zur Navigation springen

G20-Gipfel in Hamburg : Glitzer statt G20-Zerstörung - „Budni“ feiert Wiedereröffnung

vom

Nach drei Monaten Renovierungsarbeiten eröffnet die Filiale der Drogeriemarkt-Kette Budnikowsky im Schanzenviertel.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 16:43 Uhr

Hamburg | Die meisten Schäden von den Ausschreitungen beim G20-Gipfel sind inzwischen beseitigt. Nur vereinzelt sind noch die Spuren der Zerstörung im Schanzenviertel zu sehen. Nun beging ein Hamburger Traditionsunternehmen einen großen Tag - mit mahnenden Worten.

Vor drei Monaten stand Cord Wöhlke um Fassung ringend inmitten der Trümmer seines Geschäfts. Um ihn herum Scherben, heruntergerissene Regale, auf den Boden geworfene Shampoo-Flaschen und Cremes. Es knirschte bei jedem Schritt, den Wöhlke in die verwüstete und geplünderte Filiale der Drogeriemarkt-Kette Budnikowsky im Hamburger Schanzenviertel setzte.

Budnikowsky-Geschäftsführer Cord Wöhlke in der zerstörten Filiale. /Archiv
Budnikowsky-Geschäftsführer Cord Wöhlke in der zerstörten Filiale. /Archiv Foto: Christian Charisius
 

Was Chaoten bei den Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfels Stunden zuvor in seinem Laden angerichtet hatten, machte den Budnikowsky-Geschäftsführer fassungslos. „Diese Bilder bleiben von G20 übrig“, sagte Wöhlke am 8. Juli den Tränen nahe, während fast zeitgleich Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) US-Präsidentengattin Melania Trump durchs pompöse Rathaus führte.

Drei Monate später ist die Wut Freude gewichen. „Ich bin glücklich und zufrieden“, sagt Wöhlke, als er am Freitag vor der frisch renovierten Filiale in der Straße Schulterblatt steht. Es gibt bei der Wiedereröffnungsfeier in dem denkmalgeschützten Haus, bunte Luftballons, frisch gemixte Smoothies und Gratisproben, Glitzerkonfetti liegt in den Gängen. Welch Kontrast zum direkt daneben gelegenen Rewe-Supermarkt, der bei den Krawallen ebenfalls verwüstet und geplündert wurde und noch immer geschlossen ist.

Beide Geschäfte liegen in Nachbarschaft des linksautonomen Zentrums Rote Flora, das für die Krawalle mitverantwortlich gemacht wurde.

Dass sich Rote-Flora-Anwalt Andreas Beuth zwar von den Ausschreitungen im eigenen Viertel distanziert („Bei Rewe und Budnikowsky kaufen ich und meine Frau selbst ein“), aber zunächst „gewisse Sympathien“ für Aktionen in anderen Stadtteilen geäußert hatte, will Wöhlke nicht weiter kommentieren. Nur so viel: „Man kann ja mit der Roten Flora weiter zusammenarbeiten, aber sie muss auf Gewalt verzichten.“

Kundin Heike Lange (54), die seit 30 Jahren im traditionell linken Schanzenviertel lebt, ist überzeugt, „dass es nicht Leute aus der Roten Flora waren, die den „Budni“ zerlegt haben“. Sie habe junge Männer gesehen, die Krawall machen wollten, sagt sie. „Ich habe da nichts Politisches sehen können.“ Die Rote Flora sei weiter fest verankert in dem Stadtteil, in dem die Linken bei der Bundestagswahl mit 34,9 Prozent klar stärkste Kraft wurden. „Absolut wichtig“ sei das Autonomenzentrum für das Leben im Schanzenviertel.

Hanna Schwerwinski (28) sagt nach ihrem ersten Einkauf in dem neuen „Budni“, wie alle Hamburger das 1912 gegründete Unternehmen mit 180 Filialen nennen: „Es ist schön, dass Altes neu aufgebaut wird.“ Und auf einer im Schaufenster ausgestellten Tür haben Anwohner Sprüche geschrieben wie „Ganz Hamburg liebt Budni“ oder „Wie schön, dass Ihr zurück seid“. Aber - typische Schanze - auch klar gemacht: „No G20“.

Auf 700.000 bis 800.000 Euro beziffert Wöhlke den Schaden in seiner Filiale. Insgesamt richteten die Randalierer nach jüngsten Zahlen des rot-grünen Senats Schäden in Höhe eines „mittleren einstelligen Millionenbetrags“ an. Der aufgelegte 40-Millionen-Euro-Hilfsfonds wird also nur zu Teilen in Anspruch genommen.

Wöhlke hofft, dass im kommenden Jahr die fast schon traditionellen Ausschreitungen im Schanzenviertel am 1. Mai ausbleiben. Immerhin ging ja auch das Schanzenfest Ende September friedlich über die Bühne. Dennoch lautet Wöhlkes Appell nach den G20-Krawallen: „Wir müssen verhindern, dass so etwas wieder geschieht.“

Alle Informationen zu dem G20-Gipfel finden Sie auf unserer Sonderseite.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen