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Forderung nach Entschädigungsfonds : G20-Schäden: „Wer die Musik bestellt, muss zahlen“

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Zerstörungen, Plünderungen, Einnahmeausfälle: Die Handelskammer Hamburg fordert einen Entschädigungsfonds für die Opfer.

shz.de von
erstellt am 20.Jul.2017 | 15:24 Uhr

Hamburg | Der Staat hat zum G20-Gipfel in Hamburg eingeladen, also muss der Staat auch für die entstandenen Krawallschäden geradestehen: So jedenfalls sieht es die Hamburger Handelskammer und fordert einen millionenschweren Entschädigungsfonds mit einem Rechtsanspruch für G20-Opfer. „Wer die Musik bestellt, der muss sie auch bezahlen“, befand Kammer-Präses Tobias Bergmann am Donnerstag. Der von Hamburg und dem Bund angekündigte gemeinsame Härtefallfonds reiche längst nicht aus, weil er als „Gnadenakt“ angelegt sei und damit vermutlich nicht alle Betroffenen entschädigen werde.

Während der heftigen Ausschreitungen rund um den Gipfel (7./8. Juli) sind Hunderte Ladenbesitzer in Hamburg zu Schaden gekommen, nicht nur durch zerstörte Schaufenster und geplünderte Auslagen, sondern auch durch erhebliche Umsatzeinbußen sowie den Mehraufwand für die Sicherung der Geschäfte, die Kosten für Wachpersonal und anderes.

Überraschend will der Kammer-Präses dagegen die Versicherungen von der Schadensbegleichung ausnehmen. Er verwies darauf, dass nicht alle Ladenbesitzer ausreichend versichert seien. Andere müssten eine Anhebung ihrer Beiträge oder gar ihren Rauswurf befürchten, sollte ihre Versicherung G20-Schäden ersetzen.

Wie viel Geld Geschäftsleute in der Hansestadt vor, während und nach dem Gipfel verloren haben, vermochte Bergmann nicht zu beziffern. Das City-Management schätzt, dass sich allein die Umsatzausfälle für Läden in der Innenstadt auf 18 Millionen Euro summieren. City-Managerin Brigitte Engler hat Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) vor einigen Tagen aufgefordert, zum Ausgleich zwei verkaufsoffene Sonntage zusätzlich zu genehmigen.

Besonders hart haben die Krawalle und Plünderungen die Gewerbetreibenden in St. Pauli, Altona und vor allem im Schanzenviertel getroffen. Auf Initiative der Handelskammer haben sich in der Schanze etwa 20 Betriebe zusammengetan, um ihre Interessen nach dem Gipfeldesaster gegenüber der Stadt zu vertreten. „Wir wollen und müssen das Image des Stadtteils in der Öffentlichkeit aufwerten. Das ist hier nicht nur das berüchtigte Viertel“, sagte Falk Hocquél, Inhaber des Lokals Schmidt & Schmidtchen, direkt neben der Roten Flora. Zu den Maßnahmen könne auch eine Marketingkampagne für die Schanze gehören, schlug Präses Bergmann vor. „Die sollte dann auch aus dem Entschädigungsfonds bezahlt werden.“

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