Hamburg : Krawalle am ersten Tag des G20-Gipfels: „Es hätte mit Toten enden können“

Autonome randalieren während des G20 Gipfels im Schanzenviertel in Hamburg. /Archiv
Die Vermummten hinterließen in nur 19 Minuten eine 1,2 Kilometer lange Schneise der Verwüstung. / Archiv

Bis heute litten Augenzeugen an erheblichen psychischen Problemen, sagt der Leiter der Soko „Schwarzer Block“, Jan Hieber am Donnerstag.

von
18. Mai 2018, 07:16 Uhr

Hamburg | Bei den schweren Krawallen am ersten Tag des G20-Gipfels in Hamburg ist die Stadt nach Einschätzung der Polizei „nur knapp an einer lebenbensbedrohlichen Eskalation vorbeigeschrammt“. Der Leiter der Soko „Schwarzer Block“, Jan Hieber, sagte Donnerstagabend vor dem G20-Sonderausschuss der Bürgerschaft: „Die Gefahr von schwersten Verletzungen war sehr enorm, es hätte auch mit Toten enden können.“

Hieber hatte den Abgeordneten zuvor geschildert, wie etwa 200 vermummte Gewalttäter am Morgen des 7. Juli 2017 brandschatzend über die Elbchaussee nach Altona gezogen waren. Nach der Bilanz entstand ein Sachschaden von 1,5 Millionen Euro. Die bis heute unbekannten Täter hätten 19 Fahrzeuge in Brand gesetzt.

Schneise der Verwüstung

Laut dem Soko-Chef warfen die Täter unter anderem am Bahnhof Altona drei Brandsätze auf Fahrzeuge der Bundespolizei, in denen ein Beamter saß. Dieser habe seine Dienstwaffe gezückt, aber nicht geschossen. Zudem hätten die Unbekannten mit Signalmunition auf einen Polizeihubschrauber gefeuert. Eine Frau, die das Geschehen an der Elbchaussee mit dem Handy filmte, wurde von den Randalierern brutal getreten. 

Hieber bezeichnete die Gruppe als „schwarzen Mob“, aus dem herauf sich immer wieder Kleingruppen zur Begehung von Straftaten gelöst hätten. Das Vorgehen der im linken Lager vermuteten Randalierer sei ausgesprochen gut organisiert, diszipliniert und „fast schon routiniert“ gewesen. 

Nach seinen Angaben hinterließen die Vermummten in nur 19 Minuten eine 1,2 Kilometer lange Schneise der Verwüstung. In Altona sei ihr Versuch fehlgeschlagen, die Ikea-Filiale mit vier Molotowcocktails in Brand zu setzen. Kurz darauf habe sich die Gruppe aufgelöst. Viele Täter hätten in Verstecken ihre Kleidung gewechselt, um nicht erkannt zu werden.

Polizei wurde überrascht

Einsatzleiter Hartmut Dudde bestätigte indirekt, dass die Polizei von der Massivität der morgendlichen Gewaltexzesse in dem Bereich überrascht worden war. Es seien nicht genügend Kräfte vor Ort gewesen, um die Täter zu stoppen und dingfest zu machen.  

Von den Ausschreitungen und den brennenden Autos am Straßenrand gingen Videobilder um die Welt, die an Bürgerkriegsszenarien erinnerten. Es gebe bei unbeteiligten Augenzeugen bis heute erhebliche psychische Probleme, berichtete Hieber. „Das reicht von traumatisierten Kindern bis zu langfristiger Arbeitsunfähigkeit.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen