20-Gipfel in Hamburg verlangte der Polizei personell und materiell alles ab.“

Sonderkommission mit 170 Beamten

Eine Sonderkommission „Schwarzer Block“ soll die schweren Gewalttaten am Rande des G20-Gipfels in Hamburg aufklären. „Jetzt geht es darum, weitere Täter der Gewaltexzesse zu identifizieren, damit sie ihrer gerechten Strafe zugeführt werden können“, sagte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer am Dienstag. Es gebe eine Unzahl von Hinweisen aus der Bevölkerung auf mutmaßliche Straftäter. So seien allein 2000 Bild-Dateien bei der Polizei eingegangen. Die Polizei selbst habe etwa 100 Stunden Beweisvideos gedreht.

Rund 110 Beamte für die Sonderkommission sollen aus Hamburg kommen, der Rest aus anderen Bundesländern und vom Bundeskriminalamt. Die Beamten sollen unter anderem an den Tatorten Beweise und Spuren sichern und Zeugen befragen. Eingerichtet wird die Gruppe im Lauf der kommenden Tage in der ehemaligen Gefangenensammelstelle an der Schlachthofstraße in Harburg.

Auf die Frage, ob die Polizei das linke Milieu richtig unter die Lupe genommen habe, antwortete Meyer, dass der Polizei eher vorgeworfen wurde, sie habe zu genau in dieses Milieu geschaut. „Vielleicht hat sich da durch G20 etwas geändert. Wir sind hier teilweise bei einer anderen Dimension von Gewalt angekommen. Ich kann nicht erkennen, dass wir zu wenig geguckt und gemacht haben“, sagte Meyer. Aber jetzt müsse man sich noch mal neu aufstellen. Es gehe auch um internationale Formen der Kriminalität, da die Täter nicht nur aus Hamburg, sondern auch aus dem Ausland kamen.

„Die spannende Frage ist: Wer hat moralisch, wer hat aber auch tatsächlich unterstützt? Welche Verbindungen gibt es? Und wer hat Unterschlupf gewährt“, sagte Meyer. Er könne noch nicht sagen, welche Taten von Hamburgern und welche von Ausländern verübt wurden. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten der internationalen Militanten hätten jedoch an „professionelle Straßenkämpfermentalität“ erinnert.

Auf die Frage, warum die Polizei das Haus mit dem Gerüst in der Straße Schulterblatt, von dem Freitagnacht Steine und Molotow-Cocktails auf die Polizisten geworfen wurden, nicht gesichert habe, antwortete Meyer: „Die Polizei kann nicht mit allen Szenarien, die es irgendwo gibt, hantieren und überall Menschen hinstellen, die das verhindern, was dann denkbar ist.“ Die Polizei arbeite mit naheliegenden Szenarien. Etliche andere Gebäude wären auch in Betracht gekommen. „Auf das Szenario Hausbesetzung waren wir vorbereitet. Das können sie nicht mit dem Szenario Hinterhalt oder Falle stellen vergleichen“, sagte Meyer.

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