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„Welcome to Hell“-Demo : Hamburger Innenstadt bereitet sich auf Ausschreitungen vor

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Bei den Protesten gegen den G20-Gipfel werden Ausschreitungen befürchtet. Die Innenstadt verbarrikadiert sich.

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 17:36 Uhr

Hamburg | Die von der Polizei als besonders heikel eingeschätzte Anti-G20-Kundgebung „Welcome to Hell“ hat am Donnerstag mit zunächst schwacher Beteiligung begonnen. Mehrere hundert Demonstranten sammelten sich am Hamburger Fischmarkt - etwa zur selben Zeit landete US-Präsident Donald Trump auf dem Hamburger Flughafen. Vor allem gegen ihn richtet sich der Zorn vieler Demonstranten.

Die Polizei sprach um 16.45 Uhr von 2000 Demonstranten und von einem stetigen Zustrom. Die Veranstalter nannten ebenfalls zunächst eine Zahl von mehreren hundert Teilnehmern. Sie kritisierten, dass bereits Wasserwerfer und Räumfahrzeuge aufgefahren seien.

Der eigentliche Demonstrationszug durch die Stadt sollte um 19 Uhr beginnen. Erwartet wurden etwa 10.000 Linksautonome. Die Polizei rechnet mit bis zu 8000 gewaltbereiten Demonstranten bei der offiziell als „Für eine solidarische Welt - gegen den G20-Gipfel“ angemeldeten Kundgebung.

Die Demonstration soll vom Fischmarkt über die Reeperbahn bis etwa 300 Meter an die Messehallen heran gehen. Keine andere Demonstration darf dem G20-Tagungsort in den Messehallen näher kommen. Anders als für andere Veranstaltungen hat die Polizei für „Welcome to Hell“ („Willkommen in der Hölle“) keine Auflagen erlassen. Anmelder Andreas Blechschmidt vom linksautonomen Kulturzentrum „Rote Flora“ warf Innenbehörde und Verfassungsschutz dennoch vor, „eine massive Kampagne“ gegen Demonstranten zu führen.

Schon am Donnerstagmittag herrschte schon fast eine gespenstische Stille. Wo sich sonst Touristen tummeln und Angestellte aus den umliegenden Büros und Geschäften in ihrer Pause den Blick auf die Binnenalster genießen, war es wie leergefegt. Die Hamburger Innenstadt bereitet sich auf den G20-Gipfel vor, der am Freitag beginnt.

Vorsicht ist besser als Nachsicht, so schienen viele Geschäftstreibende zu denken. In der Mönckebergstraße, der Haupteinkaufsmeile, haben rund ein Drittel der Geschäfte ihre Schaufenster verbarrikadiert. Wer es sich leisten kann, hat in brandschutzsicheres Holz investiert. Mehrere Tischler waren noch am Donnerstagmittag eifrig beschäftigt. „Ich war zunächst ziemlich genervt vom Gipfel, bis ich jetzt so viel Geld damit verdient habe“, erzählt Tischler Maik (29).

„Die Straßen sind wie leergefegt, das könnte immer so sein“, sagte ein Taxifahrer. Am nahegelegenen Jungfernstieg bot die „ATG Alstertouristik“ wie gewohnt Bootstouren an. Man lasse hier alles auf sich zukommen, erzählte ein Mitarbeiter. Jedoch rechne man in den kommenden Tagen mit Umsatzeinbußen.

Im traditionell linksalternativ geprägten Schanzenviertel - ganz in der Nähe des Gipfel-Tagungsorts, den Messehallen - sieht man den Gipfeltagen entspannter entgegen. Einige Geschäfte sind zwar verbarrikadiert, aber der Grundtenor ist ein anderer. Hier ist man schließlich an Demos gewöhnt, beispielsweise am 1. Mai. Ein Postbote verteilte wie gewohnt Briefe an die Anwohner. „Ich kenne das ja schon“, sagte er und zuckte unbeeindruckt mit den Schultern. Viele Läden rund um das linksautonome Kulturzentrum „Rote Flora“ distanzieren sich auf Plakaten vom Gipfel, etwa mit der Aufschrift „G20-Bier woanders trinken“. An einigen Häusern hängen zudem Transparente: „Eure Lösungen sind unsere Probleme“ oder „Nein, wir haben kein Verständnis“.

Der Schmuckladen „bleu“ in der Schanzenstraße bleibt regulär geöffnet. „Ich lass' mich nicht vertreiben“, sagte Besitzerin Regina am Vormittag. „Ich muss nur schließen, wenn sich draußen die Wasserwerfer und Hundertschaften postieren“, erklärte die 56-Jährige. Vorsichtshalber habe sie sich einen Essensvorrat für die nächsten Tage angelegt. Besonders ärgerlich seien für sie die Umsatzeinbußen. Der Straßenverkehr ist praktisch blockiert.

Im Karolinenviertel direkt an den Messehallen rechnet die Naturheilpraktikerin Johanna für diesen Tag nicht mehr mit Kunden. „Alle haben für die kommenden Tage ihre Termine abgesagt“, erzählt die 36-Jährige. Ihre beiden Kinder habe sie außerhalb untergebracht. In anderen Stadtteilen bekomme man schließlich nicht so viel von dem Trubel mit. „Für sie ist es hier unheimlich mit der ganzen Polizei.“

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